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KomNet-Wissensdatenbank

Ist der Einsatz von Ozongeräten zur Beseitigung von Geruchsbelästigungen in Innenräumen eine Begasung im Sinne der TRGS 512?

KomNet Dialog 14405

Stand: 29.08.2011

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Begasungen

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Frage:

Ist der Einsatz von Ozongeräten zur Beseitigung von Geruchsbelästigungen in Innenräumen eine Begasung im Sinne der TRGS 512 ? Welche Sach- bzw. Fachkundenachweise muss der Benutzer solcher Geräte nachweisen ? Gemäß der GESTIS-Stoffdatenbank ist Ozon mit T , C und O gekennzeichnet.

Antwort:

Der Einsatz von Ozongeräten zur Beseitigung von Gerüchen ist keine Begasung im Sinne der TRGS 512 "Begasungen" www.baua.de/trgs, da Ozon weder als eines der Begasungsmittel i.S. der Gefahrstoffverordnung und des § 1 Abs. 1 TRGS 512 genannt wird noch die Anforderungen des § 1 Abs. 2 der TRGS 512 erfüllt. Weitere Gründe liegen in der Erzeugung des Ozons vor Ort, von der, obwohl in der Fragestellung nicht angegeben, fraglich ist, ob eine Konzentration erreicht werden kann, die für den Menschen als giftig bzw. sehr giftig anzusehen ist. Darüber hinaus unterliegt Ozon einem schnellen natürlichen Zerfall. 
Der GESTIS - Stoffdatenbank www.dguv.de/ifa/de/gestis/stoffdb/index.jsp ist zu entnehmen, dass eine Kennzeichnung von Ozon entfällt, da dieses vor Ort erzeugt wird und nicht in Behälter abgefüllt wird.

Gleichwohl handelt es sich bei Ozon, welches vor Ort zur Beseitigung von Geruchsbelästigungen in Innenräumen erzeugt wird, auf Grund seiner gesundheitsgefährlichen Eigenschaften um einen Gefahrstoff im Sinne der Gefahrstoffverordnung.

Nach der Gefahrstoffverordnung-GefStoffV§ 2 Abs. 13 und 14 ist
- Fachkundig, wer zur Ausübung einer in dieser Verordnung bestimmten Aufgabe befähigt ist. Die Anforderungen an die Fachkunde sind abhängig von der jeweiligen Art der Aufgabe. Zu den Anforderungen zählen eine entsprechende Berufsausbildung, Berufserfahrung oder eine zeitnah ausgeübte entsprechende berufliche Tätigkeit sowie die Teilnahme an spezifischen Fortbildungsmaßnahmen.

- Sachkundig, wer seine bestehende Fachkunde durch Teilnahme an einem behördlich anerkannten Sachkundelehrgang erweitert hat. In Abhängigkeit vom Aufgabengebiet kann es zum Erwerb der Sachkunde auch erforderlich sein, den Lehrgang mit einer erfolgreichen Prüfung abzuschließen. Sachkundig ist ferner, wer über eine von der zuständigen Behörde als gleichwertig anerkannte oder in dieser Verordnung als gleichwertig bestimmte Qualifikation verfügt.


Ein Sachkundenachweis ist für die Bedienung des Ozongerätes nicht erforderlich.

Die Gefahrstoffverordnung fordert, dass die Gefährdungsbeurteilung nur von fachkundigen Personen durchgeführt werden darf, die fachkundig sind. Verfügt der Arbeitgeber nicht selbst über die entsprechenden Kenntnisse, so hat er sich fachkundig beraten zu lassen. Fachkundig können insbesondere die Fachkraft für Arbeitssicherheit und die Betriebsärztin oder der Betriebsarzt sein. (§ 6 Abs. 9 GefStoffV)
Des Weiteren fordert die Gefahrstoffverordnung unter § 8 Abs. 7, dass der Arbeitgeber sicherzustellen hat, dass als giftig, sehr giftig, krebserzeugend Kategorie 1 oder 2, erbgutverändernd Kategorie 1 oder 2 oder fortpflanzungsgefährdend Kategorie 1 oder 2 eingestufte Stoffe und Zubereitungen unter Verschluss oder so aufbewahrt oder gelagert werden müssen, dass nur fachkundige und zuverlässige Personen Zugang haben. Tätigkeiten mit diesen Stoffen und Zubereitungen sowie mit atemwegssensibilisierenden Stoffen und Zubereitungen dürfen nur von fachkundigen oder besonders unterwiesenen Personen ausgeführt werden. Die Sätze 1 und 2 gelten nicht für Kraftstoffe an Tankstellen.

Wie Eingangs angesprochen ist fraglich, ob mit dem Ozongerät eine Konzentration erreicht werden kann, die für den Menschen als giftig bzw. sehr giftig anzusehen ist. Damit entfällt auch die Forderung nach einer besonderen Fachkunde.

Gleichwohl muss der Arbeitgeber auf der Grundlage der Gefährdungsbeurteilung die Beschäftigten in der Handhabung des Ozongerätes unterweisen.
Von verschiedenen Geräteherstellern wird empfohlen, beim Kauf eines solchen Gerätes darauf zu achten, dass der Ozonausstoss variabel einstellbar ist. Auch die Verwendung einer Zeitschaltuhr wird empfohlen. So kann verhindert werden, dass Personal den behandelten Raum betreten muss. Stattdessen kann man warten, bis sich das Ozon wieder in Sauerstoff umgewandelt hat (Angaben des Geräteherstellers beachten).
Auf dem Markt werden unterschiedliche Produkte angeboten. Bei einigen liegt die Ozonproduktion über dem heute nicht mehr anzuwendenden Grenzwert (MAK- Wert) von 0,1 ml/m³. Entsprechend dem Minimierungsgebot der Gefahrstoffverordnung sind vorrangig Geräte einzusetzen, die bei gleicher Zielsetzung eine möglichst geringe Belastung der Raumluft mit Ozon verursachen.
Der Aufenthalt von Personen und Tieren während des Betriebes im Raum ist nicht gestattet.

Die Sicherheits- und Bedienungshinweise der Hersteller sind in die Gefährdungsbeurteilung  und beim Festlegen der Maßnahmen einzubeziehen. Personen, die die Gefährdungsbeurteilung erstellen und Maßnahmen festlegen, müssen gemäß Gefahrstoffverordnung fachkundig sein.