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KomNet-Wissensdatenbank

Darf ich einen Lagerarbeiter mit arbeitsmedizinischen Einschränkungen im Lager beschäftigen?

KomNet Dialog 12550

Stand: 15.06.2012

Kategorie: Gesundheitsschutz > Arbeitsmedizinische Vorsorge > Konsequenzen aus Befunden

Dialog
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Frage:

Ich bin Lagerleiter in einem regionalen Energieversorgungsbetrieb und habe einen Mitarbeiter im Lagerbetrieb mit arbeitsmedizinischen Einschränkungen (lt. Befund des Betriebsarztes). Die Bescheinigung empfiehlt folgenden Einsatz: - kein Heben/Tragen schwerer Lasten allein und in ungünstiger Körperhaltung (z.B. gebückt, gebeugt, mit verdrehtem Oberkörper, mit häufiger Armvorhalte und Überkopfarbeit). - kein Einsatz im Außenbereich. Diese Empfehlungen können wir leider nicht einhalten, da sich unser Lager in einen Innen- und Außenbereich gliedert, und da aufgrund der Personalsituation keine Herausnahme aus dem Betrieb möglich gemacht werden kann. Kann ich einen Einsatz des Mitarbeiters im Lagerbetrieb verantworten?

Antwort:

Je nach Tätigkeit und Gefährdung muss der Arbeitgeber den Beschäftigten Vorsorgeuntersuchungen anbieten oder diese
verpflichtend veranlassen. Darüber hinaus gibt es Untersuchungen auf Wunsch der Beschäftigten. Der Betriebsarzt hat spezifische Kenntnisse über die Arbeitsplätze, deshalb sollte der bestellte Betriebsarzt mit der Durchführung der Untersuchung und Beratung beauftragt werden.

– Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen
Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen sind überwiegend in der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) geregelt. Darüber hinaus finden sich weitere Rechtsgrundlagen beispielsweise in der Röntgenverordnung, Strahlenschutzverordnung, Druckluftverordnung und Gesundheitsschutzbergverordnung.

Empfehlungen zur Durchführung der Untersuchungen geben die Berufsgenossenschaftlichen Grundsätze für
arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen (jetzt Handlungsanleitungen für die arbeitsmedizinische Vorsorge GUV-I/BGI 504 -XX). Sie stellen den Stand der Arbeitsmedizin dar.

– Untersuchungen auf Wunsch des Beschäftigten; zum Beispiel bei vermutetem Zusammenhang einer Erkrankung mit
den Arbeitsbedingungen, bei Untersuchungen zu besonderen Fragestellungen (Zweitmeinung zur Klärung der Arbeitsplatzrelevanz), bei Betreuung nach Extremerlebnissen und bei Einschränkung der Arbeitsfähigkeit und ärztlichen Attesten kann eine Untersuchung auf Wunsch des Beschäftigten durchgeführt werden.

– Eignungsuntersuchungen
Führt der Betriebsarzt Eignungsuntersuchungen durch, sollte er den zu untersuchenden Mitarbeiter über Unterschiede zu den arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen aufklären.
(http://www.dguv.de/inhalt/praevention/fachaus_fachgruppen/arbeitsmedizin/produkte/leitfaeden/index.jsp)

Der Schilderung nach handelt es sich im vorliegenden Fall nicht um eine rechtlich vorgeschriebene arbeitsmedizinische Pflicht- oder Angebotsuntersuchung nach der ArbMedVV, sondern der Beschäftigte ist hier wohl im Sinne einer freiwilligen arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung nach dem Arbeitsschutzgesetz§ 11 untersucht worden. 
Darüber hinaus können wir die angesprochenen arbeitsmedizinschen Einschränkungen von hier aus nicht beurteilen oder bewerten.

Neben dem Arbeitsschutzgesetz ist für den im Arbeitsschutz verantwortlichen Arbeitgeber generell auch die Lastenhandhabungsverordnung (siehe § 2) zu beachten. Diese sieht konkret eine Gefährdungsbeurteilung und das Ergreifen von Maßnahmen zur Optimierung beim manuellen Handhaben von Lasten vor, sofern diese nicht vermeidbar ist. Darüber hinaus können sich in der Gesundheit des Beschäftigten begründete Besonderheiten ergeben.

Grundsätzlich sollte der Arbeitgeber versuchen, den Empfehlungen des Betriebsarztes nachzukommen und den Arbeitsplatz für den Mitarbeiter so zu gestalten, dass seine Gesundheit bei der Tätigkeit nicht gefährdet wird. Wenn eine Versetzung an einen anderen Arbeitsplatz bei vorliegenden gesundheitlichen Gefährdungen des Mitarbeiters nicht möglich ist, so raten wir Ihnen, unter Einbeziehung des Beschäftigten sowie sämtlicher beteiligter Akteure im Arbeits- und Gesundheitsschutz (insb. Betriebsarzt, Sicherheitsfachkraft) eine Arbeitsplatzbegehung vorzunehmen, die Gefährdungen für den Mitarbeiter in Hinsicht auf die Empfehlungen des Betriebsarztes zu analysieren und gemeinsam Lösungen für eine Optimierung des Arbeitsplatzes in diesem Sinne zu finden. Diese Arbeitsplatzbegehung und spezielle Gefährdungsbeurteilung mit den gemeinsam festgelegten resultierenden Maßnahmen empfehlen wir schriftlich zu dokumentieren.

Möglicherweise ist durch geeignete Maßnahmen eine Umgestaltung des Arbeitsplatzes (Ergonomie), Einsatz von technischen Hilfsmitteln (z.B. Hebehilfen), Anleitung zu bestimmten Bewegungsabläufen, sowie organisatorische Maßnahmen eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Hinsicht auf die gesundheitlichen Einschränkungen des Mitarbeiters zu erreichen.
Sollte der Mitarbeiter schwerbehindert sein, können darüber hinaus bei der zuständigen Stelle evtl. entsprechende finanzielle Mittel zur Umrüstung des Arbeitsplatzes beantragt werden.

Fazit: Ob sie den Mitarbeiter an dem Arbeitsplatz einsetzen können, ggf. auf eigenen Wunsch des Mitarbeiters, können wir nicht beantworten. Wir empfehlen eine Kontaktaufnahme mit der zuständigen Arbeitsschutzbehörde und diese Frage gemeinsam zu klären. Unter http://lasi.osha.de/de/gfx/systems/laenderkarte.php finden Sie die zuständigen Landesbehörden.