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KomNet-Wissensdatenbank

Wie sind die Mengenregelungen in der TRGS 510 zu interpretieren?

KomNet Dialog 14820

Stand: 27.10.2011

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Lagerung von Gefahrstoffen

Dialog
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Frage:

Wir haben mehrere Fragen zur TRGS 510: 1. Frage zu: (5) Die Mengen bereitgestellter Gefahrstoffe sind maximal auf den Tages-/Schichtbedarf zu beschränken. Soweit regelmäßig kleine Mengen verwendet wer-den, kann auch die kleinste handelsübliche Gebindegröße bereitgestellt werden. Eine Firma hat an mehreren Arbeitsplätzen Farbeimer (ca. 5kg) stehen, diese Menge ist größer als der Tagesbedarf. Kleinere Farbeimer wären jedoch nicht rentabel. Ist dies erlaubt? Wenn nicht, was muss geändert werden. Außerdem befinden sich ca. 50-60 Spraydosen (wassergefährdend, reizend und brennbar) im Produktionsbereich. Ist dies erlaubt? 2. Frage zu der Mindermengenregelung Anhang 9: „(5) Bei der Lagerung von in Tabelle 1 aufgeführten Gefahrstoffen oberhalb der in Anlage 9 aufgeführten Kleinmenge bis zu der in Tabelle 1 angegebenen Mengenschwelle sind die Vorschriften der Nummer 5 bis 12 in Abhängigkeit der Notwendigkeit gemäß dem Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung heran zu ziehen.“ Diesen Passus verstehe ich nicht richtig, was konkret muss mit Mengen zwischen 50 und (meist) 200 kg geschehen? Verstehe ich das richtig, dass es sich bei den 50kg der Mindermengenregelung um die Summe aller Gefahrstoffe handelt und bei den (meist) 200 kg um die Summer der Gefahrstoffe einer „Eigenschaft“ wie z.B. stark giftig?

Antwort:

zu 1.
In der Vorbemerkung zur TRGS 510 www.baua.de/trgs wird ausgeführt, dass die TRGS im Rahmen ihres Anwendungsbereichs Anforderungen der Gefahrstoffverordnung konkretisiert. Bei Einhaltung der Technischen Regeln kann der Arbeitgeber insoweit davon ausgehen, dass die entsprechenden Anforderungen der Verordnung erfüllt sind. Wählt der Arbeitgeber eine andere Lösung, muss er damit mindestens denselben Sicherheits- und Gesundheitsschutz für die Beschäftigten erreichen.

Überschreitet also die bereitgestellte Mengen den Tages-/Schichtbedarf bzw. die kleinste handelsübliche Gebindegröße, muss in der Gefährdungsbeurteilung dargelegt werden, wie derselbe Sicherheits- und Gesundheitsschutz für die Beschäftigten erreicht wird. Die Maßnahmen sind immer betriebsindividuell zu ermitteln, festzulegen, zu dokumentieren und nachzuhalten.
Mögliche zusätzliche Maßnahmen könnten je nach Gefahrstoff z.B. sein: zusätzliche Feuerlöscher im Arbeitsbereich, vorhandene Brandmelde oder Feuerlöschanlage, besondere Lüftungsmaßnahmen u.s.w.. 

Auch für  Spraydosen im Produktionsbereich gilt, dass die Menge den Tages-/Schichtbedarf nicht überschreiten darf. Ob die beschriebene Anzahl zulässig ist, ist ebenfalls auf der Grundlage der Gefährdungsbeurteilung zu klären.

zu 2.
In Anlage 9 der TRGS 510 werden Regelungen für Kleinmengen genannt und zwar 
a. bezüglich der Gesamtnettomasse der in einem abgeschlossenen Betriebsgebäude gelagerten Gefahrstoffe, nämlich 50 kg und
b. zusätzlich weitere Mengen- und Lagerbeschränkungen für Stoffe mit bestimmten Gefährlichkeitsmerkmalen wie z.B. Aerosolpackungen, Druckgaskartuschen, entzündbare Flüssigkeiten sowie giftige und sehr giftige Gefahrstoffe und
krebserzeugende, erbgutverändernde oder fortpflanzungsgefährdende Gefahrstoffe.

Ihre Schlussfolgerung im zweiten Teil dieser Frage ist somit zutreffend, nämlich das es sich bei der 50kg Kleinmengenregelung um die Summe aller Gefahrstoffe handelt (Gesamtnettomasse der in einem abgeschlossenen Betriebsgebäude gelagerten Gefahrstoffe) und bei den in Tabelle 1 genannten Mengen (meist) 200 kg um die Summe der Gefahrstoffe mit demselben Gefährlichkeitsmerkmal wie z.B. akut toxisch.

Bei einer Lagerung, die die in Anlage 9 genannten Lagermengen überschreitet, gleichzeitig aber die in Tabelle 1 genannten Lagermengen nicht überschritten werden, muss im jeweiligen Einzelfall auf der Grundlage der Gefährdungsbeurteilung eigenverantwortlich geklärt werden, welche Anforderungen auf die Lagerung anzuwenden sind.

Informationen und Handlungshilfen zum Erstellen der Gefährdungsbeurteilung werden z.B. unter www.gefaehrdungsbeurteilung.de und www.gefahrstoffe-im-griff.de angeboten.