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Brauchen Monteure mehr als einen Kfz-Erste-Hilfe-Kasten?

KomNet Dialog 15070

Stand: 06.12.2011

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Gesundheitsschutz > Erste Hilfe

Dialog
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Frage:

Brauchen Monteure mehr als einen Kfz-Erste-Hilfe-Kasten? Wenn ja, wo ist die rechtliche Grundlage?

Antwort:

Maßgebliche technische Regel für die Ausstattung von Arbeitsstätten mit Erste-Hilfe-Material ist die technische Regel für Arbeitsstätten ASR A4.3 - Erste-Hilfe-Räume, Mittel und Einrichtungen zur Ersten Hilfe (www.baua.de/asr) . Allerdings weist die ASR A4.3 im Anwendungsbereich unter Ziffer 2 Abs. 2 auf folgenden Punkt hin:

(2) Der Aspekt Baustellen wird zu einem späteren Zeitpunkt in diese Regel eingefügt.

Daraus ist zu entnehmen, dass die in der  ASR A4.3 getroffenen Regelungen für eine Anwendung auf Montagestellen außerhalb des eigenen Betriebsgeländes nicht vorgesehenen sind.
Für Bau- und Montagestellen empfiehlt es sich daher, auf die Informationen der BGI 509 "Erste Hilfe im Betrieb" (Stand: 12/2009; http://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/i-509.pdf) zurückzugreifen.

Bezüglich Art und Umfang des erforderlichen Erste-Hilfe-Materials werden dort unter Ziffer 5.3 folgende Informationen gegeben (Ausschnitt):

Weder die Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGV/GUV-V A1) noch die Arbeitsstättenverordnung bestimmt, welches und wie viel Erste-Hilfe-Material im Einzelnen in den Betrieben oder bei der Arbeit bereitzustellen ist. Die Aussagen der Regel zu § 25 der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" (BGR/GUV-R A1) und die Arbeitsstätten-Richtlinie ASR 39/1,3 enthalten Richtlinien, die sich jedoch nur auf das Erste-Hilfe-Material erstrecken. In der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung ist festgelegt, welches Verbandmaterial in Kraftfahrzeugen mitzuführen ist.

Darüber hinaus ist es Sache des Unternehmers, über Art, Menge und Aufbewahrungsorte des vorzuhaltenden Erste-Hilfe-Materials zu befinden. Er hat sich von dem Gedanken leiten zu lassen, dass das notwendige Erste-Hilfe-Material bei einem Unfall greifbar sein muss. Art und Menge sowie Aufbewahrungsorte des Erste-Hilfe-Materials richten sich nach der Betriebsgröße, den vorhandenen betrieblichen Gefahren, der Ausdehnung und Struktur des Betriebes, der Tätigkeit, der Art des Erste-Hilfe-Personals, dem Organisationsgrad des betrieblichen Rettungswesens, der Aufgabenteilung unter den Ersthelfern, den Betriebssanitätern und dem zum Einsatz kommenden ärztlichen Personal, der Zusammenarbeit mit außerbetrieblichen Rettungseinheiten, insbesondere z.B. dem öffentlichen Rettungsdienst. Es ist zu überlegen, ob an einzelnen Gefahrenpunkten Erste-Hilfe-Material deponiert werden muss oder ob es unter Umständen der Sache nach zulässig ist, das Erste-Hilfe-Material zentral zu deponieren. Der Unternehmer hat auch zu bedenken, dass er für die betriebsfremden Rettungseinheiten solche Hilfsmittel vorzuhalten hat, über die diese nicht verfügen, weil es sich um betriebsspezifische Gefährdungen handelt.

Das Erste-Hilfe-Material muss für die Helfer, für deren Gebrauch es gedacht ist, leicht zugänglich aufbewahrt werden. Zu diesem Zweck müssen die Aufbewahrungsorte entsprechend der Unfallverhütungsvorschrift "Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung am Arbeitsplatz" (BGV/GUV-V A8) gekennzeichnet sein. Das Material muss nicht nur nach Verbrauch ergänzt und bei Unbrauchbarkeit (z.B. Heftpflaster) und nach Verfall (z.B. steriles Verbandmaterial, Augenspülflüssigkeit) erneuert werden, sondern auch den anerkannten technischen, medizinischen und hygienischen Regeln entsprechen, d.h. dass altes Material, an dessen Stelle nach heutigen Erkenntnissen neue Mittel getreten sind, ersetzt werden muss. Die Verpflichtung, das Erste-Hilfe-Material für die Helfer bereitzuhalten, schließt die Sorgfaltspflicht ein, insbesondere medizinische Geräte und Instrumente sowie Antidote nicht in unbefugte Hände geraten zu lassen.

... ...

Verbandmaterial muss bei Verschmutzung oder Beschädigung ausgetauscht werden. Das Erste-Hilfe-Material ist in Behältnissen (Verbandkästen, Verbandschränken) aufzubewahren, so dass es gegen schädigende Einflüsse geschützt ist. Das Erste-Hilfe-Material wird im Handel sowohl in Verbandkästen als auch lose angeboten. Menge und Art der Aufbewahrung richten sich nach den betrieblichen Verhältnissen (siehe Abschnitt 5.3). Die Regel "Grundsätze der Prävention" (BGR/GUV-R A1) empfiehlt in Abschnitt 4.7.2 als geeignet:
1. der Kleine Verbandkasten nach DIN 13157
und
2. der Große Verbandkasten nach DIN 13169. 


Zum Inhalt der Verbandkästen siehe Anhang 1 "Erste-Hilfe-Material". In Abhängigkeit von der Betriebsart und Zahl der Versicherten gelten für die Ausstattung mit Verbandkästen folgende Richtwerte:
 

BetriebsartZahl der VersichertenKleinerGroßer1
Verbandkasten
Verwaltungs- und Handelsbetriebe1-501 2 
51-300 1
ab 301
für je 300 weitere Versicherte zusätzlich ein großer Verbandkasten
2
Herstellungs-, Verarbeitungs- und vergleichbare Betriebe   
 1-20 1
21-1001 22
ab 101
für je 100 weitere Versicherte zusätzlich ein großer Verbandkasten
 
Baustellen und baustellenähnliche Einrichtungen1-101 2 
11-50 1
ab 51
für je 50 weitere Versicherte zusätzlich ein großer Verbandkasten

2
... ...
Das bedeutet, dass Art und Umfang des für Monteure erforderlichen Erste-Hilfe-Materials der Arbeitgeber grundsätzlich auf der Grundlage der Gefährdungsbeurteilung ermitteln und festlegen muss. Hierbei soll er sich vom Betriebsarzt und der Fachkraft für Arbeitssicherheit beraten und unterstützen lassen, und es sind die in der BGI 509 für Baustellen und baustellenähnliche Einrichtungengenannten Richtwerte zu berücksichtigen, solange in der ASR A4.3 keine aktuelleren Festlegungen getroffen sind.