Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Was ist bei dauerhaften Arbeiten bei relativer Luftfeuchte kleiner 20% zu beachten?

KomNet Dialog 13023

Stand: 29.11.2018

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Raumklima, Lüftung > Klimatische Anforderungen

Dialog
Favorit

Frage:

Bei der Herstellung von wasserlöslichen Brausetabletten darf die Restfeuchte der umgebenden Raumluft 20% (rel) nicht überschreiten, um eine unkontrollierte Reaktion des Brausesatzes zu unterdrücken. Dazu wurde bei in einem Pharmabetrieb im Technikumsbereich ein Arbeitsbereich abgetrennt und als "Tablettierraum mit konditionierter Luft" ausgestattet. Die Restfeuchte in diesem Raum beträgt immer <20%. Die zu verrichtenden Arbeiten (Tablettierung, Verpackung, IPC-Kontrollen) können mehrere Stunden ohne Unterbrechung andauern. Nun kam aus diesem Bereich die Frage, ob das dauerhafte Arbeiten bei so geringer Luftfeuchte: - Auswirkungen auf den menschlichen Körper mit sich bringen kann - einer Zeitbegrenzung unterliegt - bestimmte Maßnahmen für den Mitarbeiter erforderlich sind - bestimmte zusätzliche arbeitsmedizinische Untersuchungen anzuraten sind Können Sie mir/uns da weiterhelfen !?

Antwort:

Zu der Luftfeuchtigkeit lässt sich aus dem Arbeitsschutzrecht folgendes sagen:


Verbindliche Grenzwerte bzgl. der Luftfeuchtigkeit bestehen im Arbeitsstättenrecht nicht. Als unteren Wert der Behaglichkeit wird in der Literatur 30 % relative Luftfeuchte angegeben (z. B. DIN 13779 oder DGUV Information 215-410 (bisher: BGI 650) "Bildschirm- und Büroarbeitsplätze - Leitfaden für die Gestaltung"). Die empfohlenen Luftfeuchtigkeit an Büroarbeitsplätzen werden mit 40 bis 65 % durchschnittlicher relativer Luftfeuchte angegeben (Veröffentlichung des Länderausschusses Arbeitsschutz und Sicherheitstechnik, Handlungsanleitung LV14, Arbeitsblatt Bildschirmarbeit-).

Der Arbeitgeber hat im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung eigenverantwortlich die Thematik der Luftfeuchtigkeit zu betrachten und entsprechende Maßnahmen festzulegen. Hierbei kann er sich durch die Betriebsärztin/ den Betriebsarzt und die Fachkraft für Arbeitssicherheit unterstützen lassen.


In einem Artikel der Zeitschrift tag für tag aus dem Jahr 2008 wird festgestellt, dass trockene Luft im Büro Krank macht.


In der Broschüre "Wohlbefinden im Büro" finden sich weitere Informationen zum Thema Luftfeuchtigkeit und u. a. folgende Hinweise wie das Klima im grünen Bereich bleibt:


"– Die Raumisolierungen überprüfen und ggf. nachbessern!

– Für ausreichend Luftraum sorgen, evtl. die Arbeitsplätze pro Raum reduzieren!

– Geräte, die viel ›heiße Luft‹ produzieren, separat unterbringen!

– Fenster sollten ›öffentliche Einrichtungen‹ sein!

– Für individuelle Sonnenschutzvorrichtungen sorgen!

– Klima- und Lüftungsanlagen sollten individuell am Arbeitsplatz einzustellen sein und mindestens zweimal im Jahr gewartet werden!

– Zimmerpflanzen verbessern das Raumklima, vor allem die Luftfeuchtigkeit!"

Auf der Seite der Initiative Neue Qualität der Arbeit finden sich unter Eingabe des Suchwortes "Luftfeuchtigkeit" weitere Broschüren.


Auf der Internetseite ergo-online.de findet sich eine umfangreiche Literaturliste zu der Thematik Luftfeuchtigkeit.


Weiterhin möchten wir auf die Informationen der BAuA hinweisen.