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KomNet-Wissensdatenbank

Darf eine werdende Mutter im Außendienst beschäftigt werden?

KomNet Dialog 13132

Stand: 15.06.2012

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Beschäftigungsverbote und -beschränkungen

Dialog
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Frage:

Ich arbeite im Außendienst und frage mich nun, was ich als Schwangere alles noch darf. Aufgrund meiner Arbeit bin ich den ganzen Tag unterwegs. Nun stellt sich mir die Frage, ob ich als Schwangere der Zumutung ausgesetzt sein darf, acht Stunden oder mehr im Freien und vor allem ständigen Gehen zu verbringen?

Antwort:

Bei der Beschäftigung einer werdenden Mutter muss der Arbeitgeber die Vorschriften des Mutterschutzgesetzes - MuSchG und der Mutterschutzrichtlinienverordnung – MuSchRiV www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/muscharbv/gesamt.pdf einhalten.
Sobald eine werdende Mutter den Arbeitgeber über die Schwangerschaft informiert, hat dieser umgehend eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen, die nötigen Maßnahmen zu treffen und die werdende Mutter über das Ergebnis der Gefährungsbeurteilung zu informieren (§ 5 Arbeitsschutzgesetz, § 1 MuSchRiV) .

Falls die Arbeitsplatzbeurteilung ergibt, dass die Sicherheit oder Gesundheit der werdenden oder stillenden Mutter oder des ungeborenen Kindes gefährdet ist, muss der Arbeitgeber geeignete Schutzmaßnahmen in folgender Rangfolge veranlassen:

1. Umgestaltung des Arbeitsplatzes
2. Arbeitsplatzwechsel
3. Freistellung wegen eines Beschäftigungsverbotes (unter Fortzahlung des Entgeltes entsprechend § 11 MuSchG)

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die werdende oder stillende Mutter sowie die übrigen bei ihm beschäftigten Arbeitnehmerinnen über das Ergebnis der o.g. Arbeitsplatzbeurteilung und über zu ergreifende Schutzmaßnahmen zu unterrichten.

Das v.g. gilt auch für einen Arbeitgeber, der eine werdende Mutter mit Außendiensttätigkeit beschäftigt. Der Arbeitgeber muss prüfen, ob eine Tätigkeit einem mutterschutzrechtlichen Beschäftigungsverbot unterliegt.
Eine Tätigkeit mit einem Personenwagen im Außendienst wird nach gängiger Rechtsauffassung allerdings nur dann von dem Beschäftigungsverbot des § 4 Abs. 2 Nr. 7 des Mutterschutzgesetzes - MuSchG erfasst, wenn die reine Fahrzeit mehr als 50% der täglichen Arbeitszeit ausmacht. In solch einem Fall ist eine Beschäftigung auch mit einem Pkw nach Ablauf des 3. Schwangerschaftsmonats nicht mehr zulässig. Als Beförderungsmittel sind im mutterschutzrechtlichen Sinn alle Arten von Fahrzeugen anzusehen, mit denen Personen oder Waren zu Lande, auf dem Wasser oder in der Luft „befördert“ werden. Darunter fallen z. B. Busse, Straßenbahnen und Flugzeuge.

Wer eine werdende oder stillende Mutter mit Arbeiten beschäftigt, bei denen sie ständig stehen oder gehen muss, hat für sie gemäß § 2 Abs. 2 MuSchG eine Sitzgelegenheit zum kurzen Ausruhen bereitzustellen.

Zusammengefasst:
Gefährliche Arbeiten darf Ihnen der Arbeitgeber nicht zuweisen. Ob auf Ihre Tätigkeit ein mutterschutzrechtliches Beschäftigungsverbot zutrifft, muss der Arbeitgeber mittels Gefährdungsbeurteilung klären und das Ergebnis Ihnen mitteilen. Dabei soll er sich vom Betriebsarzt und der Fachkraft für Arbeitssicherheit beraten und unterstützen lassen. 

Auf die weiteren Informationen und Merkblätter unter www.arbeitsschutz.nrw.de/Themenfelder/mutterschutz/index.php bzw. www.arbeitsschutz.nrw.de/Themenfelder/mutterschutz/praxishilfen/index.php sowie unter www.gaa.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/16509/ weisen wir ebenfalls hin.