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Gelten mit Schlüssel zugriffsgesicherte elektrische Unterverteilungsschränke in Produktionshallen als für Laien zugänglich?

KomNet Dialog 13693

Stand: 16.05.2011

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Benutzung von Arbeitsmitteln und Einrichtungen > Gefährdungen durch Arbeitsmittel und Einrichtungen

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Frage:

Gelten mit Schlüssel zugriffsgesicherte elektrische Unterverteilungsschränke in Produktionshallen als für Laien zugänglich? Hintergrund: Einem ausgewählten Kreis von zu unterweisenden Personen soll es ermöglicht werden, im Falle von ausgelösten Leitungsschutz- bzw. FI-Schaltern unter Beachtung geeigneter Maßnahmen, diese wieder einzuschalten. Es gibt aber in den Unterverteilungen Schalter, die nicht eingeschaltet werden dürfen. Bei für Laien zugänglichen Schränken genügt dann eine Kennzeichnung nicht mehr; die Schalter müssen entweder mit einer Schaltsperre belegt werden, oder die Ableitung vom Schalter muß abgeklemmt sein. Was ist letzlich notwendig, um einen Schutz vor Wiedereinschaltung festzulegen?

Antwort:

Arbeiten an elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln dürfen nur von Elektrofachkräften oder von elektrotechnisch unterwiesenen Personen unter der Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft ausgeführt werden.
Das Entsperren von Schaltern, das Wiedereinschalten von Schutzschaltern bzw. Auswechseln von Sicherungen ist dabei in VDE 0105-100 (www.vde-verlag.de) in den dort beschriebenen Grenzen als für elektrotechnisch unterwiesene Personen durchaus durchführbare Tätigkeiten beschrieben.

Der Zugriff auf Unterverteilungen ist jedoch für Laien insbesondere dann zu unterbinden, wenn durch ihre Schalthandlungen Gefahren für sich selbst oder andere entstehen können (z.B. bei nicht berührungssicher ausgeführten Anlagen, wenn Lichtbögen entstehen können, wenn durch das Wiedereinschalten eine Maschine plötzlich anlaufen kann oder wenn Stromkreise, an denen gearbeitet wird, wieder unter Spannung gesetzt werden). Insofern handeln Sie richtig, wenn Sie die Verteilungen für Unbefugte unzugänglich machen und sicher stellen, dass in der Praxis tatsächlich nur die befugten Personen Zugriff auf die Schlüssel erhalten.

Das Abschließen von Hauptschaltern oder Verteilungen nach der Freischaltung der Stromkreise, an denen gearbeitet werden soll, wird z.B. in den Medien der für elektrotechnische Fragestellungen zuständigen Fach-Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro und Medienerzeugnisse (BG ETEM) in Verbindung mit der Anbringung eines entsprechenden Hinweisschildes (z.B. Nicht Schalten! Es wird gearbeitet.) als Maßnahme zur Umsetzung der zweiten der einzuhaltenden fünf Sicherheitsregeln dargestellt. (siehe auch www.bgetem.de/praev/praev_hgf-et.html bzw.www.bge.de/asp/dms.asp?url=/bge/m36/m36.htm )

Bezüglich des Einsatzes elektrotechnisch unterwiesener Personen seien noch folgende wichtige Hinweise gegeben:
Elektrotechnisch unterwiesene Personen können gemäß der UVV "Elektrische Anlagen und Betriebsmittel" (BGV A3 http://publikationen.dguv.de nur unter der "Leitung und Aufsicht einer Elektrofachkraft" an elektrischen Anlagen und Betriebsmitteln tätig werden.

Für die Elektrofachkraft bedeutet dies zwar nicht, dass sie dabei ständig anwesend sein muss, jedoch übernimmt sie mit der Leitung und Aufsicht die Fach- und Führungsverantwortung gegenüber den ihr unterstellten elektrotechnisch unterwiesenen Personen!

Es empfiehlt sich deshalb, sowohl die örtliche Einweisung der elektrotechnisch unterwiesenen Personen in den Aufbau und die Funktion der jeweiligen Verteilungen als auch die Grenzen ihres Handlungsspielraums für Tätigkeiten an diesen Verteilungen zu dokumentieren und von ihnen gegenzeichnen zu lassen.
Als zusätzliche Unterstützungsmaßnahme für elektrotechnisch unterwiesene Personen sollten in den Verteilungen entsprechende Hinweise für die korrekte Ausführung von Schalthandlungen hinterlegt werden.