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KomNet-Wissensdatenbank

Ist der Arbeitgeber verpflichtet, Steighilfen beim Besteigen von Steigleitern in Windkraftanlagen bereitzustellen?

KomNet Dialog 15414

Stand: 27.01.2012

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Persönliche Schutzausrüstung (PSA) > Beschaffung und Bereitstellung von PSA

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Frage:

Ist der Arbeitgeber verpflichtet, Steighilfen beim Besteigen von Steigleitern in Windkraftanlagen (WKA) bereitzustellen? Es handelt sich dabei um Arbeiten als Servicetechniker für WKA. In diesem Fall besteigt man mitunter bis zu 4 WKA am Tag. Ist dort eine Bestimmung in Sachen Gesundheitsschutz, Rückenschonung, Gelenkbelastung, Lendenwirbelbelastung wirksam?

Antwort:

Die berufsgenossenschaftliche Information BGI 657 "Windenergieanlagen" gibt Hinweise zu Gefährdungen, Belastungen und Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten an Windenergieanlagen (http://publikationen.dguv.de/).

Eine Steigleiter zum Besteigen der Windkraftanlage gehört zu den Verkehrswegen und muss demzufolge den Anforderungen, die an Verkehrswege gemäß Arbeitsstättenverordnung zu stellen sind, genügen. Verkehrswege müssen so beschaffen und bemessen sein, und in diesem Zustand unterhalten werden, dass sie je nach ihrem Bestimmungszweck sicher begangen oder befahren werden können. Generell gilt dann auch, dass Verkehrswege, bei denen eine Absturzgefahr besteht, mit Einrichtungen versehen sein müssen, die verhindern, dass Beschäftigte abstürzen können.

Anforderungen an Steigleitern und Steigeisengänge findet man in der Arbeitsstättenverordnung im Anhang. Unter Ziffer 1.11 (a) wird aufgeführt, dass Steigleitern nach Notwendigkeit über Schutzeinrichtungen gegen Absturz, vorzugsweise über Steigschutzeinrichtungen, verfügen müssen (Ziffer 1.11 des Anhangs zur ArbStättV).

Konkretisierende Anforderungen zu Steigeisengängen und Steigleitern werden in der noch gültigen Arbeitsstättenrichtlinie ASR 20 "Steigeisengänge und Steigleitern" erläutert. Steigeisengänge mit mehr als 5 m Absturzhöhe müssen mit Einrichtungen zum Schutz gegen Absturz ausgerüstet werden. Und unter Ziffer 6.4 wird aufgeführt, dass ..... Steigleitern mit Absturzhöhen von mehr als 10 m mit Einrichtungen ausgerüstet sein müssen, die den Einsatz von Steigschutz ermöglichen.
Weitere Anforderungen und Hinweise an Steigleitern finden in dem Dialog 5484 der KomNet-Datenbank.
Auf den Bericht "Schwere bzw. tödliche Unfälle bei der Benutzung von Steigschutzeinrichtungen" des Fachausschusses PSA - Themenfeld "PSA gegen Absturz" (http://www.dguv.de/fb-psa/de/sachgebiet/sg_absturz/fuer_praxis__schw_unfaelle.pdf) weisen wir hin.

In Kapitel 8.3.1 werden die Gefährdung durch Nichtbeachten ergonomischer Erkenntnisse beschrieben und Handlungsmöglichkeiten angegeben. So sollen zur Reduktion der schweren körperlichen Arbeit Lasten mit vorhandenen Steighilfen, Aufzugsanlagen oder Befahranlagen gehoben werden.
Die ergonomische Gestaltung von Arbeitsplätzen ist u.a. abhängig von der Art der Arbeitsanforderung. 
Beim Heben von Lasten ist besonders darauf zu achten:
- eine Last nie ruckartig heben
- beim Anheben/Absetzen einer Last die Wirbelsäule nicht verdrehen
- Lasten stets körpernah heben
- schwere Lasten sollten aus einer Höhe von 50 bis 80 Zentimetern angehoben werden
- das Anheben von schweren Lasten sollte aus der Hocke, mit durchgestrecktem Rücken und aufgerichtetem Körper, erfolgen
- lieber mehrmals kleine Lasten heben.

Die Anforderungen hat der Arbeitgeber im Rahmen seiner Gefährdungsbeurteilung zu bewerten, festzulegen und umzusetzen. Dabei soll er sich von seiner Fachkraft für Arbeitssicherheit und dem Betriebsarzt unterstützen lassen.
Die Beschäftigten sind über die Sicherheit und den Gesundheitsschutz ausreichend und angemessen arbeitsplatz- bzw. tätigkeitsbezogen zu unterweisen. Vergleiche dazu § 12 Abs. 1 Arbeitsschutzgesetz