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KomNet-Wissensdatenbank

Wie wird die zulässige Oberflächentemperatur bei Explosionsschutzmaßnahmen ermittelt?

KomNet Dialog 13113

Stand: 19.06.2012

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Rechts- und Auslegungsfragen, Sonstiges (1.4.4)

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Frage:

Zulässige Oberflächentemperatur: Abzuleiten von tatsächlicher Zündtemperatur des Stoffes oder der Temperaturklasse? Um als Explosionsschutzmaßnahme heiße Oberflächen als Zündquelle auszuschließen, werden maximal zulässige Oberflächentemperaturen definiert. Beim Einsatz z.B. von Ethylen (Zündtemperatur 440 °C) würde das heißen, Geräte der Temperaturklasse T 2 zu wählen (maximale Oberflächentemperatur < 300 °C). Beim Einsatz in Zone 0 oder 1 dürfen gemäß Regelwerk 80% der Zündtemperatur nicht überschritten werden, d.h. bei Ethylen wären 352 °C als maximale Oberflächentemperatur zulässig, dieser Wert ist aber größer als für die Temperaturklasse T2 vorgegeben. Muss man nun trotzdem in T2 ausrüsten oder darf man darüber hinaus bis 352 °C gehen? Oder gelten die 80% generell nicht für die Zündtemperatur sondern für den unteren Wert der Temperaturklasse (hier bei T2 ausgehend von 300 °C also nur noch 240 °C zulässig und damit eigentlich T3)? Wie verhält es sich bei einem (fiktiven) Stoff, der z.B. eine Zündtemperatur von 310 °C hat? Bei Einsatz in Zone 2 wäre wiederum T2 zu wählen, in Zone 1 oder 0 wären aber aufgrund der 80 % Begrenzung nur noch 248 °C Oberflächentemperatur zulässig, wäre damit für einen „T2-Stoff“ eine Ausrüstung in T3 notwendig?

Antwort:

Zunächst verweisen wir auf die §§ 5 und 6 der Betriebssicherheitsverordnung nebst Anhang 4 sowie die TRBS 2152 Teil 3 "Gefährliche explosionsfähige Atmosphäre - Vermeidung der Entzündung gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre" (www.baua.de/trbs).

Die konkretisierenden technischen Regeln gehen von genormten Zündtemperaturen aus, daher sind die speziellen örtlichen und stofflichen Gegebenheiten und Bedingungen in der Gefährdungsbeurteilung zu bewerten. Unter anderem ist bei heißen Oberflächen die Formgebung der Fläche, Innen- oder Außenraum sowie das Wandmaterial zu bewerten.
Liegt nun eine Bewertung in Bezug auf heiße Oberflächen und Einsatz des Betriebsmittels in die Zone 1 oder 0 vor, dann kommt in der Tat die 80% Regel in Betracht und somit die sich dadurch ergebene Zünd-/Temperaturklasse.

Auf die Informationen zum Explosionsschutz der Deutsche Gesetzlichen Unfallversicherung weisen wir hin.