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KomNet-Wissensdatenbank

Ist für betriebliche Ersthelfer eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung notwendig?

KomNet Dialog 11994

Stand: 20.09.2010

Kategorie: Gesundheitsschutz > Arbeitsmedizinische Vorsorge > Untersuchungspflichten

Dialog
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Frage:

Untersuchungen gem. BiostoffV (bzw. entsprechend G42) bei betrieblichen Ersthelfern. Im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung tauchte die Frage auf, ob eine Untersuchung wegen erhöhter Infektionsgefährdung bei Ersthelfern (analog Mitarbeitern im Rettungsdienst) notwendig ist. Besonderheit dieses Betriebes ist die Außentätigkeit auf wechselnden Baustellen in kleinen Teams, so daß nahezu jeder Mitarbeiter auch "Ersthelfer" ist.

Antwort:

Grundlage für die arbeitsmedizinsche Vorsorge ist die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV). Dort sind Regelungen im staatlichen Recht und in den Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaften vereinheitlicht und zusammengeführt worden. Die Verordnung nennt Untersuchungsanlässe und beschreibt das organisatorische Verfahren der arbeitsmedizinischen Vorsorge im Betrieb hinsichtlich der Pflichten des Arztes und des Arbeitgebers.

Zur Anpassung an die ArbMedVV werden die BGI 504-ff -sofern noch nicht erfolgt- als Handlungsanleitung für die arbeitsmedizinische Vorsorge formuliert. Die Handlungsanleitung - Berufsgenossenschaftlicher Grundsatz G 42 "Tätigkeiten mit Infektionsgefährdung" - BGI 504-42 (http://regelwerk.unfallkassen.de/regelwerk/data/regelwerk/inform/I_504-42.pdf)  konkretisiert die ArbmedVV. Weitere Informationen zu der Thematik werden unter www.dguv.de/inhalt/praevention/fachaus_fachgruppen/arbeitsmedizin/produkte/index.jsp bzw. www.dguv.de/inhalt/praevention/fachaus_fachgruppen/arbeitsmedizin/produkte/bgliche_infos_bgi_504.pdf angeboten.

Das bedeutet, dass vom Arbeitgeber stets mittels der Gefährdungsbeurteilung (§ 3 ArbMedVV) zu klären ist, welche Vororgeuntersuchungen durchzuführen sind (Pflichtuntersuchungen) und welche anzubieten sind (Angebotsuntersuchung).
Mit der Gefährdungsbeurteilung muss der Arbeitgeber ermitteln, ob die Beschäftigten an der konkreten Arbeitsstelle Tätigkeiten ausüben, die im Anhang Teil 2 der ArbMedVV aufgeführt sind, und somit eine Exposition möglich ist, die den Expositionsbedingungen der Tabelle im Anhang Teil 2 ArbmedVV entspricht. 

Im Regelfall sind von der Untersuchung nach G 42 bzw. bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen nach Teil 2 im Anhang der ArbmedVV nur folgende Berufsgruppen angesprochen: 
- Medizinisches Personal wie Ärzte, Zahnärzte, Krankenschwestern
- Medizintechniker,
- Personal im Notfall- und Rettungsdienst
- Pflegepersonal in Alten- und Pflegeheimen
- Personal in der Kinderbetreuung und Erzieher
- Personal in der Tiermedizin oder Tierpflege
- Personal im Garten- und Landschaftsbau
- Wald- und Forstarbeiter; Jäger
- Mitarbeiter in der Abfallverwertung / Abwasserbetriebe

Ersthelfer werden in der BGI 504-42 nicht genannt. Nach unserer Bewertung treffen die Anforderungen der ArbMedVV in Verbindung mit der BGI 504-42 auf Ersthelfer nur dann zu, wenn diese in einem der genannten Bereiche tätig sind.

Die Entscheidung muss der Arbeitgeber stets im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung mit Unterstützung des Betriebsarztes und der Fachkraft für Arbeitssicherheit treffen.