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KomNet-Wissensdatenbank

Muss ich bei einem Beschäftigungsverbot die ausgefallene Zeit nacharbeiten?

KomNet Dialog 14860

Stand: 18.10.2018

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Beschäftigungsverbote und -beschränkungen

Dialog
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Frage:

Ich bin in der 23. Schwangerschaftswoche und in einer Kindertagesstätte in einer U3 Gruppe beschäftigt. Heute morgen bekam ich einen Anruf von meiner Chefin. Sie teilte mir mit, dass bei einem Kind aus meiner Gruppe der Verdacht auf Scharlach besteht und die Mutter mit dem Kind zum Arzt gehe. Darauf hin sollte ich zu Hause bleiben, bis die Mutter sich mit weiteren Informationen wieder meldet. Der Arzt hat den Verdacht nicht bestätigt, es war eine Viruserkrankung. Meine Chefin hat mich darüber umgehend telefonisch informiert und mich zur Arbeit bestellt. Die ausgefallene Arbeitszeit müsse ich jedoch nachholen, sagte sie. Jetzt meine Frage: Darf der Arbeitgeber von mir verlangen, diese Zeit nachzuarbeiten? Schließlich ist es nicht meine Schuld, dass das Kind erkrankt ist, und hätte die Mutter sich morgens nicht gemeldet, wäre ich ja normal arbeiten gegangen.

Antwort:

Beim beruflichen Umgang mit Kindern hat der Arbeitgeber von sich aus auf der Grundlage einer Gefährdungsbeurteilung bestimmte Beschäftigungsverbote und -beschränkungen einzuhalten.


Nach § 11 des Mutterschutzgesetzes (MuSchG) darf ein Arbeitgeber eine Schwangere nicht mit Tätigkeiten beschäftigen, bei denen sie Biostoffen, Gefahrstoffen, physikalischen oder mechanischen Einwirkungen sowie körperlichen Belastungen in einem Maße ausgesetzt ist, dass dies für sie oder für ihr Kind eine unverantwortbare Gefährdung darstellt. In Bezug auf die Fragestellung finden Sie weitere Informationen in der Broschüre "Mutterschutz beim beruflichen Umgang mit Kindern". (Hinweis: Die Broschüre "Mutterschutz bei beruflichen Umgang mit Kindern" ist noch nicht an das neue Mutterschutzgesetz angepasst worden, jedoch können die dort enthaltenen arbeitsmedizinischen Erkenntnisse nach wie vor herangezogen werden.)


Bezüglich Scharlach (Scarlatina) wird in der Broschüre ausgeführt:

"Wird hauptsächlich als Tröpfcheninfektion übertragen. Die Zahl der akuten Scharlach-Erkrankungen in Deutschland wird auf 1 - 1,5 Millionen pro Jahr geschätzt. Für das Ungeborene besteht bei mütterlicher Erkrankung kein besonderes Risiko. Beim Auftreten der Erkrankung in der Einrichtung ist ein befristetes Beschäftigungsverbot auszusprechen. Sind 4 Tage nach der letzten Erkrankung keine weiteren Kinder erkrankt, kann die Schwangere am 5. Tag ihre Arbeit wieder aufnehmen."

Insofern hat Ihre Chefin korrekt gehandelt.


Bei einem Beschäftigungsverbot haben Sie Anspruch auf Entgeltfortzahlung nach § 18 MuSchG (Mutterschutzlohn). Das bedeutet, dass Sie die durch das Beschäftigungsverbot ausgefallene Zeit gerade nicht nacharbeiten müssen, sondern vergütet bekommen. Hierbei ist es unerheblich, ob sich der Grund für das Aussprechen eines Beschäftigungsverbots im Nachhinein als nicht zutreffend herausstellen sollte.


In diesem Punkt liegt Ihre Chefin demnach falsch.