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Wie ist bei der Restaurierung von historischen Gebäuden, deren Holzteile mit mittlerweile als gesundheitsschädlich eingestuften Holzschutzmitteln behandelt wurden, vorzugehen?

KomNet Dialog 15394

Stand: 24.01.2012

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Sanierungsarbeiten, Entsorgung

Dialog
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Frage:

Wie ist bei der Restaurierung von hitorischen Gebäuden, deren Holzteile (Dachbalken etc.) mit mittlerweile als gesundheitsschädlich eingestuften Holzschutzmitteln behandelt wurden vorzugehen? Gibt es Grenzwerte für PCP, Lindan etc., an die bestimmte Schutzmassnahmen (Trennung in Schwarz-Weiss-Bereich) gebunden sind? Was ist durch das ausführende Unternehmen zu beachten?

Antwort:

Gemäß den Informationen des Ratgebers " Häuser und Wohnungen - Gesundheitsbewusstes Modernisieren" (www.apug.nrw.de) enthielten die in den 60´er und 70´er Jahren verwendeten Holzschutzmittel oft eine Kombination verschiedener Wirkstoffe, so genannter Biozide: Die Fungizide sollten das Holz vor Pilzen, die Insektizide vor Insekten und anderen Schädlingen schützen.

"Sind Bauteile aus Holz mit Schadstoffen belastet, ist die Verwendung des Wirkstoffes Pentachlorphenol (PCP) häufig schuld daran. PCP wurde in vielen Holzschutzmitteln gemeinsam mit dem Insektizid Lindan in einem Mengenverhältnis von ca. 10 :1 verwendet. Hinzu kommt, dass das für die Herstellung der Holzschutzmittel meist verwendete technische PCP noch mit anderen gesundheitsschädlichen Stoffen verunreinigt ist, von denen insbesondere PCDD/F (polychlorierte Dibenzodioxine und -furane) von Bedeutung sind. PCP-haltige Holzschutzmittel sollten das Holz vor Verfall und Witterungeseinflüssen schützen (z.B. im Dachstuhlbereich, bei Holztreppen und Holzgeländern, Holzfenstern und Außentüren). Zusätzlich wurden die mit Farbpigmenten angereicherten Mittel zur „Verschönerung“ im Innenbereich eingesetzt (z.B. bei Holzverkleidungen, Vertäfelungen, Schallschutzdecken, teilweise auch Holzfußböden)."

"Um das Holzschutzmittel auch gegen Insekten einsetzen zu können – sozusagen in einem Arbeitsgang – wurde die Mischung um die Substanz Lindan (gamma-Hexachlorcyclohexan) erweitert. Neben PCP und Lindan sind in den alten Bundesländern eine Reihe weiterer Substanzen eingesetzt worden: Permethrin, Chlornaphthaline (werkseitig in Spanplatten für Fertighäuser), Chlorthalonil und Endosulfan. Die diesbezüglichen Gefährdungen sollten Sie mit einem Fachmann abklären."

"Bei einer Belastung der Bewohner durch PCP unterscheidet man zwischen Primär- und Sekundärquellen. Primärquellen sind Bauteile oder Gegenstände, die gezielt mit PCP-haltigen Mitteln behandelt wurden und aus denen PCP in die Raumluft freigesetzt wird. Sekundärquellen sind Bauteile oder Gegenstände, die PCP meist über längere Zeit aus der Raumluft aufgenommen haben. Sie geben das auf ihrer Oberfläche angelagerte PCP nach und nach wieder in die Raumluft frei. Das vom Holz abdampfende PCP lagert sich auch an den im Raum befindlichen Staub an.
"

Die speziellen Regelungen für die Altlastensanierung, einschließlich der Vor- und Nacharbeiten, sind in der Technischen Regel für Gefahrstoffe TRGS 524 "Schutzmaßnahmen bei Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen"  (www.baua.de/TRGS/) zusammengefasst. Siehe besonders Kapitel 4.9.3 der TRGS 524. Je nach Art der Sanierung existieren auch länderspezifische Regelungen, z.B. die Richtlinie für die Bewertung und Sanierung Pentachlorphenol (PCP)-belasteter Baustoffe und Bauteile in Gebäuden (PCP-Richtlinie; z.B. http://www.gaa.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/16493/6_3.pdf). In der PCP-Richtlinie stehen Regelungen und Hinweise, wie Bauprodukte, die PCP enthalten, gesundheitlich zu bewerten sind und wie Sanierungen durchgeführt werden können. Auch die Fragen, welche Schutzmaßnahmen dabei beachtet werden müssen, wie die Abfälle und das Abwasser zu entsorgen sind und wie sich der Erfolg einer Sanierung kontrollieren lässt, werden hier behandelt.
Die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung sind in einem Arbeits- und Sicherheitsplan zu beschreiben. Gefährdungsbeurteilung und Arbeits- und Sicherheitsplan (entsprechend Anlage 3 TRGS 524) sind von fachkundigen Personen durchzuführen.

"Zur Durchführung der Gefährdungsbeurteilung für Arbeiten in kontaminierten Bereichen sind besondere Kenntnisse erforderlich. Deshalb werden insbesondere solche Personen als fachkundig angesehen, die besondere Kenntnisse zu Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen nachweisen können. Die besonderen Kenntnisse können im Rahmen der beruflichen Ausbildung oder durch Fort- bzw. Weiterbildung erworben werden und können als vorhanden angesehen werden, wenn sie durch Zeugnisse nachgewiesen und im Falle der Fachkunde nach Anlage 2 A regelmäßig durch die Teilnahme an einer qualifizierten Fortbildungsmaßnahme auf dem Gebiet der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei Tätigkeiten in kontaminierten Bereichen aktualisiert werden. In Bezug auf die Fachkunde nach Anlage 2B wird die Teilnahme an entsprechenden Fortbildungsmaß-nahmen empfohlen. Die Anlagen 2 A und 2 B enthalten die Mindestanforderungen an die gemäß dieser TRGS fachkundige Person und deren besonderen Kenntnisse."

D.h. fachkundige Person im Sinne dieser TRGS ist, wer die in der TRGS 524 genannten Aufgaben fachgerecht erledigen kann, über berufliche Erfahrung in der Planung und/oder der Ausführung von Arbeiten in kontaminierten Bereichen sowie über ausreichende und einschlägige bau- und arbeitsschutzfachliche Kenntnisse verfügt und durch Zeugnisse nachweisen kann, insbesondere der in Anlage 2A und 2B zu TRGS 524 aufgeführten Kompetenzen.

Vor Sanierung wird im Regelfall zur Verdachtsbestätigung einer PCP-Belastung in der Raumluft die Holzoberfläche (Holzprobe) analysiert und bei positiver Bestätigung eine Raumluftmessung durchgeführt.

"Grundsätzlich sind verschiedene Methoden für eine erfolgreiche und dauerhafte Sanierung geeignet:
- Beschichten und Bekleiden behandelter Bauteile
- Räumliche Trennung behandelter Bauteile
- Entfernung behandelter Bauteile
- Entfernung behandelter Bereiche von Bauteilen
- Entfernung oder Reinigung sekundär belasteter Materialien oder Gegenstände
Unabhängig von der Wahl der Methode sollte nach Abschluss einer Sanierung der Erfolg durch eine Raumluftmessung überprüft werden."

Näheres dazu können Sie dem Ratgeber "Häuser und Wohnungen - Gesundheitsbewusst Modernisieren"  (http://www.apug.nrw.de/inhalte/wohnen.htm), der TRGS 524 und der o.g. PCP-Richtlinie entnehmen.