Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Wie muss der Aufstieg auf einen Anhänger gesichert werden?

KomNet Dialog 14557

Stand: 19.09.2011

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplätze auf Fahrzeugen / Transportmitteln

Dialog
Favorit

Frage:

In einem normalen PKW-Anhänger mit Aufbau ist eine mobile Heizungsanlage eingebaut. Das Gerät wird gewerbsmäßig vermietet. Um den Kamin stellen zu können, muss das Dach des Hängers (ca. 2,5 m über Boden) begangen werden. Dazu ist eine Steigleiter am Hängeraufbau montiert. Über diese Leiter muss der Edelstahlkamin (Rohr) auf das Dach gebracht werden und auch wieder herunter gebracht werden. Aus Transportgründen ist eine Verlängerung der Leiterholme um 1 m über das Dach hinaus nicht möglich. Ebenfalls ist aus Transportgründen kein umlaufendes Geländer möglich. Fragen: 1. Ist an der Leiter ein Rückenschutz notwendig? 2. Kann auf den Überstand der Leiterholme über das Dach verzichtet werden, wenn quasi ein horizontaler Handlauf auf dem Dach angebracht wird? 3. Kann auf ein umlaufendes Geländer auf dem Dach verzichtet werden, wenn auf dem Dach der zu verwendende Weg markiert wird und entsprechend mit rutschhemmendem Belag versehen ist?

Antwort:

Transportmittel, die von Beschäftigten benutzt werden, sind Arbeitsmittel im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV.

Mögliche Gefährdungen und erforderliche Maßnahmen sind generell im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln und festzulegen. In die Gefährdungsbeurteilung für den Anhänger sind

- die besonderen Mindestanforderungen des Anhangs 2 BetrSichV, 
- die Anforderungen der BGV D29 - Fahrzeuge und
- die BGI 694 - Handlungsanleitung für den Umgang mit Leitern und Tritten

einzubeziehen.


BetrSichV Anhang 2 Abschnitt 5.3 Besondere Vorschriften für die Benutzung von Leitern

5.3.1 Der Arbeitgeber darf Beschäftigten nur solche Leitern zur Verfügung stellen, die nach ihrer Bauart für die jeweils auszuführende Arbeit geeignet sind. Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass Leitern wiederkehrend auf ihren ordnungsgemäßen Zustand überprüft werden.

5.3.2 Leitern müssen während der Benutzung standsicher und sicher begehbar aufgestellt sein. Leitern müssen zusätzlich gegen Umstürzen gesichert werden, wenn die Art der auszuführenden Arbeit dies erfordert. Tragbare Leitern müssen so auf einem tragfähigen, unbeweglichen und angemessen dimensionierten Untergrund stehen, dass die Stufen in horizontaler Stellung bleiben. Hängeleitern sind gegen unbeabsichtigtes Aushängen zu sichern. Sie müssen sicher und - mit Ausnahme von Strickleitern - so befestigt sein, dass sie nicht verrutschen oder in eine Pendelbewegung geraten können.

5.3.3 Das Verrutschen der Leiterfüße von tragbaren Leitern ist während der Benutzung dieser Leitern entweder durch Fixierung des oberen oder unteren Teils der Holme, durch eine Gleitschutzvorrichtung oder durch eine andere, gleichwertige Lösung zu verhindern. Leitern, die als Aufstieg benutzt werden, müssen so beschaffen sein, dass sie weit genug über die Austrittsstelle hinausragen, sofern nicht andere Vorrichtungen ein sicheres Festhalten erlauben. Aus mehreren Teilen bestehende Steckleitern oder Schiebeleitern sind so zu verwenden, dass die Leiterteile unbeweglich miteinander verbunden bleiben. Fahrbare Leitern sind vor ihrer Benutzung sicher zu arretieren.

5.3.4 Leitern sind so zu verwenden, dass die Beschäftigten jederzeit sicher stehen und sich sicher festhalten können. Wenn auf einer Leiter eine Last getragen werden muss, darf dies ein sicheres Festhalten nicht verhindern.

BGV D 29 § 24 Arbeitsplätze auf Fahrzeugen

(1) Arbeitsplätze auf Fahrzeugen, die betriebsmäßig begangen werden, müssen einen sicheren Aufenthalt gewährleisten; insbesondere müssen

1. Laufstege eine Breite von mindestens 0,4m haben;
2. beiderseitige Laufstege mit einer jeweiligen Breite von mindestens 0,4 m an Behälterfahrzeugen vorhanden sein, sofern die Arbeitsweise dies erfordert;
3. Laufstege so lang sein, dass sie über die letzte zu betätigende Einrichtung um mindestens 0,5 m hinausragen;
4. Standflächen zur Betätigung und Wartung am Fahrzeugaufbau angebrachter Aggregate Abmessungen von mindestens 0,4 m x 0,5 m haben; Standflächen dürfen auch klappbar angeordnet sein, wenn aus verkehrs- oder betriebstechnischen Gründen eine feste Anbringung nicht möglich ist;
5. Arbeitsbühnen an Füll- und Anschlußeinrichtungen von Fahrzeugaufbauten vorhanden sein, die die Außenkanten der zu betätigenden Einrichtungen allseitig um mindestens 0,5 m umgeben, wenn kein durchgehender Laufsteg in Fahrzeuglängsrichtung vorhanden ist;
6. Laufstege, Standflächen und Arbeitsbühnen nach Nummern 1 bis 5 aus rutschhemmenden Rosten bestehen;
7. Haltegriffe oder andere gleichwertige Haltemöglichkeiten den Laufstegen, Standflächen oder Arbeitsbühnen nach Nummern 1 bis 5 zugeordnet sein.

(2) Arbeitsplätze auf Fahrzeugen, die 2 m oder höher über dem Boden liegen und betriebsmäßig begangen werden, müssen mit feststehenden, mindestens 1 m hohen Geländern ausgerüstet sein, Ist die Anbringung von feststehenden Geländern aus verkehrs - oder betriebstechnischen Gründen nicht durchführbar, müssen leicht und gefahrlos zu betätigende klappbare oder versenkbare Geländer vorhanden sein. Geländer dürfen jedoch nicht nach außen klappbar sein.

BGI 694 Ziffer

3.1.2
die Länge von Anlegeleitern zum Übersteigen auf höhergelegene Arbeitsplätze so gewählt wird, dass sie die Anlegestelle um mindestens 1 m überragen, wenn keine anderen geeigneten Festhaltemöglichkeiten vorhanden sind.

5.4
Sind Arbeiten geringen Umfangs und geringer Gefährdung durchzuführen, können auch Leitern und Tritte benutzt werden.

Bei der Beurteilung, ob es sich um kurzzeitige Arbeiten geringen Umfangs und mit geringer Gefährdung handelt, ist neben der Dauer und dem Schwierigkeitsgrad der Arbeit sowie dem einzusetzenden körperlichen Aufwand auch der Umfang des auf der Leiter mitzuführenden Werkzeugs und Materials zu berücksichtigen.

Beispiele hierfür sind, wenn
• der Standplatz auf der Leiter nicht höher als 7,00 m über der Aufstellfläche liegt,
• bei einem Standplatz von mehr als 2,00 m Höhe die von der Leiter auszuführenden objektbezogene Arbeiten nicht mehr als zwei Stunden umfassen,
• das Gewicht des mitzuführenden Werkzeuges und Materials 10 kg nicht überschreitet,
• keine Gegenstände mit einer Windangriffsfläche über 1 m² mitgeführt werden,
• keine Stoffe oder Geräte benutzt werden, von denen für den Beschäftigtenzusätzliche Gefahren ausgehen,
• Arbeiten ausgeführt werden, die einen geringeren Kraftaufwand erfordern, als den, der zum Kippen der Leiter ausreicht,
und
• der Beschäftigte mit beiden Füßen auf einer Sprosse/ Stufe steht.

... ...

Bezüglich Ihrer Frage kann zusammengefasst werden:
1. Ein Rückenschutz ist für die Leiter nicht erforderlich
2. Auf den Überstand der Leiter darf nur verzichtet werden, wenn eine andere Festhaltemöglichkeit besteht
3. Auf ein Geländer kann nicht verzichtet werden. Die in der Frage unter 3. beschriebenen Punkte sind nicht ausreichend

Das Regelwerk der Unfallversicherungsträger (Berufsgenossenschaft / Unfallkasse) wird unter http://publikationen.dguv.de/ angeboten.