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Sind Rettungswesten für jeden einzelnen Versicherten, bei dem die Gefahr des Absturzes besteht, zu stellen? Dürfen mehrere Versicherte eine Rettungsweste tragen ?

KomNet Dialog 11934

Stand: 15.06.2012

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Persönliche Schutzausrüstung (PSA) > Beschaffung und Bereitstellung von PSA

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Frage:

1. Sind Rettungswesten für jeden ! einzelnen Versicherten bei dem die Gefahr des Absturzes besteht zu stellen ? (PSA) 2.Dürfen mehrere Versicherte eine Rettungsweste tragen ?

Antwort:

Der Arbeitgeber muss im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach §§ 5,6 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) die vorhandenen Gefährdungen ermitteln und festlegen, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes getroffen werden. Nach § 4 ArbSchG muss der Arbeitgeber bei der Festlegung der Arbeitsschutzmaßnahmen u.a. den Stand der Technik berücksichtigen. Der Stand der Technik wird u.a. in technischen Regeln und den berufsgenossenschaftlichen Vorschriften konkretisiert.

Technische Regel für Betriebsicherheit TRBS 2121 - Gefährdung von Personen durch Absturz – Allgemeine Anforderungen - Punkt 4 www.baua.de/trbs :

Bei der Festlegung der Schutzmaßnahmen muss dem kollektiven Gefahrenschutz Vorrang vor dem individuellen Gefahrenschutz eingeräumt werden. Die Schutzmaßnahmen sind entsprechend der nachfolgenden Rangfolge auszuwählen:

A. Absturzsicherung z.B. Abdeckungen, Geländer oder Seitenschutz
B. Auffangeinrichtung z.B. Schutznetze, Schutzwände und Schutzgerüste
C. Individueller Gefahrenschutz
Können Absturzsicherungen und Auffangeinrichtungen nicht angewendet werden, ist Persönliche Schutzausrüstung (PSA) gegen Absturz vorzusehen. Die Verwendung von PSA gegen Absturz setzt eine weitere Gefährdungsbeurteilung für diesen Einzelfall voraus. (Weitere Hinweise: BGR 198 - "Einsatz von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz  http://publikationen.dguv.de ")

Eine sehr gute Hilfestellung mit Fragen der Gefährdungsermittlung und -beurteilung und den daraus abgeleiteten Schutzmaßnahmen gibt die Berufsgenossenschaftliche Regel - BGR 201 - "Regeln für den Einsatz von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Ertrinken". Der Unternehmer hat bei der Bewertung und Auswahl persönlicher Schutzausrüstungen gegen Ertrinken vorrangig technische und organisatorische Maßnahmen in Betracht zu ziehen, um einen Absturz in eine Flüssigkeit zu verhindern. Kann ein Absturz nicht ausgeschlossen werden, hat er geeignete persönliche Schutzausrüstungen gegen Ertrinken auszuwählen. Aufgrund seiner Gefährdungsermittlung hat er davon auszugehen, dass der Benutzer von persönlichen Schutzausrüstungen gegen Ertrinken unerwartet und bewegungsunfähig abstürzt. Daher sind grundsätzlich automatisch wirkende Rettungswesten erforderlich."

"Unter Berücksichtigung der aufgeführten Kriterien sind für den Einsatz im gewerblichen Bereich aufblasbare persönliche Schutzausrüstungen gegen Ertrinken mit automatischer Funktionssicherheit, ohnmachtssicherer Schwimmlage mit mindestens 100 N Auftrieb und hohem Tragekomfort bei der normalen Tätigkeit erforderlich."

Beispiele für Arbeitsplätze bei denen PSA gegen Ertrinken getragen werden müssen liefert Anhang 1 der BGR 201.

Weitere Informationen können Sie auch dem Merkblatt "Einsatz von Rettungshilfen" der Arbeitsschutzverwaltung Hamburg entnehmen.

In Bezug auf die Frage, ob mehrere Versicherte eine Rettungsweste tragen dürfen, steht unter Ziffer 3.3 der BGR 201:
"Der Unternehmer hat nach § 29 Abs. 2 der Unfallverhütungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“ (BGV A1) dafür zu sorgen, dass für jeden Versicherten eigene persönliche Schutzausrüstungen zur alleinigen persönlichen Benutzung zur Verfügung stehen. Ist aus betrieblichen Gründen eine Nutzung durch mehrere Versicherte erforderlich, so hat der Unternehmer die entsprechenden Maßnahmen zu treffen, um in jedem Fall die Einsatzbereitschaft der persönlichen Schutzausrüstungen sicher zu stellen, z.B. durch Hygienemaßnahmen, Austauschteile, Größenanpassung, Übergabeprotokoll."