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Welche Einstiegsmöglichkeiten habe ich als Seiteneinsteigerin ins Lehramt oder in der pädagogischen Arbeit?

KomNet Dialog 13107

Stand: 10.02.2014

Kategorie: Berufsrückkehr / Wiedereinstieg > Berufsrückkehr und Arbeitslosigkeit > Zuständigkeiten

Dialog
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Frage:

Ich möchte mich bewerben als Seiteneinsteigerin ins Lehramt. Nach Haushaltsführung und jahrelange Kindererziehung möchte ich nun gerne wieder beruflich tätig werden. Durch meine Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen würde ich gerne mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Ich bin 38 Jahre alt und habe ein Fachhochschulzeugnis. Auf dem zweiten Bildungsweg möchte ich die allgemeine Hochschulreife erlangen. Desweiteren verfüge ich über verschiedene Fremdsprachen wie Englisch, Französisch und Türkisch. Vor allem bin ich qualifiziert im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, da ich selber alleinerziehend bin mit sechs Kindern im Alter von 9 bis 20 Jahren. Meine türkische Abstammung wäre ein Vorteil, auch Schülern mit Migrationshintergrund bei deren Integration zu unterstützen. Ich würde auch gerne Deutschkurse für Migranten jeden Alters anbieten, gegebenfalls auf Volkshochschulen auch unterrichten. Jedoch benötige ich Beratung für mein weiteres Vorgehen.

Antwort:

1. Seiteneinsteiger:  Als Hochschulabsolventin mit passenden Fächern oder als Hochschulabsolventin mit mindestens zweijähriger Berufstätigkeit bzw. zweijähriger Betreuung eines minderjähriges Kindes können sich Interessenten/innen als Seiteneinsteiger für das Lehramt bei einer Schule bewerben, die in der Stellenausschreibung "Öffnung für Seiteneinsteiger" mit aufführt. Anbei ein Link auf die entsprechende Seite des NRW-Schulministeriums:
Lehramt? http://www.schulministerium.nrw.de/ZBL/Wege/Seiteneinstieg/SeiteneinstiegBeruf/index.html

2. Lehramtsstudium: Der übliche Weg zum Lehrer/innenberuf erfolgt nach dem Abitur durch ein fachbezogenes Studium, das nach 6-8 Semestern mit einer ersten Staatsprüfung beendet wird. Die zweite Staatsprüfung und der Berufsabschluß erfolgt nach einem Jahr Referendariat, d.h.einem praktischen Jahr mit Unterricht in einer Schule. Eine Zulassung zum Studium ohne Abitur gibt es in allen Bundesländern für Berufstätige mit Berufsabschluß und mehrjähriger Berufserfahrung. Weitere Informationen dazu im Netz: 
http://bildung-web.de/plaintext/studieren-ohne-abitur_neu/index.html

3. Pädagogische Arbeit:  Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen kann zum einen bei unterschiedlichen Einrichtungen aufgenommen werden, nach einem abgeschlossenen Studium der Sozialpädagogik oder Pädagogik. Städtische, kirchliche oder private Jugendzentren bieten häufig ein kulturelles Freizeitangebot, das von freiberuflichen Honorarkräften stundenweise durchgeführt wird. Ebenso wird häufig der offene Ganztag mit einem kursmäßigen Angebot am Nachmittag  für Grundschüler durchgeführt.  Die Qualifikation dieser Honorarkräfte, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, verlangt nicht unbedingt ein abgeschlossenes Studium.

4. Pädagogische Arbeit:  Ebenso ist es in der Erwachsenenbildung, die von städtischen Volkshochschulen, Vereinen oder kirchlichen Einrichtungen angeboten wird. Auch hier werden semesterweise organisierte Kurse von Honorarkräften angeboten, die je nach Kursinhalt unterschiedliche berufliche Qualifikation oder auch Lebenserfahrung mitbringen.

5. Kontakt: Nehmen Sie Kontakt zu einem Jugendzentrum, einer Grundschule und einer Volkshochschule auf und erkundigen sich, welche Kurse durchgeführt werden, welche Anforderungen an die Honorarkräfte gestellt werden, wie die Vergütung aussieht und welche Chancen Sie haben. In der Kinder- und Jugendarbeit werden mehr und mehr Mitarbeiter/innen gesucht, die Deutsch und Türkisch sprechen. Sinnvoll ist es, dass Sie sich selbst Gedanken über ein interessantes neues Kursangebot machen, das Sie vorschlagen können.
Die Arbeit als Honorarkraft in der Kinder- und Jugendarbeit oder der Erwachsenenbildungsarbeit können Sie im Prinzip sofort aufnehmen, während Sie sich auf das Abitur in der Abendschule vorbereiten. Es stellt  eine gute praktische Vorerfahrung für Sie dar, bevor Sie nach dem Abitur ein ggf. pädagogisches Studium aufnehmen, das Ihnen nach dem Abschluß erlaubt qualifizierter und besser bezahlt in der Kinder- und Jugendarbeit zu arbeiten.

6. Beratung: Bei der Suche nach einem passenden Studiengang oder nicht-akademischer Ausbildungsmöglichkeiten für pädagogische Berufe kann Ihnen auch eine Bildungsscheckberatungsstelle helfen. Die passende Stelle vor Ort finden Sie hier: https://services.nordrheinwestfalendirekt.de/beratungsstellen/index.php
Als erste Orientierung könnte für Sie auch der Besuch einer Informationsveranstaltung der "Beauftragten für Chancengleichheit" bei der Agentur für Arbeit vor Ort sein. Erkundigen Sie sich, diese Informationsveranstaltungen für Berufsrückkehrerinnen werden regelmäßig monatlich angeboten und stehen auch im Internet: www.arbeitsagentur.de . Wählen Sie unter "Partner vor Ort" die Agentur für Arbeit Mülheim aus. Auf deren Startseite unter "Bürgerinnen und Bürger" klicken Sie auf "Chancengleichheit" und gelangen so auf die Seiten der Beauftragten für Chancengleichheit.



Hinweise:
Information: Die Internetplattform Forum W bietet Frauen und Männern, die nach einer längeren Familienzeit beruflich wieder einsteigen wollen, umfassende Informationen, Anregungen und Servicetipps, die den Jobeinstieg erleichtern und die Chancen beim Wiedereinstieg verbessern.

Beratung: Kostenlose Beratung zur beruflichen Entwicklung bietet ein Förderprogramm des  Landes Nordrhein-Westfalen.Die nächstgelegene professionelle Beratungsstelle ist hier zu finden Weiterbildungsberatung

Förderung: Der Erhalt von Bildungsschecks ist für Berufsrückkehrende möglich, so dass diese – neben Beschäftigten – vom Land Nordrhein-Westfalen, mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds, einen Zuschuss  für ihre berufliche Weiterbildungsmaßnahme erhalten können.