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KomNet-Wissensdatenbank

Werden an Staubsauger in Bäckereien besondere Anforderungen hinsichtlich des Explosionsschutzes gestellt?

KomNet Dialog 12786

Stand: 19.06.2012

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Sicherheitstechnische Anforderungen, Sicherheitseinrichtungen

Dialog
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Frage:

Wir möchten für die Reinigung (Staubablagerungen) der Betriebsräume unserer Bäckereien Staubsauger einsetzen. Dabei kam die Frage auf, welche Anforderungen der Staubsauger hinsichtlich des Explosionsschutzes erfüllen muss. Der Staubsauger wird nicht in Ex-Zonen eingesetzt.

Antwort:

Sofern sich in den Betriebsräumen Ihres Bäckereibetriebes keine definierten Ex-Zonen im Sinne des Anhang 3 der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) befinden, sind für den Einsatz eines Staubsaugers keine Anforderungen hinsichtlich des Explosionsschutzes gemäß der Richtlinie 94/9/EG (ATEX-Produkte-Richtlinie, www.gaa.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/16489/2_11_1.pdf ) zu stellen. Das bedeutet, dass der eingesetzte Staubsauger keiner Zulassung als explosionsgeschütztes Arbeitsmittel nach der Richtlinie 94/9/EG bedarf.

In der GESTIS-Datenbank "GESTIS-STAUB-EX" (www.dguv.de/ifa/de/gestis/expl/index.jsp) des IFA Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung ist Mehl, Brot- in die Staubexplosionsklasse St 1 eingeteilt. Staubexplosionsfähigkeit ist dann gegeben, wenn sich in einem Staub/Luft-Gemisch nach dem Entzünden eine Flamme ausbreitet, die im geschlossenen Behälter (1-m³ oder 20-l-Apparatur) mit Temperatur- und Drucksteigerung verbunden ist. Anzeige "1" sagt aus, dass der Staub im Gemisch mit Luft explosionsfähig ist und gestattet ein Einstufen in die Staubexplosionsklasse St 1.
Ob in Ihrem Betrieb explosionsgefährdete Bereiche oder Arbeitsmittel im Sinne des § 2 Abs. 10 der BetrSichV vorhanden sind, ist im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung nach § 3 Abs. 2 der BetrSichV und § 6 Abs. 4 Gefahrstoffverordnung - GefStoffV (www.baua.de/de/Themen-von-A-Z/Gefahrstoffe/Rechtstexte/Gefahrstoffverordnung.html) zu ermitteln. 

Getreidemehlstaub aus Roggen oder Weizen ist nach der Technischen Regel für Gefahrstoffe (www.baua.de/TRGS/) - TRGS 907 "Verzeichnis sensibilisierender Stoffe" als Stoff eingestuft, der eine atemwegssensibilisierende Wirkung hervorruft. Grundsätzlich gilt, dass die Exposition gegenüber atemwegssensibilisierenden Arbeitsstoffen nach den Vorgaben der GefStoffV zu minimieren ist. Die Einhaltung von Arbeitsplatzgrenzwerten ergibt in vielen Fällen keinen Schutz vor dem Auftreten allergischer Reaktionen.

Nach der TRGS 406 "Sensibilisierende Stoffe für die Atemwege" ist die Reinigung von Arbeitsräumen, Arbeitsflächen und Arbeitsmitteln so vorzunehmen, dass Expositionen durch die Stoffe vermieden werden. Nicht zulässig sind Aerosol erzeugende Verfahren wie z.B. Abblasen mit Druckluft, Hochdruckreinigen oder Fegen. Soweit nicht feucht gereinigt wird, sind geeignete Adsorptionsmittel und/ oder Entstauber (Industriestaubsauger) möglichst Klasse M zu verwenden.

Siehe auch die Informationen unter http://www.bgn.de/478 bzw. http://www.bgn.de/478/1929.

Hinweis: In dem Zusammenhang weisen wir auf die Pflicht der arbeitsmedizinischen Vorsorge nach der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge - ArbMedVV  hin, die für Tätigkeiten mit Exposition durch Getreide- und Futtermittelstäube bei Überschreitung einer Luftkonzentration von 1 mg/m³ an einatembarem Staub gemäß Anhang Teil 1 der ArbmedVV Anwendung findet.