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Welche Beschäftigungsverbote bestehen für schwangere Anästhesieärztinnen?

KomNet Dialog 1324

Stand: 12.09.2014

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Beschäftigungsverbote und -beschränkungen

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Frage:

Welche Beschäftigungsverbote bestehen für schwangere Anästhesieärztinnen?

Antwort:

Nach § 2 des Mutterschutzgesetzes (MuSchG) ist der Arbeitgeber verpflichtet nach der Bekanntgabe einer Schwangerschaft unverzüglich eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen. Um einen sicheren und schwangerschaftsgerechten Arbeitsplatz errichten zu können, sollte man die Gefährdungen personen- und tätigkeitsbezogen ermitteln und effektive Schutzmaßnahmen ergreifen.

Im § 4 Abs. 1 und Abs. 2 MuSchG sind die generellen Beschäftigungsverbote konkretisiert, wie z.B. Heben und Tragen von Lasten. Neben Heben und Tragen von Lasten (mehr als 5 kg regelmäßig oder 10 kg gelegentlich per Hand) können schwangere oder stillende Anästhesieärztinnen auch durch Infektionen, durch chemische Gefahrstoffe (wie z.B. Narkosegase) oder durch ionisierende Strahlen (Röntgenstrahlen) gefährdet werden.

Bei der Infektionsgefährdung ist zusätzlich zu der Gefährdungsbeurteilung (Kinder als Patienten?) der aktuelle Immunstatus der Schwangeren zu überprüfen. Falls die Schwangere einen nachgewiesenen Titer gegen Röteln, Ringelröteln, Zytomegalie, Windpocken, Pertussis, Masern und Hepatitis hat, darf sie mit Kindern arbeiten. Eine ausreichende Immunität schützt vor Infektionen. Liegt der Immunisierungsnachweis nicht vor, ist eine sofortige Umsetzung bis zur Klärung des Immunstatus in einen geeigneten Tätigkeitsbereich zu bestreben.

Anbei einige konkrete Beschäftigungsverbote als Beispiel. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Beschäftigungsverbote immer im Zusammenhang mit den aktuellen Gefährdungssituationen auszusprechen sind.

1. Die werdende Mutter darf nicht in Räumen beschäftigt werden oder sich dort aufhalten, wenn Halothan in der Raumluft vorhanden ist.
2. Sie darf nur in solchen Räumen beschäftigt werden oder sich aufhalten, wo die Grenzwerteinhaltung für Narkosegase gemäß TRGS 402 bzw. TRGS 403 meßtechnisch sichergestellt ist.
3. Durchführung aller Tätigkeiten mit Notfallcharakter sind untersagt.
4. Bei Tätigkeiten, die mit ständigem Gehen oder Stehen einhergehen, ist eine Sitzgelegenheit bereitzustellen.
5. Beim Einsatz mobiler Röntgengeräte z.B. im Gipsraum oder auf der Intensivstation, muß die werdende Mutter während des Röntgenvorgangs den Raum verlassen.
 
Der Nachweis, dass der Arbeitgeber einen sicheren Arbeitsplatz geschaffen hat, ist nach § 5 MuSchG zu dokumentieren. Weiterhin ist der Arbeitgeber nach der Bekanntgabe einer Schwangerschaft verpflichtet, über diese Schwangerschaft die zuständige Arbeitsschutzbehörde (in NRW: Dezernate 56 der Bezirksregierungen) zu informieren. Hierbei sind nicht nur die Generalien anzugeben, sondern auch die Art der Tätigkeit und die Arbeitszeiten.

Weitere nützliche Informationen sind u.a. in dem Faltblatt „Mutterschutz in Arztpraxen“ zu finden.