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Wie klappt der Wiedereinstieg in Teilzeit in meiner Firma bei ungeplanter Unterbrechung der Elternzeit?

KomNet Dialog 13280

Stand: 10.02.2014

Kategorie:

Dialog
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Frage:

Mein Mann ist ab Juli arbeitslos, somit muß ich wieder mitarbeiten, um alle Kosten decken zu können. Ich bin seit 2005 in Elternzeit, diese läuft 2014 ab. Zum Glück hat mein Kleinster ab August einen Kita-Platz bis mittags und mein Großer geht ab Mitte September in die Schule. Mit meiner Firma habe ich noch nicht gesprochen, da meine Chefin 2005 verstorben ist, und diese sich immer darum bemüht hat, mir Teilzeitstellen zu besorgen, da es bei meiner Firma sonst keine Teilzeitbeschäftigten gibt. Es handelt sich um eine Zeitarbeitsfirma und ich habe keine Idee, wie ich denen begreiflich machen soll, dass ich nur 15 Stunden/Woche und zwar am Vormittag zwischen 9 und 12 Uhr arbeiten kann. Zudem kommt, dass ich keine Ferienbetreuung habe und eine Tagesmutter nicht bezahlen kann, so dass ich alle Ferien unbezahlt frei haben muß. Ich bin chronisch krank und darf nicht alle Arbeiten verrichten. Die Erkrankung hat sich durch die Schwangerschaft so verschlimmert, dass ich einen Behindertenschein beantragt habe, zudem muß ich alle zwei Jahre in Reha und zwei mal die Woche zur Therapie. Ich bin Buchhalterin, was laut Rehaklinik kein Problem bei meiner Erkrankung ist, solange ich nicht stehen oder nur sitzen muß. Vor meiner Elternzeit habe ich 20 Jahre in dem Beruf als Groß- und Außenhandelskauffrau (überwiegend Buchhaltung) gearbeitet.

Antwort:

In jedem Fall sollten Sie so schnell wie möglich den Kontakt zu Ihrem Arbeitgeber aufnehmen, um die Unterbrechung Ihrer Elternzeit zu beantragen (aus Ihrer mail geht nicht eindeutig hervor, ob Sie die Elternzeit jetzt nur unterbrechen oder beenden wollen). 

Zur Unterbrechung und Beendigung der Elternzeit:
Sie haben das Recht, bis zu vier Zeiträume während der Ihnen zustehenden drei Jahre zu benennen. Das heißt, Sie können die Elternzeit auch unterbrechen. Die einmal festgelegte Elternzeit ist normalerweise unwiderruflich. Sie kann aber in Ausnahmefällen und aufgrund besonderer Umstände verlängert oder vorzeitig beendet werden, wenn der Arbeitgeber zustimmt.
Müssen Sie wegen eines besonderen Härtefalles die Elternzeit vorzeitig beenden, kann Ihr Arbeitgeber das nur innerhalb von vier Wochen aus dringenden betrieblichen Gründen schriftlich ablehnen.
Ein besonderer Härtefall liegt beispielsweise vor, wenn ein Elternteil verstorben ist, schwer erkrankt beziehungsweise behindert ist oder wenn die Existenz der Familie erheblich gefährdet ist.

Eine Erwerbstätigkeit ist während der Elternzeit ist aber auch erlaubt. Die Beschäftigung darf aber die wöchentliche Arbeitszeit von 30 Stunden nicht überschreiten. Wenn Sie während Ihrer Elternzeit bei einem anderen Arbeitgeber eine Teilzeitarbeit leisten möchten, benötigen Sie dazu die Zustimmung Ihres Arbeitgebers. Diese Zustimmung kann aber nur verweigert werden, wenn dringende betriebliche Interessen entgegenstehen. Dies muss Ihnen innerhalb einer Frist von vier Wochen schriftlich mitgeteilt werden.

Sie sollten in einem Änderungsvertrag schriftlich festhalten, dass Sie mit Ihrem Arbeitgeber eine Teilzeitbeschäftigung nur während Ihrer Elternzeit vereinbaren. Damit erhalten Sie sich die Möglichkeit, nach der Elternzeit wieder Vollzeit zu arbeiten und laufen nicht Gefahr, auf Dauer in einem Teilzeitarbeitsverhältnis oder nicht versicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis stecken zu bleiben.

Schwierig könnte es für Sie werden, Ihren Wunsch nach einer Arbeitszeit von 9.00-12.00 Uhr zu argumentieren. Gerade in einem Zeitarbeitsunternehmen ist nicht nur diese zeitliche Einschränkung problematisch, sondern auch das geringe Arbeitszeitvolumen von 15 Wochenstunden. Zeitarbeitsunternehmen leben davon, flexibel auf Kundenwünsche eingehen zu können. 
 
Ihr Motto sollte sein: Erst mal sehen, was überhaupt möglich ist in meiner alten Firma. Und Sie sollten jetzt vor einem beruflichen Neustart eingehend überlegen, ob es - auch für Zukunft gesehen- nicht überhaupt klug ist, mit einem Angebot a) von mehr Wochenarbeitsstunden und b) mit flexibleren Arbeitszeiten in ein Gespräch mit Ihrer Firma zu gehen. Oft ergeben sich in einem solchen Gespräch ganz neue Optionen - sowohl für Sie als auch den Arbeitgeber. 

Ihr Existenz sicherndes Einkommen ist vielleicht nicht nur in naher Zukunft von großer Bedeutung für die ganze Familie. Auch Ihre persönliche Altersvorsorge sollten Sie im Auge behalten, wenn Sie jetzt wieder einsteigen. Als Buchhalterin/ Kauffrau mit großer Berufserfahrung haben Sie gute Aussichten, beruflich schnell wieder Fuß zu fassen. 
Vielleicht gibt es die Möglichkeit, auch in den Arbendstunden zu arbeiten oder am Wochenende (samstags), so dass in dieser Zeit Ihr Mann für die  Kinderbetreuung sorgen könnte und Sie Freiräume für Ihre Gesundheitsvorsorge behalten.  

Versuchen Sie mit Kita und Schule im Vorfeld zu klären, dass Sie Ihre Kinder länger (flexibel) betreuen lassen wollen. Heute haben sehr viele Kitas und Offene Ganztagsschulen ein funktionierendes Vertretungsystem während der Ferien, so dass Sie nicht immer frei nehmen müssen. Auch können Sie das Jugendamt ansprechen, wenn Sie für Betreuungslücken doch noch eine qualifizierte Tagesmutter beschäftigen müssen.

Für den Fall, dass das Gespräch mit Ihrer Firma nicht in Ihrem Sinne verläuft, melden Sie sich frühzeitig bei Ihrer zuständigen Agentur für Arbeit. Weisen Sie bei einem Beratungsgespräch darauf hin, dass ein Antrag für einen Behinderungschein läuft.

Wichtig: Nach Beendigung der Elternzeit haben Sie keinen Anspruch auf Ihren bisherigen Arbeitsplatz, sondern ausschließlich auf einen gleichwertigen Arbeitsplatz im selben Betrieb. Eine Umsetzung, die mit einer Schlechterstellung - insbesondere einem geringeren Entgelt - verbunden wäre, ist nicht zulässig.

Download der Broschüre Elternzeit und Elterngeld:
http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/BMFSFJ/Service/Publikationen/publikationen,did=89272.html
Lokale Beratungsangebote werden unter http://www.wiedereinstieg.nrw.de/lokale_angebote/index.php angeboten.

Hinweise:
Information: Die Internetplattform Forum W bietet Frauen und Männern, die nach einer längeren Familienzeit beruflich wieder einsteigen wollen, umfassende Informationen, Anregungen und Servicetipps, die den Jobeinstieg erleichtern und die Chancen beim Wiedereinstieg verbessern.

Beratung: Kostenlose Beratung zur beruflichen Entwicklung bietet ein Förderprogramm des  Landes Nordrhein-Westfalen.Die nächstgelegene professionelle Beratungsstelle ist hier zu finden Weiterbildungsberatung

Förderung: Der Erhalt von Bildungsschecks ist für Berufsrückkehrende möglich, so dass diese – neben Beschäftigten – vom Land Nordrhein-Westfalen, mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds, einen Zuschuss  für ihre berufliche Weiterbildungsmaßnahme erhalten können.