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KomNet-Wissensdatenbank

Wie müssen nachlaufende Maschinenteile gesichert werden?

KomNet Dialog 12957

Stand: 15.06.2012

Kategorie: Sichere Produkte > Beschaffenheit von Arbeitsmitteln / Einrichtungen > Beschaffenheit von Sicherheitseinrichtungen

Dialog
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Frage:

Bei einer Werkzeugmaschine (für den industriellen Bereich), die zum Anfasen von Kanten im Metallbereich dient, wird der Antriebsmotor für den Fräskopf abgeschaltet, sobald der Aufnahmeschlitten für das Werkstück hochgeklappt wird. Allerdings wird der Motor momentan nicht sofort gestoppt, sondern läuft noch ca. 5 Sekunden nach. Ist dies zulässig, wenn nur Fachpersonal an der Maschine arbeiten darf, oder muss hier ein Sicherheitsschalter mit Zuhaltung eingebaut werden, denn in der neuen Maschinenrichtlinie steht folgender Satz: Besteht die Möglichkeit, dass das Bedienungspersonal den Gefahrenbereich erreicht, bevor die durch die gefährlichen Maschinenfunktionen verursachten Risiken nicht mehr bestehen, so müssen bewegliche trennende Schutzeinrichtungen zusätzlich zu der Verriegelungseinrichtung mit einer Zuhaltung ausgerüstet sein. Es ist noch zu erwähnen, dass die Maschine nur im Industriebereich eingesetzt wird und nur von Fachpersonal bedient werden darf. Außerdem ist es so, dass zum Anfasen der Kanten keine Verschutzung im Bearbeitungsbereich der Maschine angebracht werden kann, denn sonst kann keine Bearbeitung der Werkstücke durchgeführt werden.

Antwort:

Für die Pflichten des Herstellers einer Werkzeugmaschine ist bezüglich der sicherheitstechnischen Anforderungen der Zeitpunkt des erstmaligen Inverkehrbringens entscheidend.

Sowohl die alte, bis 28.12.2009 geltende Maschinenrichtlinie 89/37/EG wie die ab dem 31.12.2009  für Maschinen anzuwendende neue Maschinenrichtlinie 2006/42/EG enthalten Anforderungen bezogen auf die beschriebene Gefahr. 
Unter Anhang I Ziffer 1.4.2.2 der Richtlinie 2006/42/EG ist gefordert:

Besteht die Möglichkeit, dass das Bedienungspersonal den Gefahrenbereich erreicht, bevor die durch die
gefährlichen Maschinenfunktionen verursachten Risiken nicht mehr bestehen, so müssen bewegliche trennende
Schutzeinrichtungen zusätzlich zu der Verriegelungseinrichtung mit einer Zuhaltung ausgerüstet sein,
— die das Ingangsetzen der gefährlichen Maschinenfunktionen verhindert, bis die Schutzeinrichtung
geschlossen und verriegelt ist, und
— die die Schutzeinrichtung in geschlossener und verriegelter Stellung hält, bis das Risiko von Verletzungen
aufgrund gefährlicher Funktionen der Maschine nicht mehr besteht. 

Unabhängig vom Zeitpunkt des ersten Inverkehrbringens muss ein Arbeitgeber für ein von Beschäftigten genutztes Arbeitsmittel die Mindestanforderungen der Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV gewährleisten.

Gemäß § 7 BetrSichV i.V.m. Anhang 1 Ziffer 2.8 gilt:
Arbeitsmittel müssen mit Schutzeinrichtungen ausgestattet sein, die den unbeabsichtigten Zugang zum Gefahrenbereich von beweglichen Teilen verhindern oder welche die beweglichen Teile vor dem Erreichen des Gefahrenbereichs stillsetzen.

Grundsätzlich wird es von hier notwendig erachtet, dass der in der Frage beschriebenen Gefahr mit einer geeigneten technischen Lösung begegnet wird. Bei sehr alten Maschinen wird auf die § 7 Absatz 2 BetrSichV i.V.m. der Vorbemerkung Nummer 1 im Anhang 1 der Betriebssicherheitsverordnung hingewiesen.

Mögliche Gefährdungen und nötige Maßnahmen muss der Arbeitgeber grundsätzlich im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung www.gefaehrdungsbeurteilung.de/de ermitteln und festlegen. Dabei soll er sich von der Fachkraft für Arbeitssicherheit und vom Betriebsarzt beraten und unterstützen lassen.

Auf die Informationen unter www.arbeitssicherheit.leuze.de/c/c_04.html weisen wir hin.