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KomNet-Wissensdatenbank

Darf der Fußboden von Chlorgasräumen in Schwimmbädern ausgangsseitig unter Geländeoberfläche liegen?

KomNet Dialog 13989

Stand: 30.06.2011

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen > Allgemeine Schutzmaßnahmen (5.)

Dialog
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Frage:

In der GUV-R 108 (Ausgabe Juni 2009) heißt es im Punkt 4.4.6.1, Satz 3-5, dass der Fußboden von Chlorgasräumen ausgangseitig nicht unter der angrenzenden Geländeoberfläche liegen darf. Bei einem Hallenbad liegt der ausgangseitige Fußboden unter dem umgebenden Geländeniveau. Das Bad ist schon einige Jahrzehnte alt und seinerzeit offenbar so genehmigt worden. Wie ist mit dem Widerspruch zur GUV-R 108 zu verfahren.

Antwort:

Nach Punkt 4.4.6 der GUV-R 108 "dürfen in Chlorgasräumen nur die für den Betrieb einer Chlorungsanlage unter Verwendung von Chlorgas erforderlichen Einrichtungen vorhanden sein. In Chlorgasräumen dürfen z. B. keine Liegestühle, Chemikalien, Wasserspielgeräte gelagert werden.
Der Fußboden darf ausgangseitig nicht unter der angrenzenden Geländeoberfläche liegen. Diese Forderung wird erfüllt, wenn sich Chlorgasräume nicht in Mulden, Senken oder in Untergeschossen von Gebäuden befinden. Mit dieser Forderung soll verhindert werden, dass sich austretendes Chlorgas außerhalb des Chlorgasraums ansammeln kann."

Weiter müssen Chlorgasräume gegenüber angrenzenden Räumen mindestens in der Feuerwiderstandsklasse F 30 ausgeführt sein. Außerdem sind Chlorgasräume so ausreichend gasdicht auszuführen, dass Versicherte nicht durch austretendes Chlorgas gefährdet werden können. Ausgänge müssen unmittelbar ins Freie führen. Türen müssen nach außen aufschlagen und sich jederzeit von innen ohne besondere Hilfsmittel öffnen lassen.

Nach Punkt 8 der GUV-R 108 ist diese Regel anzuwenden ab Juni 2009, soweit nicht Inhalte dieser Regel nach geltenden Rechtsnormen oder als allgemein anerkannte Regeln der Technik bereits zu beachten sind. Diese Regel gibt den Stand der Sicherheitstechnik in Bädern zum Zeitpunkt des Erscheinens wieder.

Allerdings bestand schon durch die Unfallverhütungsvorschrift GUV-V D 5 "Chlorung von Wasser" (vom April 1979, in der Fassung vom Januar 1997) die Forderung, dass der Fußboden (Chlorgasraum) eben sein muss, ausgangsseitig nicht unter der anschließenden Geländeoberfläche liegen darf und höchstens Laderampenhöhe haben darf (§ 5 Absatz 6 GUV-V D 5);
Hinweis: Chlorgasräume sind Räume, in denen sich Anlageteile von Chlorungsanlagen unter Verwendung von Chlorgas befinden, sowie Lagerräume für Chlorbehälter.

Nach § 5 Absatz 11 gilt: "In Anlagen der Wasserversorgung dürfen abweichend von § 5 Absatz 6 bei Verwendung von Chlor in Fässern oder in ortsfesten Behältern Chlorungsanlagen auch in eigens hierfür errichteten unterirdischen Räumen aufgestellt sein, sofern diese Räume mit Chlorgaswarngeräten ausgerüstet sind."

Das Regelwerk der Unfallversicherungsträger (Berufsgenossenschaft / Unfallkasse) wird unter http://publikationen.dguv.de angeboten.

Ohne Prüfung der Genehmigungslage und der jeweiligen Akten (insbesondere die Bauakte) ist es schwierig, die Rechtslage und die sich daraus ggf. ergebenen Konsequenzen (Anpassung an den Stand der Technik) zu beurteilen.
Wir empfehlen, mit dem örtlich zuständigen Unfallversicherungsträger bzw. Bauaufsichtamt in Kontakt zu treten. Ebenfalls kann das DGUV-Sachgebiet "Bäder" angesprochen werden.