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Wer muss die Kosten für eine erforderliche Schutzbrille mit Korrekturschliff tragen?

KomNet Dialog 13081

Stand: 26.04.2016

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Persönliche Schutzausrüstung (PSA) > Rechts- und Auslegungsfragen, Sonstiges (1.14.7)

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Frage:

In einem Schmiedebetrieb wurde im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung das Tragen von Schutzbrillen beim Schmieden durchgesetzt. Das Problem sind die Mitarbeiter, die bereits eine Brille (Korrekturbrille) tragen, und bei denen Gesichtsvisiere und Überbrillen keinerlei Trageakzeptanz finden. Alternativ sollen Schutzbrillen mit Korrekturschliff angeboten werden. Wer muss die Mehrkosten für diese Brillen tragen?

Antwort:

Korrektionsschutzbrillen gleichen die Fehlsichtigkeit des Brillenträgers aus und bieten gleichzeitig einen Schutz des Auges und des Augenraumes vor mechanischen und optischen Einflüssen.

Gemäß der DGUV Regel 112-192 (bisher: BGR 192) "Benutzung von Augen- und Gesichtsschutz", sind Korb- oder Überbrillen in der Regel nur für kurzfristige Arbeiten über wenige Minuten geeignet. Kombinationen von handelsüblichen Korrekturbrillen mit Korb- oder Überbrillen neigen außerdem zum Beschlagen und verursachen häufig Doppelbilder oder Spiegelungen. Daher sind solche Kombinationen nur eingeschränkt geeignet, hier sollten Korrektionsschutzbrillen verwendet werden. Unter Ziffer 3.2.2.2 Korrektionsschutzbrillen der DGUV Regel 112-192 wird darauf hingewiesen, dass Korrektionsschutzbrillen  erfahrungsgemäß von den betroffenen Versicherten problemlos getragen und darüber hinaus regelmäßig besser gepflegt werden. In der Anschaffung ist dieser Augenschutz zwar teurer, dies gleicht sich allerdings in fast allen Fällen durch die erheblich längere Benutzungsdauer aus.

Welche Schutzbrille geeignet ist, muss der Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ermitteln und festlegen. Dabei soll er sich vom Betriebsarzt und der Fachkraft für Arbeitssicherheit beraten und unterstützen lassen.

Bezüglich der Kosten weisen wir die FAQs des Sachgebietes Augenschutz der DGUV hin, insbesondere folgende FAQs:

"Müssen Unternehmen Korrektionsschutzbrillen zur Verfügung stellen?":
Korrektionsschutzbrillen sind eine Kombination aus Schutz- und Korrektionsbrille. Der Unternehmer ist lediglich verpflichtet, die Kosten für den Schutzanteil einer derartigen Brille zu übernehmen. Viele Unternehmer stellen fehlsichtigen Mitarbeitern Korrektionsschutzbrillen aus verschiedenen Gründen zur Verfügung. So werden Korrektionsschutzbrillen von den Benutzern tatsächlich ständig getragen (nach einer finnischen Studie werden Korrektionsschutzbrillen bis zu 6 Mal länger getragen als normale Schutzbrillen), so dass sich tatsächliche Kostenvorteile bei der Anschaffung von Korrektionsschutzbrillen ergeben können. Außerdem dürfte die Qualität der erbrachten Arbeit besser sein als beim gleichzeitigen Tragen von Korrektionsbrille mit Überbrille.

"Müssen Krankenkassen Korrektionsschutzbrillen bezahlen?":
Die gesetzlichen Krankenversicherungen bezahlen seit einigen Jahren keine sog. Zweitbrille mehr. Um eine Zweitbrille handelt es sich auch bei der Korrektionsschutzbrille, so dass Korrektionsschutzbrillen entweder auf freiwilliger Basis durch den Unternehmer komplett bezahlt werden oder sich Unternehmer/Mitarbeiter die Kosten teilen müssen.

Soweit möglich sollte der Betriebsrat mit dem Arbeitgeber im Rahmen einer Betriebsvereinbarung Regelungen zur Kostenübernahme für Korrektionsschutzbrillen treffen.