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KomNet-Wissensdatenbank

Wie kann eine Prozessbeobachtung zur Fehlerdiagnose im Automatikbetrieb einer Anlage realisiert werden?

KomNet Dialog 12882

Stand: 11.09.2015

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Benutzung von Arbeitsmitteln und Einrichtungen > Reparaturen, Wartungsarbeiten

Dialog
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Frage:

Zur Justierung des Greifers am Werkzeugwechsler ist es notwendig, den Prozeß im Automatikbetrieb zu beobachten um eine Feinjustierung durchführen zu können. Die erfahrenen Instandhalter berichten, dies ist nur möglich, wenn der Prozeß komplett wahrgenommen werden kann (hören, sehen und in gewissem Maße auch fühlen). Dazu müssen die Instandhalterer allerdings in den eigentlich abgesicherten Bereich eintreten. Eine Gefährdung des Werkers kann durch zusätzlich trennende Schutzeinrichtungen (können aus Platzgründen nicht installiert werden) an den Gefahrenstellen kann nicht verhindert werden. Ist es ausreichend, analog des Fachausschuss-Informationsblattes Nr. 002 "Prozessbeobachtung in der Fertigung" auch für den Instandsetzungsbetrieb vorzugehen und mit dem Maschinenhersteller eine Gefährdungsanalyse, -beurteilung durchzuführen! Daraus resultieren soll eine Beschreibung in der Betriebsanleitung und eine -weisung als Grundlage für die Unterweisung! Welche weiteren Maßnahmen sind in solchen Fällen zu treffen?

Antwort:

Das Fachausschuss-Informationsblatt Nr. 002 "Prozessbeobachtung in der Fertigung" (http://www.bghm.de/arbeitsschutz/fachausschuesse/infoblatt.html) kann auch analog für den Instandsetzungsbereich angewendet werden. Zusätzlich gibt es mittlerweile auch die DIN EN ISO 11161 "Sicherheit von Maschinen - Integrierte Fertigungssysteme - Grundlegende Anforderungen". Die Norm enthält Anforderungen und Empfehlungen für die sichere Konstruktion, den Einbau und die Inbetriebnahme, technische Schutzmaßnahmen sowie Benutzerinformationen u. a. zur Prozessbeobachtung = Beobachtung von Arbeitsabläufen innerhalb des Integrierten Fertigungssystems unter bestimmten Bedingungen.

Es ist dabei unbedingt notwendig, dass Hersteller und Betreiber sich auf eine Sicherheitsstrategie verständigen und diese in einem Pflichtenheft festlegen. Für die Sicherheitsstrategie können die DIN EN ISO 12100, 14121-1, 11161 und VDI 2854 zu Grunde gelegt werden. Nach einer Systembeschreibung (Funktionen, Abläufe, Tätigkeiten, Schnittstellen etc.) wird aufgrund einer Risikobeuerteilung mit Gefahrenanalyse und Risikoeinschätzung ein Sicherheitskonzept erstellt. Das Sicherheitskonzept umfasst die Berücksichtigung aller Sicherheits- und Produktionsanforderungen unter Berücksichtigung der ergonomischen Betrachtung, der sicheren Steuerung, der geeigneten Schutzeinrichtungen und der technischen Unterlagen gemäß Maschinenrichtlinie.

Der Aufenthalt einer Person innerhalb einer Maschine / Anlage im Automatikbetrieb ist grundsätzlich nicht erlaubt. Wenn besondere produktionstechnische Gründe einen Aufenthalt erfordern und nachweislich keine andere Lösung möglich ist, sind für den Einzelfall die Betriebsbedingungen festzulegen. Dann z.B.
- Zugang nur durch qualifiziertes Personal,
- besondere Betriebsanweisung,
- Unterweisung,
- Anwahl dieser Betriebsart mittels Schlüsselschalter,
- Warnsignale (optisch/akkustisch),
- Teilautomatikbetrieb,
- zeitliche Begrenzung der Betriebsart (Zeitglied),
- Verwendung innerer Sekundärschutzeinrichtungen, z.B. Lichtschranken, Laserscanner,
- mitführbare Schalteinrichtung mit NOT-AUS, Zustimmschalter, Tippschalter,
- reduzierte Geschwindigkeiten,
- Realisierung einer Fluchtmöglichkeit.

Für Instandhaltungsarbeiten sind die Regelungen der Technische Regeln für Betriebssicherheit - TRBS 1112 "Instandhaltung" (www.baua.de/TRBS/) anzuwenden.