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KomNet-Wissensdatenbank

Gesundheitsgefahren durch Ausgasungen von Epoxidharzen

KomNet Dialog 1494

Stand: 15.10.2002

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Gefährdungen > Gefährdungen durch sonstige Emissionen

Dialog
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Frage:

Auf Grund eines Baumangels im Estrich treten bei uns im Schlafzimmer Ausgasungen von Epoxidharzen auf. Welche gesundheitlichen Auswirkungen können solche Ausgasungen haben? Meine Frau und ich leiden unter einer bisher nicht gekannten Atemwegserkrankung, indem wir urplötzlich nur noch verschleimte Bronchien und Beschwerden beim Atmen haben. Wir sind bei einem Arzt für innere Medizin in Behandlung und er hat auch keine Erklärung dafür. Wie macht sich die Reizung der Atemwege, die in den technischen Merkblättern und Sicherheitdatenblättern des eingesetzten Produktes aufgeführt sind, bemerkbar? Kann man die Diamine und Phenole im Blut nachweisen? Gibt es andere Untersuchungsmethoden? Besten Dank für Ihre Hilfe für einen Laien, der sich aber schon sehr viel mit Arbeitsmedizin befasst hat und auch schon mehrere Betriebe bei Zertifizierungen nach RAL oder DIN-ISO beraten hat.

Antwort:

Chemisch-technische Bewertung von Epoxidharzen:

Epoxidharze werden in Kombination mit Härtern und Lösemitteln sehr vielseitig in privaten, handwerklichen und industriellen Bereichen eingesetzt. Verwendet werden sie u.a. im Baubereich als Beton-Schutzmittel, zur Bodenbeschichtung, zum Instandsetzen, Renovieren und Sanieren sowie zum Verfüllen, Verfugen und Verkleben. Umfassende Informationen über den „Umgang mit Epoxid-Harzen“ ist im Gefahrstoff-Informationssystem der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (GISBAU) unter http://www.gisbau.de/service/epoxi/epoxi.htm abrufbar.

Typische Formulierungen enthalten eine Harzkomponente (Stammkomponente) mit einem niedrigmolekularen (oligomeren) Reaktionsprodukt, das durch chemische Reaktion von z.B. Bisphenol A und Epichlorhydrin hergestellt wird. Weitere Bestandteile dieser Harzkomponente sind organische Lösemittel, wie z.B. Alkohole, Ketone und Kohlenwasserstoffe, sowie Kresyl-, Phenyl-, Butyl- und andere Glycidylether als reaktive Verdünner, die teilweise hautsensibilisierende Eigenschaften besitzen.

Die Härterkomponenten enthalten neben Löse- und weiteren Hilfsmitteln meistens aliphatische oder aromatische, di-, tri- oder tetrafunktionelle Amine wie z.B. 4,4’-Diaminodiphenylmethan, Isophorondiamin, Diethylentriamin und Hexamethylentetramin, die teilweise ebenfalls hautsensibilisierenden Eigenschaften besitzen.

Die Angaben in den jeweiligen Sicherheitsdatenblättern der eingesetzten Produkte beziehen sich allerdings auf die Risiken bei der Verarbeitung des Produktes und nicht auf die Risiken, denen ein privater Endverbraucher ausgesetzt sein kann. Von einem vollständig ausgehärteten Produkt sind einerseits keine nennenswerten Raumluftbelastungen zu erwarten, andererseits können Baumängel und Materialunverträglichkeiten durchaus bedeutsame Belastungen verursachen.

Im vorliegenden Fall fehlen allerdings Angaben darüber, ob und wenn ja, wie nachgewiesen wurde, inwieweit Ausgasungen von Epoxidharze an der Belastung beteiligt sein können. Ebenfalls ist unklar, welche weiteren chemischen Substanzen in den Baumaterialien eingesetzt wurden und möglicherweise als Auslöser für Gesundheitsbeschwerden in Betracht zu ziehen sind.

Bei anhaltenden Beschwerden sollten daher möglichst viele Informationen über die verwendeten Baumaterialien, am besten aus den Sicherheitsdatenblättern beschafft und ein Baubiologe oder ein anderer Experte zur fachkundigen Beratung vor Ort hinzugezogen werden. Kontaktdaten von Sachverständigen und Messinstituten erhalten sie u.a. bei der Verbraucherzentrale NRW (VZ-NRW) unter http://www.vz-nrw.de sowie bei der Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute e.V. (AGOEF) unter http://www.agoef.de/.

Medizinische Bewertung der Symptome:

Das Reaktionsmuster der Atemwege ist bei einer Reizung durch Epoxidharze trotz der Verschiedenartigkeit der bekannten Inhalationsnoxen verhältnismäßig einförmig. Eine Reizung der Atemwege macht sich bemerkbar in Form von Husten, unterschiedlich starkem Auswurf, Atembeschwerden und Luftnot, eventuell Brustschmerzen. Begleitend kann es auch zu Reizungen an den Schleimhäuten der Augen und des Nasen-Rachenraumes kommen.

Die Beschwerden sind abhängig vom Ausmaß der Exposition und der individuellen Reaktionsbereitschaft. Bei kurzzeitiger Reizung treten die Beschwerden akut auf, verschwinden aber üblicherweise nach Beendigung der Exposition, ohne dass irgendwelche Schäden zurückbleiben. Bei andauernder Belastung kann es zu einer chronischen Entzündung der Bronchien kommen. Daraus resultiert eine Überempfindlichkeit der Atemwege, so dass zahlreiche unspezifische Reize wie Rauch, Kaltluft oder ähnliches Beschwerden auslösen können. Eine Anfälligkeit gegenüber viralen und bakteriellen Bronchialinfekten mit verzögerter Heilungstendenz wird beobachtet. Letztendlich kann das Krankheitsbild in eine chronisch-obstruktive Atemwegserkrankung übergehen.

Zur Ermittlung der inneren Belastung des Körpers mit Schadstoffen ist das sogenannte Biologische Monitoring oder Human-Biomonitoring (HBM) geeignet. Es gibt wissenschaftlich abgesicherte Methoden zum Nachweis von Phenolen und Aminen bzw. von deren Metabolite im Urin, nicht jedoch im Blut. Zur Beurteilung der Belastung sind im umweltmedizinischen Bereich die HBM-Referenzwerte der HBM-Kommission des Umweltbundesamtes (UBA) - Internet: http://www.umweltbundesamt.de/gesundheit/monitor/index.htm - heranzuziehen.

Für Arbeitnehmer an Arbeitsplätzen gelten dagegen die Arbeitsplatzgrenzwerte - AGW und der biologische Grenzwert - BGW, die in der Technischen Regel für Gefahrstoffe - TRGS 900 bzw. TRGS 903 (www.baua.de/TRGS/) veröffentlich werden. Die Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe (MAK-Kommission) der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erarbeitet die Vorschläge für maximale Arbeitsplatz-Konzentrationen (MAK-Werte) für flüchtige Chemikalien und Stäube, biologische Arbeitsstoff-Toleranzwerte (BAT-Werte) bzw. biologische Leitwerte (BLW) und übergibt diese dem Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) zur Übernahame in das Gefahrstoffrecht (http://www.dfg.de/dfg_profil/gremien/senat/gesundheitsschaedliche_arbeitsstoffe/index.html).

Empfehlungen zum weiteren Vorgehen:

Bei anhaltenden gesundheitlichen Beschwerden sollten möglichst viele Informationen über die verwendeten Baumaterialien, am besten aus den Sicherheitsdatenblättern beschafft und ein Baubiologe oder ein anderer Experte zur fachkundigen Beratung und Begutachtung vor Ort hinzugezogen werden. Das ist unter anderem dazu wichtig, wenn rechtliche Ansprüche wegen Mängeln der Mietwohnung gegenüber dem Vermieter oder wegen Baumängeln gegenüber dem/den Handwerksunternehmen geltend gemacht werden sollen. Kontaktdaten von Sachverständigen und Messinstituten erhalten Sie unter anderem bei der Verbraucherzentrale NRW (VZ-NRW) unter http://www.vz-nrw.de/sowie bei der Arbeitsgemeinschaft ökologischer Forschungsinstitute e.V. (AGOEF) unter http://www.agoef.de/.

Zur Durchführung der gewünschten medizinischen Beratung und Untersuchung können Sie sich an umweltmedizinisch qualifizierte Ärzte wenden. Welcher Arzt mit der Qualifikation Umweltmedizin in Ihrer Nähe tätig sind, können Sie über die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) oder Ärztekammern (ÄK) in Erfahrung bringen.