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KomNet-Wissensdatenbank

Ist ein abschließbarer Schrank für giftige Stoffe in jedem Labor notwendig?

KomNet Dialog 13179

Stand: 18.06.2012

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Lagerung von Gefahrstoffen

Dialog
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Frage:

Sehr giftige bzw. akut toxische Stoffe sind ständig unter Verschluss zu halten, so dass nur sachkundige Personen oder deren Beauftragte Zugang haben. I.d.R. nutzt man hier den sogenannten Giftschrank zur Lagerung. Müssen oben genannte Stoffe, die sich im Anbruch befinden, also täglich benutzt werden, ebenfalls unter Verschluss gehalten werden? Soll heißen, wäre ein abschliessbarer Schrank in jedem Labor notwendig? (Labor ohne Publikumsverkehr, aber durchaus Mitarbeiter anderer Abteilungen). Eine Chemikalie wäre z.B. Kaliumcyanid, müssen hier Aufzeichnungen über verbrauchte Mengen etc. ("Giftbuch") geführt werden?

Antwort:

Nach § 8 Abs. 7 der Gefahrstoffverordnung hat der Arbeitgeber sicherzustellen, "dass als giftig, sehr giftig, krebserzeugend Kategorie 1 oder 2, erbgutverändernd Kategorie 1 oder 2 oder fortpflanzungsgefährdend Kategorie 1 oder 2 eingestufte Stoffe und Zubereitungen unter Verschluss oder so aufbewahrt oder gelagert werden, dass nur fachkundige und zuverlässige Personen Zugang haben. Tätigkeiten mit diesen Stoffen und Zubereitungen sowie mit atemwegssensibilisierenden Stoffen und Zubereitungen dürfen nur von fachkundigen oder besonders unterwiesenen Personen ausgeführt werden. ..."

Konkretisierende ist für Laboratorien die TRGS 526 "Laboratorien" anzuwenden (www.baua.de/TRGS/). Aber auch dort ist nicht ein abschließbarer Schrank gefordert.
In Nr. 4.9.3 heißt es bezgl. des Zugangs zu solchen Stoffen:
"Vorkehrungen gegen Missbrauch oder Fehlgebrauch von Gefahrstoffen sind zu treffen. Sehr giftige und giftige Stoffe sowie Zubereitungen sind unter Verschluss oder so aufzubewahren oder zu lagern, dass nur fachkundige oder unterwiesene Personen Zugang haben. Reparatur- und Reinigungspersonal sind vor Tätigkeiten in entsprechenden Bereichen über die Gefahren und Schutzmaßnahmen zu unterweisen und in angemessener Weise zu beaufsichtigen. Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass Stoffe, die dem Betäubungsmittelgesetz unterliegen, unter Verschluss aufbewahrt werden. Der Zugang zu den Betäubungsmitteln erfolgt nur über die verantwortliche Person."

Die Laborrichtlinie BGI / GUV-I 850-0 erläutert dazu (http://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/i-850-0.pdf ):
"Es wird empfohlen, eine entsprechende Zugangsregelung festzulegen. Unbefugte dürfen die Räume nicht betreten, eine zusätzliche Kennzeichnung der Zugänge mit einem entsprechenden Hinweis ist zu empfehlen. Sind entsprechende Zugangsbeschränkungen nicht möglich, müssen diese Stoffe in verschließbaren Schränken aufbewahrt werden."

Wie v.g. Forderung erfüllt wird, ist dann letztendlich im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung festzulegen.

Stoffe und Zubereitungen, die nach der Gefahrstoffverordnung mit dem Gefahrensymbol T (giftig) oder T + (sehr giftig) oder O (brandfördernd) oder F+ (hochentzündlich) oder mit den R-Sätzen R 40, R62 oder R 68 zu kennzeichnen sind unterliegen gemäß § 3 Satz 1 Chemikalienverbotverordnung (ChemVerbotsV) der Informations- und Aufzeichnungspflicht bei der Abgabe an Dritte. Die Pflicht zur Führung eines Abgabebuch ergibt sich aus § 3 Absatz 3 ChemVerbotsV und ist primär für den Verkauf und den Handel mit den Chemikalien erforderlich.