Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Welche Tätigkeiten darf eine bei einem Hersteller für Hubarbeitsbühnen geschulte Person ausüben?

KomNet Dialog 13909

Stand: 13.06.2011

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Benutzung von Arbeitsmitteln und Einrichtungen > Sichere Benutzung der Arbeitsmittel

Dialog
Favorit

Frage:

Benutzer von Hubarbeitsbühnen sind nach BGI 720/Kapitel 5.2 zu schulen. Schulungsanforderungen sind im DGUV Grundsatz 966 geregelt. Frage: 1.Darf eine bei einem Hersteller geschulte Person, z.B.Hersteller Merlo, auch Hubarbeitsbühnen eines anderen Herstellers im Betrieb fahren ? Wenn ja muss diese Person auf das neue Gerät eingewiesen sein. Wie sieht dann hier die Art der Einweisung aus? 2.Darf eine der nach DGUV 966 geschulte Person andere im Betrieb tätige Mitarbeiter unterweisen, so dass diese im Betrieb Hubarbeitsbühnen benutzen dürfen ? 3.Wie ist die Unterweisung/Schulung der Mitarbeiter zu handhaben? Theorie, Praxis und Prüfung ? Ist das in der Tiefe so erforderlich? 4.Welche Vorraussetzungen muss der Trainer erfüllen, um seine seine Arbeitskollegen unterweisen zu dürfen? Ähnliche wie der Ausbilder für Gabelstaplerfahrer?

Antwort:

Nach den Festlegungen der Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV handelt es sich um Arbeitsmittel und es ist der Abschnitt 2 in Verbindung mit den Anhängen 1 und 2 zu beachten. Beschäftigte, die Arbeitsmittel benutzen, müssen eine vom Arbeitgeber angemessene Unterweisung, insbesondere über die mit der Benutzung verbundenen Gefahren, erhalten (§ 9 Abs. 2 BetrSichV).

"Ist die Benutzung eines Arbeitsmittels mit einer besonderen Gefährdung für die Sicherheit oder Gesundheit der Beschäftigten verbunden, hat der Arbeitgeber die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, damit die Benutzung des Arbeitsmittels den hierzu beauftragten Beschäftigten vorbehalten bleibt" (§ 8 BetrSichV). "Die Benutzung der Arbeitsmittel bleibt dazu geeigneten, unterwiesenen oder beauftragten Beschäftigten vorbehalten" (Nr 2.5 des Anhangs 2 BetrSichV).

Für die Benutzung einer Hubarbeitsbühne sind daneben, die BGI 720 "Sicherer Umgang mit Hubarbeitsbühnen" und Kapitel 2.10 - Nr. 2.1 der Regel "Betreiben von Arbeitsmitteln" (BGR/GUV-R 500) relevant.

Danach darf der Unternehmer mit dem selbstständigen Bedienen von Hubarbeitsbühnen Personen nur beauftragen, die
1. das 18. Lebensjahr vollendet haben,
2. in der Bedienung der Hubarbeitsbühne unterwiesen sind und
3. ihre Befähigung gegenüber dem Unternehmer nachgewiesen haben.

Benutzer und Ausbilder für Benutzer von Hubarbeitsbühnen sind befähigt bzw. ausgebildet, wenn Sie nach dem DGUV Grundsatz 966 "Ausbildung und Beauftragung der Bediener von Hubarbeitsbühnen" (http://www.ipaf.org/fileadmin/user_upload/documents/de/BGG966.pdf) qualifiziert worden sind (zur Frage 4).
Die Ausbildung besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil und endet mit einer Abschlussprüfung.
Die Teilnehmer erhalten ein Zertifikat über die Teilnahme und über das Ergebnis der Abschlussprüfung (Ausbildungsnachweis). Dieses Zertifikat soll für die Bauarten ausgestellt werden, an denen die Ausbildung erfolgte. Eine ergänzende Ausbildung sollte erfolgen, wenn der Bediener auf Hubarbeitsbühnen anderer Bauart eingesetzt werden soll.
Zitat aus Kapitel 4 der BGI 720 "Durch die unterschiedlichen Bauarten bedingt kann keine generelle Beauftragung für alle Hubarbeitsbühnen erfolgen. Als hilfreich haben sich Formblätter und Bedienerausweise erwiesen." (zur Frage 1) 

Nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung können die Bediener mit der Bedienung von Hubarbeitsbühnen, die im Zertifikat ausgewiesen sind, vom Unternehmer beauftragt werden. Diese Beauftragung ist schriftlich zu erteilen. Bei der eigentlichen Beauftragung ist anzugeben, für welche Arbeiten die Beauftragung gilt.

Die gerätespezifische Einweisung und die Unterweisung im Betrieb kann von einer bereits ausgebildeten Person nach DGUV Grundsatz 966 in Kooperation mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit vorgenommen werden. Dabei ist zu beachten, dass die zu Unterweisenden zuvor auch nach dem DGUV-Grundsatz 966 erfolgreich ausgebildet wurden. D.h. eine alleinige Einweisung und Unterweisung von Beschäftigten, die zuvor nicht analog dem DGUV Grundsatz 966 ausgebildet wurden, ist nicht ausreichend (zu Fragen 2 und 3).

Das Regelwerk der Unfallversicherungsträger (Berufsgenossenschaft / Unfallkasse) wird unter http://publikationen.dguv.de angeboten.
Arbeitsschutzvorschriften sowie weitere Rechtsvorschriften können Sie unter www.arbeitsschutz.nrw.de/Service/rechtsvorschriften/index.php (--> Rechtsvorschriften Arbeitsschutz) oder www.gaa.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/16032 aufrufen.