Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Was ist unter dem Begriff der "guten Ingenieurspraxis" in Verbindung mit der Druckgeräterichtlinie zu verstehen?

KomNet Dialog 13202

Stand: 08.03.2011

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Druckbehälter > Rechts- und Auslegungsfragen, Sonstiges (1.1.4)

Dialog
Favorit

Frage:

In Verbindung mit der Druckgeräterichtlinie wird bei einfachen Druckbehältern von der "guten Ingenieurspraxis" gesprochen. Was genau ist darunter zu verstehen und wie kann ich als Kunde kontrollieren, ob der Lieferant nach guter Ingenieurspraxis geliefert hat?

Antwort:

Nach Artikel 3 Abs. 3 der Druckgeräterichtlinie 97/23/EG (DGRL) gilt: "Druckgeräte und/oder Baugruppen, die höchstens die Grenzwerte nach den Nummern 1.1 bis 1.3 sowie Absatz 2 (von Art. 3) erreichen, müssen in Übereinstimmung mit der in einem Mitgliedstaat geltenden guten Ingenieurpraxis ausgelegt und hergestellt werden, damit gewährleistet ist, dass sie sicher verwendet werden können. Den Druckgeräten und/oder Baugruppen sind ausreichende Benutzungsanweisungen beizufügen, und sie müssen eine Kennzeichnung tragen, anhand derer der Hersteller oder sein in der Gemeinschaft ansässiger Bevollmächtigter ermittelt werden kann. Diese Druckgeräte und/oder Baugruppen dürfen nicht die in Artikel 15 genannte CE-Kennzeichnung tragen."

Insbesondere in den Leitlinien zur Druckgeräterichtlinie 97/23/EG werden diese Punkte konkretisiert. Die Leitlinie 9/1 antwortet zu der Frage: "Was ist unter "guter Ingenieurspraxis" zu verstehen?" folgendes:
"Unbeschadet Artikel 4, Abs. 1.2 bedeutet "gute Ingenieurspraxis", daß diese Druckgeräte unter Berücksichtigung aller relevanten Faktoren, die ihre Sicherheit beeinflussen, entworfen worden sind. Außerdem ist das Gerät so gefertigt, überprüft und ausgeliefert mit Benutzungsanweisungen, dass, wenn es unter vorhersehbaren oder vernünftigerweise vorhersehbaren Bedingungen benutzt wird, seine Sicherheit während seiner vorgesehenen Lebensdauer gewährleistet ist. Der Hersteller ist verantwortlich für die Einhaltung der guten Ingenieurspraxis."

Die Leitlinie 9/19 beschreibt, dass es "in der Richtlinie keine speziellen Bestimmung darüber gibt, wie der Hersteller anzeigen muss, dass diese Geräte (guten Ingenieurpraxis) mit der DGRL übereinstimmen."
Und weiter: "Die Hersteller sollten sich darüber im Klaren sein, dass es wahrscheinlich hilfreich ist, wenn sie dem Produkt einen Verweis auf die DGRL beifügen, aus welchem hervorgeht, dass die Anforderungen der in einem Mitgliedstaat geltenden guten Ingenieurpraxis erfüllt sind. Dies kann zum Beispiel realisiert werden durch eine Erklärung, die in den Betriebsanweisungen enthalten ist oder durch ein separates Dokument, welches dem Gerät beigefügt ist oder durch einen Zusatz bei der Kennzeichnung.
Anmerkung: Der Hersteller darf für solche Geräte im Zusammenhang mit der DGRL weder eine EG-Konformitätserklärung abgeben noch eine CE - Kennzeichnung anbringen."

Vergleiche auch die relevanten Leitlinien 9/9 und 9/12.