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Gibt es Sicherheitsrichtlinien für das Versenden von Blut- und Laborproben mittels Rohrpostanlagen?

KomNet Dialog 1522

Stand:

Kategorie: Belastungen durch Biostoffe > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Biostoffen > Allgemeine Schutzmaßnahmen (6.)

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Frage:

Gibt es Sicherheitsrichtlinien für den innerbetrieblichen automatischen Transport von biologischen Stoffen? Es handelt sich um das Versenden von Blut- und Laborproben mittels Rohrpostanlagen. Herstellerseits sind keine Informationen zu bekommen.

Antwort:

Für den innerbetrieblichen automatischen Transport von biologischen Arbeitsstoffen, wie z.B. das Versenden von Blut- und Laborproben mittels Rohrpostanlagen in Krankenhäusern, gelten die Vorschriften der Biostoffverordnung (BioStoffV) sowie der Technischen Regeln für biologische Arbeitstoffe (TRBA).  Es handelt sich bei diesem Transport um eine nicht gezielte Tätigkeit.
Auch für eine Rohrpostanlage muss vor Inbetriebnahme eine Gefährdungsbeurteilung gemäß § 7 i. V. m. § 8 Biostoffverordnung durchgeführt werden. Sie sollte sowohl die Arbeitsplätze an der Eingabeseite (Probenverpackung) und Entnahmestelle berücksichtigen, als auch die Möglichkeiten von Leckage, Bruch, Fehlbedienung und Fehlleitung im Rohrpostsystem umfassen. In Abhängigkeit von der Gefährdungsbeurteilung können im Einzelfall weitere sicherheitstechnische Maßnahmen als hier aufgeführt nötig sein.
Gemäß TRBA 100 Nr. 6.1.2 Abs. 1 sind Tätigkeiten mit humanen Probenmaterialien (Körperflüssigkeiten, Gewebe, Zellkulturen etc.) der Schutzstufe 2 zuzuordnen. Für Tätigkeiten mit potentiell oder nachgewiesen infektiösen menschlichen oder tierischen Probenmaterialien hat der Arbeitgeber zusätzlich einen Hygieneplan zu erstellen und wirksame Desinfektionsverfahren einzusetzen. Dies gilt gemäß TRBA 100 Nr. 6.1.1 Abs. 5 ausdrücklich auch für Arbeitsplätze in der Probenverteilung und somit ebenfalls im Bereich automatisierter Verteilersysteme. Der innerbetriebliche Transport von Untersuchungsmaterial der Schutzstufe 2 muss in geschlossenen, formstabilen, bruchsicheren, flüssigkeitsdichten und von außen desinfizierbaren Probengefäßen erfolgen, die dauerhaft beschriftbar oder etikettierbar und vorzugsweise transparent sind. Sie müssen manuell zu öffnen sein, dürfen sich aber durch äußere Einwirkungen nicht versehentlich öffnen lassen (TRBA 100 Nr. 6.1.4 Abs. 5). Die Schutz- und Sammelcontainer für Probengefäße sind mit dem Symbol für Biogefährdung nach Anhang 1 der Biostoffverordnung zu kennzeichnen. Sie müssen so beschaffen sein, dass sie unter normalen Transportbedingungen nicht zerstört werden können. Entsprechende Rohrbüchsen werden von Fachfirmen angeboten.
Kontaminationen der Probengefäße und der Anforderungsscheine sind zu vermeiden, kontaminierte Probengefäße müssen nach Probenanlieferung desinfiziert und ggf. neu etikettiert werden um Schmierinfektionen vorzubeugen. Auf den Anforderungsscheinen sind schon bekannte Infektionen zu dokumentieren. 
Es muss sichergestellt sein, dass die Entnahme nur am vorgesehenen Ort und durch autorisierte Personen erfolgen kann. Gegen unbefugtes Öffnen werden Plomben und Codierungen angeboten. Eine Dekontamination der Gefäße muss problemlos möglich sein (thermo-chemische Desinfektion, ggf. Bestahlung oder Begasung).
Nach dem Ausschluss von Kontamination können die Tätigkeiten mit diesen Proben der Schutzstufe 1 zugeordnet werden. Es sind dann die Mindestanforderungen der TRBA 500 an die allgemeine Hygiene zu beachten.
Nach dem Stand der Technik werden für den Transport von Laborproben in Rohrpostsystemen verminderte Fahrgeschwindigkeit und pneumatische Abbremsung empfohlen. Der Austausch eventuell kontaminierter Luft zwischen den Rohrpoststationen wird durch moderne Ein- und Ausschleusetechniken verhindert. Zielnummern und Adressen sind individuell programmierbar und werden angezeigt. Die Anlagen verfügen über computergesteuerte Überwachungssysteme.
Weitergehende Informationen bietet auch die Richtlinie des Robert-Koch-Instituts zur Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (siehe Ziffer 4.5.3 - Anforderungen der Hygiene an die funktionelle und bauliche Gestaltung von Transportanlagen). 
Informationen zu biologischen Arbeitstoffen und die Technischen Regeln für biologische Arbeitststoffe werden von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin – BAuA im Internet angeboten unter baua.de.