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KomNet-Wissensdatenbank

Muss ich bei einem Beschäftigungsverbot die ausgefallene Zeit nacharbeiten?

KomNet Dialog 14860

Stand: 03.11.2011

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Beschäftigungsverbote und -beschränkungen

Dialog
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Frage:

Ich bin in der 23. Schwangerschaftswoche und in einer Kindertagesstätte in einer U3 Gruppe beschäftigt. Heute morgen bekam ich einen Anruf von meiner Chefin. Sie teilte mir mit, dass bei einem Kind aus meiner Gruppe der Verdacht auf Scharlach besteht und die Mutter mit dem Kind zum Arzt gehe. Darauf hin sollte ich zu Hause bleiben, bis die Mutter sich mit weiteren Informationen wieder meldet. Der Arzt hat den Verdacht nicht bestätigt, es war eine Viruserkrankung. Meine Chefin hat mich darüber umgehend telefonisch informiert und mich zur Arbeit bestellt. Die ausgefallene Arbeitszeit müsse ich jedoch nachholen, sagte sie. Jetzt meine Frage: Darf der Arbeitgeber von mir verlangen, diese Zeit nachzuarbeiten? Schließlich ist es nicht meine Schuld, dass das Kind erkrankt ist, und hätte die Mutter sich morgens nicht gemeldet, wäre ich ja normal arbeiten gegangen.

Antwort:

Beim beruflichen Umgang mit Kindern hat der Arbeitgeber von sich aus auf der Grundlage der Gefährdungsbeurteilung bestimmte Beschäftigungsverbote und Beschränkungen einzuhalten.
Die Verordnung zum Schutz der Mütter am Arbeitsplatz - Mutterschutzrichtlinienverordnung (MuSchRiV) www.arbeitsschutz.nrw.de/Themenfelder/mutterschutz/rechtliche_grundlagen/index.php verbietet die Beschäftigung werdender oder stillender Mütter mit Arbeiten, bei denen die Beurteilung ergeben hat, dass die Sicherheit oder Gesundheit von Mutter oder Kind durch die chemischen Gefahrstoffe, biologischen Arbeitsstoffe, physikalischen Schadfaktoren oder die Arbeitsbedingungen nach Anlage 2 MuSchRiV gefährdet wird.

Zusammengefasste Informationen dazu sind den von der Arbeitsschutzverwaltung NRW veröffentlichten Brancheninformationen "Mutterschutz beim beruflichen Umgang mit Kindern" www.arbeitsschutz.nrw.de/Themenfelder/mutterschutz/praxishilfen/index.php zu entnehmen.

Bezüglich Scharlach (Scarlatina) wird folgendes ausgeführt:
Wird hauptsächlich als Tröpfcheninfektion übertragen. Die Zahl der akuten Scharlach-Erkrankungen in Deutschland wird auf 1 - 1,5 Millionen pro Jahr geschätzt. Für das Ungeborene besteht bei mütterlicher Erkrankung kein besonderes Risiko. Beim Auftreten der Erkrankung in der Einrichtung ist ein befristetes Beschäftigungsverbot auszusprechen. Sind 4 Tage nach der letzten Erkrankung keine weiteren Kinder erkrankt, kann die Schwangere am 5. Tag ihre Arbeit wieder aufnehmen.

Insofern hat Ihre Chefin korrekt gehandelt.

Bei einem (befristeten) Beschäftigungsverbot haben Sie Anspruch auf Entgeltzahlung entsprechend § 11 des Mutterschutzgesetzes. Das bedeutet, dass Sie die durch das Beschäftigungsverbot ausgefallene Zeit nicht nacharbeiten müssen, sondern vergütet bekommen. Hierbei ist es unerheblich, wenn der Grund des Beschäftigungsverbotes sich im Nachhinein als nicht zu treffend herausstellen sollte.
In diesem Punkt irrt also Ihre Chefin.