Inhaltsbereich
Seitentitel

KomNet-Wissensdatenbank

Einstufung von Wasserbasislacken

KomNet Dialog 12522

Stand: 02.12.2010

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Lagerung von Gefahrstoffen

Dialog
Favorit

Frage:

Muss ich Wasserbasislacke im Gefahrstoffschrank lagern und nach welcher Verordnung muß ich in diesem Falle handeln. Meine Recherchen sehen folgendermaßen aus: Die VbF ist ungültig seit 1.1.2003. Dafür gilt die BetrSichV (Stand 18.12.2008). Diese verweist in § 27 Abs.4 auf die TRbF 20. Diese wiederum verwendet aber die Begriffe der VbF, also Gefahrenklasse AI, AII, AIII und B. Die mir vorliegenden Sicherheitsdatenblätter sagen aber, daß die VbF nicht mehr gilt und geben mit dieser Begründung keine Gefahrenklassen an. So drehe ich mich im Kreis. Was gilt nun wirklich?

Antwort:

Wasserbasierte Lacke enthalten heutzutage zwischen 3 % und 10 % Lösemittel, im spritzfertigen Ansatz bis zu 15 % Lösemittel.

Sie sind nicht als "entzündlich" zu kennzeichnen. Der Lösemittelgehalt unterschreitet in den meisten Fällen die 5 %.
Selbst bei Lacken, die Lösemittel mit einem Flammpunkt zwischen 23 bis 28° Celsius enthaltenn, ist keine Kennzeichnung erforderlich, wenn bestimmte Bedingungen eingehalten werden. Lösemittel mit einem Flammpunkt zwischen 23 und 28°Celsius sind entzündlich.

Eine Prüfung auf Entzündlichkeit findet bei "Normaltemperatur" zwischen minus 20 und plus 40° Celsius statt. Dabei ist ein Luftdruck zwischen 0,7 und 1,1 bar zugrunde zu legen. Die Festlegung dieser "Normalbedingungen" ist bei der Physikalisch Technischen Bundesanstalt erfolgt.

Die Lösemittel der Wasserfarben verdunsten selbstverständlich bei der Verarbeitung. Unter den o.g. Normalbedingungen kann es wegen der geringen Verdunstungsrate nicht zum Erreichen der unteren Explosionsgrenze kommen.
Insofern ist der Hinweis der Lackfabriken, daß die VbF nicht mehr gilt, richtig. Diese Lacke sind weder entzündlich, noch müssen sie in Gefahrstoffschränken gelagert werden.
Aus der Autoindustrie sind nach Angabe eines Hamburger Herstellers auch keine giftigen Wasserlacke mehr bekannt. Nur für Flugzeuge wird zum Teil gesetzlich vorgeschrieben, dass Chromate in den Farben vorhanden sein müssen.

Wasserlacke können selbstverständlich umweltschädlich sein. Ihre Frage bezieht sich aber nicht auf diese Eigenschaften.

Hinweis: Der Begriff "Gefahrstoffschrank" ist nicht definiert. Im Fachhandel gibt es je nach Gefährdung unterschiedliche Schränke, die die jeweiligen Anforderungen erfüllen.