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KomNet-Wissensdatenbank

Welche gesetzlichen, berufsgenossenschaftlichen oder anderen Vorgaben gibt es zum Transport von schweren Presswerkzeugen?

KomNet Dialog 15151

Stand: 14.12.2011

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Benutzung von Arbeitsmitteln und Einrichtungen > Sichere Benutzung der Arbeitsmittel

Dialog
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Frage:

Wechsel von Werkzeug an Pressen Beim Wechseln von Werkzeugen an z.B. Hydralikpressen müssen diese aus der Presse ausgebaut und innerbetrieblich transportiert werden. Hierzu werden die Werkzeuge, Gewicht bis zu 4 t, auf den Gabeln von Staplern geschoben und transportiert. Die Werkzeuge haben keine Arrektierungsvorrichtungen an die Gabeln. Ist diese Art des Transportes zulässig? Welche gesetzlichen, berufsgenossenschaftlichen oder anderen Vorgaben gibt es zum Transport von Presswerkzeugen?

Antwort:

Bei der in diesem Zusammenhang zu erstellenden Gefährdungsbeurteilung  sind im Wesentlichen neben den grundlegenden Bestimmungen des Arbeitsschutzgesetzes und der Betriebssicherheitsverordnung folgende Regeln zu berücksichtigen:

a) Nr. 3.2.3 a) Anhang 1 der Betriebssicherheitsverordnung
b) Technische Regel für Betriebssicherheit TRBS 2111 Teil 2 "Mechanische Gefährdungen - Maßnahmen zum Schutz vor unkontrolliert bewegten Teilen" (www.baua.de/TRBS/)
c) § 11 der Unfallverhütungsvorschrift BGV D27 "Flurförderzeuge"


Zu a):
Hier ist gefordert, dass Arbeitsmittel zum Heben von Lasten insbesondere verhindern müssen, dass sich die Lasten ungewollt gefährlich verlagern oder im freien Fall herabstürzen.

Zu b):
Als mögliche technische Maßnahmen zur Verhinderung unkontrollierter Bewegungen der Teile (hier Pressenwerkzeuge) werden hier formschlüssige Halterungen, Klemmeinrichtungen, Fixiereinrichtungen (z. B. Spanngurte) und Anschläge genannt.

Als mögliche (zusätzliche) organisatorische bzw. personenbezogene Maßnahmen werden hier u. a. die Qualifikation der Beschäftigten (z. B. in Ladungssicherungsmaßnahmen), die Festlegung von Arbeitsabläufen (in einer Betriebsanweisung mit anschließender Unterweisung der betroffenen Beschäftigten) sowie das Festlegen von räumlichen Aufenthaltsverboten für Personen in Gefährdungsbereichen beschrieben.

Zu c):
Hiernach müssen Flurförderzeuge (hier Gabelstapler) so beladen werden, dass die Last nicht herabfallen oder sich unbeabsichtigt verschieben kann.

Fazit:
Für den Umgang mit Arbeitsmitteln gilt generell, dass für die Bereitstellung und Benutzung von Arbeitsmitteln auch die ergonomischen Zusammenhänge zwischen Arbeitsplatz, Arbeitsmittel, Arbeitsorganisation, Arbeitsablauf und Arbeitsaufgabe zu berücksichtigen sind; dies gilt insbesondere für die Körperhaltung, die Beschäftigte bei der Benutzung der Arbeitsmittel einnehmen müssen (§ 4 Abs. 4 BetrSichV).
Auf Kapitel 2.3 der BGI 551 "Presseneinrichter" weisen wir hin.

Wenn im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung die Gefahr des Herabfallens der Pressenwerkzeuge von den Gabeln der Gabelstapler nicht auszuschließen ist, muss die Gefährdungsbeurteilung zu entsprechenden Maßnahmen zur Verhinderung dieser Gefährdung führen. Wenn die in den Technischen Regeln für Betriebssicherheit beispielhaft angeführten Maßnahmen angewendet werden, kann der Arbeitgeber insoweit die Vermutung der Einhaltung der Vorschriften der Betriebssicherheitsverordnung für sich geltend machen.