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KomNet-Wissensdatenbank

Darf der Hub an einer Schmiedepresse anstatt mit dem vorgesehenen Fußschalter mit der Hand oder der Schmiedezange ausgelöst werden?

KomNet Dialog 13003

Stand: 11.02.2011

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Benutzung von Arbeitsmitteln und Einrichtungen > Sichere Benutzung der Arbeitsmittel

Dialog
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Frage:

Ein Mitarbeiter an einer Schmiedepresse hat gesundheitliche Probleme, über eine ganze Schichtlänge die Schlagfolge mit dem Fuß bzw. dem Fußpedal auszulösen. Er legt zur Entlastung der Beine den Fußschalter zwischendurch neben sich auf eine Ablage und löst den Hub mit der Hand oder der Schmiedezange aus. Ist dies zulässig?

Antwort:

Bei einer Schmiedepresse handelt es sich um ein Arbeitsmittel  im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV. Im Anhang 2 der BetrSichV werden u.a. folgende Mindestanforderungen für die Benutzung von Arbeitsmitteln durch Beschäftigte genannt:

2.2 Die Arbeitsmittel sind so bereitzustellen und zu benutzen, dass Gefährdungen für Beschäftigte durch physikalische, chemische und biologische Einwirkungen vermieden werden.

Insbesondere muss gewährleistet sein, dass

• Arbeitsmittel nicht für Arbeitsgänge und unter Bedingungen eingesetzt werden, für die sie entsprechend der Betriebsanleitung des Herstellers nicht geeignet sind,
• der Auf- und Abbau der Arbeitsmittel entsprechend den Hinweisen des Herstellers sicher durchgeführt werden kann,
• genügend freier Raum zwischen beweglichen Bauteilen der Arbeitsmittel und festen oder beweglichen Teilen in ihrer Umgebung vorhanden ist und
• alle verwendeten oder erzeugten Energieformen und Materialien sicher zugeführt und entfernt werden können.
Können Gefährdungen für Beschäftigte bei der Benutzung von Arbeitsmitteln nicht vermieden werden, so sind angemessene Maßnahmen festzulegen und umzusetzen.

2.3 Bei der Benutzung der Arbeitsmittel müssen die Schutzeinrichtungen benutzt werden und dürfen nicht unwirksam gemacht werden.

In die gemäß § 3 BetrSichV zu erstellende Gefährdungsbeurteilung sind die technischen Regel für Betriebssicherheit und das anzuwendende berufsgenossenschaftliche Vorschriften- und Regelwerk heranzuziehen.
Als relevante technischen Regeln sind hier die TRBS 2111 "Mechanische Gefährdungen - Allgemeine Anforderungen" und die TRBS 2111 Teil 1 Mechanische Gefährdungen "Maßnahmen zum Schutz vor kontrolliert bewegten ungeschützten Teilen" www.baua.de/trbs zu nennen.
Die TRBS 2111 nennt als technische Schutzmaßnahme u.a. ortsbindende Schutzeinrichtung wie Zweihandschaltungen (Ziffer 2.1.5).  Wenngleich Fußschalter hier explizit nicht genannt sind, handelt es sich bei diesen gleichwohl um eine ortsbindende Schutzeinrichtung.

Unter Kapitel 2.7 "Betreiben von Schmiedehämmern" der BGR 500 wird speziell bezüglich "Sichern von Gefahrbereichen" an Schmiedehämmern folgendes ausgeführt:
3.9
Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass Gefahrbereiche an

1. automatisch arbeitenden Schmiedehämmern nach Abschnitt 2 Nr. 2,
2. nicht automatisch arbeitenden Schmiedehämmern nach Abschnitt 2 Nr. 3
mit besonderen Einrichtungen nach Abschnitt 3.6.1 Satz 4 durch geeignete Schutzeinrichtungen so gesichert werden, dass Verletzungsgefahren vermieden sind.
Geeignete Schutzeinrichtungen siehe Abschnitt 1.3 und 1.4 des Anhang I der Maschinenrichtlinie 89/392/EWG.
Für Industrieroboter wird dies z.B. erreicht, wenn diese DIN EN 775 "Industrieroboter, Sicherheit" entsprechen.
Für Industrierobotern artverwandte Geräte ist die DIN EN 775 sinngemäß anzuwenden.


In der Mitteilung ZHB 009/98 "Umgang mit Gesenkbiegepressen (Maschinen-Altbestand)"  unter www.bghm.de/arbeitsschutz/fachausschuesse/maschinenbau-hebezeuge-huetten-und-walzwerksanlagen-mhhw/sachgebiete/pressen/zhb-00998.html wird darauf hingewiesen, dass bei alten Gesenkbiegepressen ortsbindende Fußauslöser unter den einschränkenden Maßnahmen der Nummer 4.5.1 der ZH 1/387 Verwendung finden können:
Ortsbindende Befehlseinrichtungen sind so anzuordnen, dass ihr waagerechter Abstand von den Gefahrstellen des Werkzeuges mindestens 1,0 m beträgt. Sie müssen so gestaltet und angeordnet sein, dass ein unbeabsichtigtes Betätigen vermieden und eine unbefugte Veränderung ihrer Lage verhindert wird.

Zusammengefasst:
Im arbeitsschutzrechtlichen Vorschriften- und Regelwerk finden sich kaum Hinweise bezüglich einer sicherheitsgerechten Gestaltung einer Gefahrenstelle mittels Fußschalter. Sollen Fußschalter zum Einsatz kommen, bedarf dieses einer besonderen Bewertung im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung.
Mangels konkreter Vorgaben ist zu empfehlen, dass die erforderlichen Maßnahmen mit dem Sachgebiet Pressen www.bghm.de/arbeitsschutz/fachausschuesse/maschinenbau-hebezeuge-huetten-und-walzwerksanlagen-mhhw/sachgebiete/pressen.html  des Fachausschusses Maschinenbau, Hebezeuge, Hütten- und Walzwerksanlagen (MHHW) www.bghm.de/arbeitsschutz/fachausschuesse/maschinenbau-hebezeuge-huetten-und-walzwerksanlagen-mhhw.html erörtert und geklärt werden.

In ihrem geschilderten Fall sollte der Betriebsarzt eingeschaltet werden, der die auftretende Belastung bei dem häufigen Betätigen des Fußschalters arbeitsmedizinsch beurteilen kann.
Aus der Beurteilung ergeben sich in Zusammenarbeit mit der Fachkraft für Arbeitssicherheit Ansätze für arbeitstechnische Verbesserungen (z. B. Einsatz von alternativen Betätigungseinrichtungen). Diese können dann den Verantwortlichen vorgelegt werden. Weiterhin kann der Betriebsarzt den betroffenen Arbeitnehmer arbeitsmedizinsch untersuchen und dahingehend beraten, wie durch geeignetes persönliches Verhalten und bestimmte Maßnahmen die Beschwerden vermieden oder gebessert werden können. 
 
Hinweis: Das Regelwerk der Unfallversicherungsträger (Berufsgenossenschaft / Unfallkasse) wird unter http://www.dguv.de/inhalt/medien/datenbank/index.jsp angeboten.
Arbeitsschutzvorschriften sowie weitere Rechtsvorschriften können Sie unter www.arbeitsschutz.nrw.de/Service/rechtsvorschriften/index.php (--> Rechtsvorschriften Arbeitsschutz) oder www.gaa.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/16032 aufrufen.