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KomNet-Wissensdatenbank

Müssen für Beschäftigte in Laboratorien Wasch- und Duschgelegenheiten im Gebäude zur Verfügung stehen?

KomNet Dialog 14858

Stand: 02.11.2011

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Wasch- und Umkleideräume

Dialog
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Frage:

Mein Arbeitgeber in der chemischen Industrie stellt uns zur Zeit noch Umkleideräume mit Spinden und Wasch- und Duschgelegenheiten im Gebäude zur Verfügung. Es ist ein Forschungsgebäude mit einigen Laboren in denen auch mit ätzenden, giftigen und anderweitig gefährlichen Chemikalien gearbeitet wird. Als Arbeitskleidung dienen ein Labormantel, Schutzbrille und für spezielle Arbeiten vorgeschriebene Schutzhandschuhe sowie Sicherheitsschuhwerk. Jetzt sollen die Umkleideräume mit Wasch- und Duschmöglichkeit abgerissen werden und Büroräume geschaffen werden. Als Ausweichmöglichkeit gibt es eine Kaue in ca. 500 m Entfernung und eine in ca. 300 m Entfernung. Uns wird allgemein gesagt, es seien keine Wasch- und Duschmöglichkeiten erforderlich und daher könne man im Haus darauf verzichten. In wie weit deckt sich die Aussage mit den bestehenden Vorschriften?

Antwort:

Für alle Arbeitsstätten gelten die Anforderungen der Verordnung über Arbeitsstätten – ArbStättV– vom 12.08.2004. Nach § 6 Abs. 2 Satz 2 ArbStättV müssen Waschräume vorgehalten werden, wenn es die Art der Tätigkeit oder gesundheitliche Gründe erfordern. Diese Gründe können z.B. durch:
- Tätigkeiten mit infektiösen, gesundheitsschädlichen oder stark geruchsbelästigenden Stoffen,
- Einwirkungen von Hitze oder Nässe oder
- stark schmutzende Tätigkeiten ausgelöst werden.

In der Ziffer 4.1 des Anhangs zur ArbstättV werden weitere Anforderungen an Wasch- und Umkleideräume aufgeführt, die vom Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung gewährleistet werden müssen.

Weiter wird ausgeführt, dass wenn Waschräume nach § 6 Abs. 2 Satz 2 ArbStättV nicht erforderlich sind, in der Nähe des Arbeitsplatzes und der Umkleideräume ausreichende und angemessene Waschgelegenheiten mit fließendem Wasser (erforderlichenfalls mit warmem Wasser), Mitteln zum Reinigen und zum Abtrocknen der Hände zur Verfügung stehen müssen.
Diese Forderung kann z.B. durch die Bereitstellung ausreichender Toilettenanlagen, die mit Handwaschgelegenheiten ausgerüstet sein müssen, erfüllt werden. Die Toilettenanlagen müssen sich sowohl in der Nähe der Arbeitsplätze, als auch in der Nähe von Pausen- und Bereitsschaftsräumen und Umkleideräumen befinden. (Vergleiche  § 6 Abs. 2 ArbStättV und Anhang zur ArbStättV - Ziffer 4.1 Absatz 1).

Auf Grund der gesundheitsgefährdenden Eigenschaften der gehandhabten Gefahrstoffe im Labor ist jedoch zu prüfen, ob nicht generell Waschräume im Sinne § 6 Abs. 2 Satz 2 Arbeitsstättenverordnung zu Verfügung gestellt werden müssen. Die Erfordernis und Ausführung der Sanitärräume hat der Arbeitgeber, unter Beachtung der o.g. Vorschriften, in seiner Gefährdungsbeurteilung zu bewerten und festzulegen.

Darüber hinaus sind die Vorschriften der Gefahrstoffverordnung mit den Technischen Regeln für Gefahrstoffe (insbes. TRGS 526 "Laboratorien"; www.baua.de/TRGS/) zu beachten.

Hinweis: In Laboratorien müssen mit Wasser (möglichst Trinkwasserqualität) gespeiste Körpernotduschen am Ausgang sowie möglichst im Bereich der Körperdusche oder am Ausgussbecken mit Wasser (Trinkwasserqualität) gespeiste Augennotduschen installiert sein (TRGS 526).