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KomNet-Wissensdatenbank

Müssen bestehende Laborabzüge entsprechend der DIN 1946-7 nachgerüstet werden?

KomNet Dialog 14342

Stand: 18.08.2011

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen > Technische Schutzmaßnahmen (5.)

Dialog
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Frage:

Wir nutzen ein Laborgebäude, welches in den 1970ziger Jahren errichtet wurde. Die Lüftungsanlage der Labore entspricht nicht dem heutigen Stand der Technik, d.h. es sind zwar Laborabzüge vorhanden, jedoch keine geregelte Zuluft. Die Luft strömt unkontrolliert über Fenster und Türen nach. Nun widerspricht diese Lösung der DIN 1946-7 vom Juli 2009. Unter 5.2 dieser DIN wird beschrieben, dass man auf mechanische Zuluftanlagen verzichten kann (was für dieses Gebäude ja zutrifft) wenn man 1. die Labore nur stundenweise nutzt 2. die Gefährdungsbeurteilung das Auftreten gefährlicher Raumluftkonzentrationen an Gefahrstoffen ausgeschlossen hat 3. ein dreifacher Raumluftwechsel nicht überschritten wird 4. das Nachströrmen von Zuluft sichergestellt ist. Meine Frage: Ist die DIN 1946-7 im jeweils aktuellen Stand für Bestandsgebäude anwenden? Muss man diese Bedingungen 1, 3, und 4 auch für ein bereits errichtetes Laborgebäude einhalten? Die Gefährdungsbeurteilung erfolgt selbstverständlich.

Antwort:

Im Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) ist im § 4 "Grundpflichten des Arbeitgebers" Ziffer 3 festgelegt, dass bei Maßnahmen des Arbeitsschutzes der Stand der Technik zu berücksichtigen ist. Gemäß § 7 "Grundpflichten" der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) darf der Arbeitgeber eine Tätigkeit mit Gefahrstoffen erst aufnehmen lassen, nachdem eine Gefährdungsbeurteilung durchgeführt wurde und die erforderlichen Schutzmaßnahmen ergriffen worden sind. Beim Ergreifen der Schutzmaßnahmen sind die nach § 20 "Ausschuss für Gefahrstoffe" Absatz 4 der GefStoffV bekannt gegebenen Regeln und Erkenntnisse zu beachten; dies sind die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS)

In der für Laboratorien veröffentlichten TRGS 526 "Laboratorien" ist festgelegt, dass Laboratorien nach den Bestimmungen dieser TRGS und im übrigen den allgemein anerkannten Regeln der Technik entsprechend beschaffen sein und betrieben werden müssen.

Da DIN-Normen - in diesem Fall die europäische Norm DIN 1946-7 "Raumlufttechnische Anlagen in Laboratorien" - den Stand der Technik wieder gibt, hat ein Laborabzug zurzeit grundsätzlich den Anforderungen dieser DIN zu entsprechen.

Ob ein Abzug, der nicht der DIN entspricht, weiter betrieben werden darf, kann nur im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung geklärt werden. Einen Bestandschutz sieht die Gefahrstoffverordnung jedenfalls nicht vor.

Soll ein Abzug, der nicht der DIN EN 1946-7 entspricht, weiter betrieben werden, muss aus der Gefährdungsbeurteilung hervorgehen, dass gleichwohl die in der Gefahrstoffverordnung festgelegten Schutzmaßnahmen erfüllt sind. In jedem Fall ist für die Gefährdungsbeurteilung die Stellungnahme des Betriebsarztes und der Fachkraft für Arbeitssicherheit einzuholen. Wir empfehlen zur Klärung des Einzelfalls die zuständige Arbeitsschutzbehörde (in NRW: Arbeitsschutzdezernat der Bezirksregierung) und/oder die Berufsgenossenschaft/Unfallkasse vor Ort hinzuzuziehen.

Weiterführende Informationen: Sicherheitsanforderungen an Laborabzüge nach europäischer Norm