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Wann ist eine elektrisch betriebene Sicherheitskennzeichnung für Rettungswege erforderlich? Kann auf eine Sicherheitbeleuchtung in Verkaufsstätten bis 499 m² verzichtet werden?

KomNet Dialog 12041

Stand: 27.09.2010

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Beleuchtung und Kennzeichnung von Fluchtwegen

Dialog
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Frage:

Wann ist eine elektrisch betriebene Sicherheitskennzeichnung für Rettungswege erforderlich? Die ASR A2.3 Punkt 8 und die ASR 3.4/3 Punkt 4.1 geben Auskunft über Sicherheitsbeleuchtung, jedoch nicht über die notwendigen Voraussetzungen zur Installation einer elektrisch betriebenen Sicherheitskennzeichnung. Was bedeutet in diesem Zusammenhang (BGR 216) Punkt 3.2.2.1.1 ...für Rettungswege in Arbeits- und Pausenräumen, wenn deren Fußboden mehr als 22 m über der festgelegten Geländeoberfläche liegt? Sind damit Stockwerke in Gebäuden gemeint ca. ab der 4.Etage gemeint? Welche Sonderregelugen für Verkaufsstätten gibt es? Kann in einem Verkaufsraum bis 499 m² Grundfläche gemäß BGR 216 auf eine Sicherheitsbeleuchtung verzichtet werden?

Antwort:

Gemäß ASR A 2.3 "Fluchtwege, Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan" sind Fluchtwege mit einer Sicherheitsbeleuchtung auszurüsten, wenn bei Ausfall der allgemeinen Beleuchtung das gefahrlose Verlassen der Arbeitsstätte nicht gewährleistet ist.

Eine Sicherheitsbeleuchtung kann z. B. in Arbeitsstätten erforderlich sein
  • mit großer Personenbelegung, hoher Geschosszahl, Bereichen erhöhter Gefährdung oder unübersichtlicher Fluchtwegführung,
  • die durch ortsunkundige Personen genutzt werden,
  • in denen große Räume durchquert werden müssen (z. B. Hallen, Großraumbüros oder Verkaufsgeschäfte),
  • ohne Tageslichtbeleuchtung, wie z. B. bei Räumen unter Erdgleiche.
Nach der ASR A 3.4/3 "Sicherheitsbeleuchtung, optische Sicherheitsleitsysteme" regelt die ASR A2.3 "Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan" unter Punkt 8 unter welchen Bedingungen eine Sicherheitsbeleuchtung für Fluchtwege erforderlich ist. Sofern diese Bedingungen vorliegen, sind der erste und gegebenenfalls der vorhandene zweite Fluchtweg mit einer Sicherheitsbeleuchtung auszurüsten.

Arbeitsbereiche mit besonderer Gefährdung sind unter Punkt 4.2 der ASR A3.4/3 genannt:

Arbeitsstätten, in denen durch den Ausfall der Allgemeinbeleuchtung Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten gefährdet sind und bei denen eine Sicherheitsbeleuchtung erforderlich ist, sind z.B.
  • Laboratorien, wenn es notwendig ist, dass Beschäftigte einen laufenden Versuch beenden oder unterbrechen müssen, um eine akute Gefährdung von Beschäftigten und Dritten zu verhindern. Solche akuten Gefährdungen können Explosionen oder Brände sowie das Freisetzen von Krankheitserregern oder von giftigen, sehr giftigen oder radioaktiven Stoffen in Gefahr bringender Menge sein,
  • Arbeitsplätze ohne Tageslicht,
  • Arbeitsplätze, die aus technischen Gründen dunkel gehalten werden müssen,
  • elektrische Betriebsräume und Räume für haustechnische Anlagen, die bei Ausfall der künstlichen Beleuchtung betreten werden müssen,
  • der unmittelbare Bereich langnachlaufender Arbeitsmittel mit nicht zu schützenden bewegten Teilen, die Unfallgefahren verursachen können, z. B. Plandrehmaschinen, soweit durch Lichtausfall zusätzliche Unfallgefahren verursacht werden,
  • Steuereinrichtungen für ständig zu überwachende Anlagen, z. B. Schaltwarten und Leitstände für Kraftwerke, chemische und metallurgische Betriebe sowie Arbeitsplätze an Absperr- und Regeleinrichtungen, die betriebsmäßig oder bei Betriebsstörungen zur Vermeidung von Unfallgefahren betätigt werden müssen, um Produktionsprozesse gefahrlos zu unterbrechen bzw. zu beenden,
  • Arbeitsplätze in der Nähe heißer Bäder oder Gießgruben, die aus produktionstechnischen Gründen nicht durch Geländer oder Absperrungen gesichert werden können,
  • Bereiche um Arbeitsgruben, die aus arbeitsablaufbedingten Gründen nicht abgedeckt sein können,
Eine Sonderregelung für Verkaufsstätten bis 499 m² ist uns nicht bekannt.
Ob in Ihrem Fall eine besondere Gefährdung vorliegt, hat der Arbeitgeber in seiner Gefährdungsbeurteilung zu dokumentieren und Maßnahmen festzulegen.

Auf die Anforderungen der Sonderbauverordnungen für Verkaufsstätten der Länder, z.B. § 74 der SonderbauVO NRW weisen wir hin (https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_bes_text?anw_nr=2&gld_nr=2&ugl_nr=232&bes_id=13244&aufgehoben=N&menu=1&sg= ).

Hinweis: Ist eine Sicherheitsbeleuchtung nicht nicht erforderlich, muss auf Fluchtwegen die Erkennbarkeit der dort notwendigen Rettungs- und Brandschutzzeichen durch Verwendung von langnachleuchtenden Materialien auch bei Ausfall der Allgemeinbeleuchtung für eine bestimmte Zeit erhalten bleiben. Hierbei ist auf eine ausreichende Anregung der langnachleuchtenden Produkte zu achten (Nr. 5.1 Abs. 5 der ASR A 1.3 "Sicherheits- und Gesundheitsschutzkennzeichnung" und § 10 Abs. 3 der BGV A 8).

Das Regelwerk der Unfallversicherungsträger (Berufsgenossenschaft / Unfallkasse) wird unter http://www.dguv.de/inhalt/medien/datenbank/index.jsp angeboten.
Technische Regeln für Arbeitsstätten (ASR): http://www.baua.de/ASR.