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KomNet-Wissensdatenbank

Ist ein Maschinenbauingenieur eine befähigte Person für die Prüfungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen?

KomNet Dialog 12836

Stand: 14.06.2012

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Prüfungen (1.13) > Prüfende Personen und Institutionen

Dialog
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Frage:

Die TRBS 1203 - Befähigte Person legt die Anforderungen an eine befähigte Person fest. Gemäß der TRBS 1203 muss die befähigte Person für die Prüfungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen eine elektrotechnische Berufsausbildung oder ähnliches nachweisen. Ist für die Durchführung dieser Prüfung ein Maschinenbauingenieur generell befähigt? Falls nein, wie könnte die Befähigung eines Maschinenbau-Ingenieurs nachgewiesen werden bzw. welche Zusatzqualifikationen sind hierfür erforderlich?

Antwort:

Die Prüfung ortsveränderlicher und ortsfester elektrischer Arbeitsmittel werden im Arbeitsschutzrecht nach der Betriebssicherheitsverordnung - BetrSichV und nach § 5 der UVV BGV A 3durchgeführt. Die Betriebssicherheitsverordnung fordert vom Arbeitgeber, dass für Arbeitsmittel insbesondere Art, Umfang und Fristen erforderlicher Prüfungen zu ermitteln sind. Ferner hat der Arbeitgeber die notwendigen Voraussetzungen zu ermitteln und festzulegen, welche die Personen erfüllen müssen, die von ihm mit der Prüfung oder Erprobung von Arbeitsmitteln zu beauftragen sind ( § 3 Abs. 3 Betriebssicherheitsverordnung). Nähere Anforderungen dazu sind in den Technischen Regeln für Betriebssicherheit - TRBS (www.baua.de/TRBS/) enthalten.

Prüfungen, die von befähigten Personen nach BetrSichV vorzunehmen sind (z.B. nach § 10 BetrSichV), dürfen auch nur von diesen durchgeführt werden.

Prüfungen, die die BGV A 3 betreffen, können auch weiterhin nach den bekannten Modalitäten durch Elektrofachkräfte oder mit Einschränkung durch elektrotechnisch unterwiesene Personen durchgeführt werden.

Sofern die Prüfungen nach BGV A 3 auch als Prüfungen im Sinne von § 10 BetrSichV gelten sollen, muss die Elektrofachkraft / elektrotechnisch unterwiesene Person auch als befähigte Person beauftragt sein. Als befähigte Person kann der Arbeitgeber jede Person, die die Anforderungen von § 2 Abs. 7 BetrSichV erfüllt, beauftragen. Konkretisiert in der Technischen Regel für Betriebssicherheit - TRBS 1203 "Befähigte Personen". Dort wird eine Elektrofachkraft nicht explizit gefordert/genannt. Die befähigte Person muss u.a. eine elektrotechnische Berufsausbildung abgeschlossen haben oder eine andere für die vorgesehenen Prüfaufgaben vergleichbare elektrotechnische Qualifikation besitzen.

Bezogen auf die Berufserfahrung muss ergänzend zu Abschnitt 2.2 der TRBS 1203 die befähigte Person für die Prüfungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen eine mindestens einjährige Erfahrung mit der Errichtung, dem Zusammenbau oder der Instandhaltung von elektrischen Arbeitsmitteln oder Anlagen besitzen.
"Personen mit einer elektrotechnischen Berufsausbildung verfügen in der Regel über die erforderliche Berufserfahrung für befähigte Personen für die Prüfungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen im jeweiligen Tätigkeitsfeld."

"Die befähigte Person muss über Kenntnisse zum Stand der Technik hinsichtlich des zu prüfenden Arbeitsmittels und der zu betrachtenden Gefährdungen verfügen und diese aufrechterhalten. Sie muss mit der Betriebssicherheitsverordnung und deren technischem Regelwerk sowie mit weiteren staatlichen Arbeitsschutzvorschriften für den betrieblichen Arbeitsschutz (z. B. ArbSchG, GefStoffV) und deren technischen Regelwerken sowie Vorschriften mit Anforderungen an die Beschaffenheit (z. B. GPSG, einschlägige GPSGV), mit Regelungen der Unfallversicherungsträger und anderen Regelungen (z. B. Normen, anerkannte Prüfgrundsätze) soweit vertraut sein, dass sie den sicheren Zustand des Arbeitsmittels beurteilen kann."

Ob ein Maschinenbauingenieur die Anforderungen der TRBS 1203 erfüllt, muss der Arbeitgeber im Einzelfall eigenverantwortlich klären. Ggf. sollte mit Unterstützung der zuständigen Arbeitsschutzbehörde und der Berufsgenossenschaft geklärt werden, welche arbeitsmittel- oder prüfspezifische Fortbildungen erforderlich sind..

Letztlich musss der beauftragende Arbeitgeber eigenverantwortlich entscheiden, ob die Voraussetzungen der TRBS 1203 für seine Prüfpersonen erfüllt sind.