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Welche Möglichkeiten der Absturzsicherung gibt es für die Demontage alter Fenster und die Montage neuer im Bestand?

KomNet Dialog 12324

Stand: 05.11.2010

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Baustellen > Gerüste, Absturzsicherungen

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Frage:

Welche Möglichkeiten der Absturzsicherung gibt es für die Demontage alter Fenster und die Montage neuer im Bestand? Ein Fassadengerüst wird bauherrenseitig aus Kostengründen nicht erstellt. Anseilgeschirr wäre denkbar, aber Anschlagmöglichkeiten für Anker o. dgl. in bewohnten Wohnungen scheiden aus. Und die Fensterlaibung kann durch Querstreben ja nicht für den Fenstereinbau blockiert werden.

Antwort:

Aus Kostengründen darf nicht auf ein zur Absturzsicherung erforderliches Fassadengerüst verzichtet werden.

Konkrete Anforderungen hinsichtlich Absturzsicherungsmaßnahmen bei Bauarbeiten sind § 12 "Absturzsicherungen" der Unfallverhütungsvorschrift  BGV C 22 "Bauarbeiten" zu entnehmen. Bei Austausch der Fenster ist ab 2,00 m Absturzhöhe zwingend eine Absturzsicherungsmaßnahme zu treffen. Auf die Durchführungsanweisung zu § 12 Abs. 1 Nr. 5 BGV C 22 bezüglich Ein- und Ausbau von Fenstern weisen wir hin.

Unter welchen Voraussetzungen persönliche Schutzausrüstung - PSA als Absturzsicherungsmaßnahme gewählt werden darf, wird in der BGI 826 "Auffangsysteme sachkundig auswählen, anwenden und prüfen" erläutert. Danach kommt PSA gegen Absturz zum Einsatz, wenn an Arbeitsplätzen und Verkehrswegen, an denen Absturzgefährdung besteht, diese nicht durch technische Maßnahmen, wie Seitenschutz, Gerüste, Hubarbeitsbühnen usw. oder durch kollektiv wirkende Auffangeinrichtungen (Fanggerüste, Auffangnetze) beseitigt werden kann oder unzweckmäßig ist.

Bei der Planung einer Baumaßnahmen ist grundsätzlich abzuklären, welche Anforderungen der Baustellenverordnung - BaustellV und der dazu erlassenen Regeln zum Arbeitsschutz auf Baustellen - RAB auf die Baumaßnahmen anzuwenden und vom Bauherrn oder dem  von ihm Beauftragten einzuhalten sind, www.baua.de/cln_135/de/Themen-von-A-Z/Baustellen/Baustellen.html .

Bei Baustellen ab einer bestimmten Größenordnung (mehrere Arbeitgeber, Anzahl der Beschäftigten, Dauer der Maßnahme, siehe §§ 2,3 BaustellV) muss der Bauherr einer Koordinator bestellen und hat er ein Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan zu erstellen bzw. erstellen zu lassen.
Im Sicherheits- und Gesundheitsschutzplan, kurz SiGe-Plan genannt, sind auch die nötigen Maßnahmen gegen Absturz zu festzulegen.

Darüber hinaus müssen generell auch bei Baustellen, die nicht der BaustellV unterliegen, mögliche Gefährdungen und nötige Maßnahmen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung (§ 3 Arbeitsstättenverordnung) ermittelt und festgelegt werden. Auch hier sind Maßnahmen gegen Absturz entsprechend Anhang Ziffer 2.1 "Schutz vor Absturz und herabfallenden Gegenständen, Betreten von Gefahrenbereichen" ArbStättV und der BGV C 22 zu treffen. 

In der BGI 831 "Arbeiten an Gebäuden und Anlagen vorbereiten und durchführen" werden zudem nähere Informationen bezüglich der Planung und Durchführung von Bauarbeiten gegeben.