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Müssen bei alten Stetigförderern Schutzmaßnahmen an den nicht gekapselten bewegten Laufrollen ergriffen werden?

KomNet Dialog 15247

Stand: 30.12.2011

Kategorie: Sichere Produkte > Beschaffenheit von Arbeitsmitteln / Einrichtungen > Beschaffenheit `alte` Arbeitsmittel / Nachrüstung

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Frage:

Müssen bei "alten" Stetigförderern (Plattenband) Schutzmaßnahmen an den nicht gekapselten bewegten Laufrollen ergriffen werden, obwohl die Bandgeschwindigkeit sehr niedrig ist (ca. 1 Meter/min)?

Antwort:

Stetigförderer sind Arbeitsmittel im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung. Weitere relevante Regeln und Informationen bietet die Berufsgenossenschaft unter http://www.stbg.de/site.aspx?url=sich_ges/stetfoer/index.html, die BG-Information BGI 710 "Stetigförderer" und die BG-Regel - BGR 500 "Betreiben von Arbeitsmitteln" Kapitel 2.9 (Stetigförderer) an.

Grundsätzlich hat der Arbeitgeber nach § 4 Abs. 1 der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) sicherzustellen, dass nur Arbeitsmittel benutzt werden, an denen Gefahrstellen vermieden oder durch Schutzeinrichtungen gesichert sind. Der Arbeitgeber hat im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach Arbeitsschutzgesetz bzw. der Betriebssicherheitsverordnung zu ermitteln, ob die Maschine (Arbeitsmittel) die Anforderungen, den an die Beschaffenheit gestellt werden, entsprechen (siehe § 7 BetrSichV).

Anforderungen an ältere Maschinen, die vor dem Inkrafttreten der Maschinenrichtlinie in Verkehr gebracht wurden, ergeben sich aus Anhang 1 der BetrSichV. Auf die Vorbemerkung Nr. 1 des Anhangs 1 der BetrSichV wird hingewiesen. Unter Ziffer 2.8 des Anhangs 1 der BetrSichV wird ausgeführt, "dass Arbeitsmittel mit Schutzeinrichtungen ausgestattet sein müssen, die den unbeabsichtigten Zugang zum Gefahrenbereich von beweglichen Teilen verhindern oder welche die beweglichen Teile vor dem Erreichen des Gefahrenbereichs stillsetzen.
Die Schutzeinrichtungen
- müssen stabil gebaut sein,
- dürfen keine zusätzlichen Gefährdungen verursachen,
- dürfen nicht auf einfache Weise umgangen oder unwirksam gemacht werden können,
- müssen ausreichend Abstand zum Gefahrenbereich haben,
- dürfen die Beobachtung des Arbeitszyklus nicht mehr als notwendig einschränken und
- müssen die für Einbau oder Austausch von Teilen sowie für die Instandhaltungs- und Wartungsarbeiten erforderlichen Eingriffe möglichst ohne Demontage der Schutzeinrichtungen zulassen, wobei der Zugang auf den für die Arbeit notwendigen Bereich beschränkt sein muss."

Bei Stetigförderern besteht überall dort Einzuggefahr, wo Gurte auf Rollen oder Trommeln auflaufen und aus der geraden Laufrichtung umgelenkt werden. Dies sind insbesondere Antriebstrommeln, Spanntrommeln, Umlenktrommeln,  Druckrollen, Tragrollen an Bandkrümmungen, Rollenansätze an Bandwendestationen.
Weitere Einzugstellen bestehen überall dort, wo die Bänder durch Bandspannung, Fördergut oder darüber liegende Bauteile nicht nach oben ausweichen können. Dies sind insbesondere Tragrollen unter Aufgabetrichtern und Leitblechen, Tragrollen bei Stückgutförderung, Untergurttragrollen.
Alle diese Gefahrstellen müssen durch Schutzeinrichtungen so abgesichert werden, dass niemand – bewusst oder versehentlich – die Einzugstellen erreichen kann.
Welche Schutzmaßnahmen erforderlich sind kann der BGI 710 "Steigförderer"- Kapitel 3 "Gefahren, Schutzmaßnahmen und Einrichtungen an Stetigförderern" entnommen werden. 

Hinweis: Da die Gefahren an Kettenförderern in weiten Bereichen vergleichbar mit denen sind, die an Bandförderern auftreten, sind die für Bandförderer genannten Maßnahmen dem Grundsatz nach auch auf Kettenförderer zu übertragen.
Bei den Kettenrädern ist es nicht ausreichend, Auflaufstellen durch Anbringung eines Füllstückes abzusichern, da sich zwischen jedem einzelnen Zahn und dem Füllstück eine neue Scherstelle bildet.