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KomNet-Wissensdatenbank

Dürfen Lackierarbeiten ohne Absaugung durchgeführt werden?

KomNet Dialog 11784

Stand: 05.06.2012

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen > Technische Schutzmaßnahmen (5.)

Dialog
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Frage:

Nach der Reparatur von Containern werden diese in der Regel neu lackiert. Die Lackierarbeiten fanden bislang in einer Fahrzeughalle mit der Rolle statt. Aus wirtschaftlichen Gründen ist man nun zum Spritzlackieren übergegangen. Lackiert wird ohne Absaugung in einer größeren Halle. Dazu werden Tore z. T. geöffnet. Meine Frage: Ist diese Vorgehensweise bei der Verwendung lösemittelhaltiger Stoffe statthaft? Wenn nein: Ist diese Vorgehensweise bei der Verwendung wasserlöslicher Lacke möglich?

Antwort:

Im Anwendungsbereich des Kapitels 2.29 "Verarbeiten von Beschichtungsstoffen" der BGR 500 "Betreiben von Arbeitsmitteln" (vormals BGV D25) wird zunächst darauf hingewiesen, dass "auch wasserverdünnbare Beschichtungsstoffe (Wasserlacke) organische Lösemittel enthalten können und damit leicht entzündlich oder entzündlich sein. Sie können auch gesundheitsschädliche Stoffe enthalten."

Die Ziffer 3.1.1 fordert:
"Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass für das Verarbeiten von leicht entzündlichen oder entzündlichen Beschichtungsstoffen gesonderte Räume oder, soweit dies aus betriebstechnischen Gründen nicht möglich ist, gesonderte Bereiche von 5 m um die Verarbeitungsstelle vorhanden sind, die den in Rechtsvorschriften über feuergefährdete Räume oder Bereiche enthaltenen Anforderungen entsprechen."

weiter heißt es in Ziffer 3.2.2:
"Der Unternehmer hat dafür zu sorgen, dass in Räumen und Bereichen, die für das Verarbeiten von Beschichtungsstoffen genutzt werden, eine Lüftung vorhanden ist, die die Bildung einer gefährlichen explosionsfähigen Atmosphäre verhindert. Die Lüftung muss, soweit dies nach dem Stand der Technik möglich ist, sicherstellen, dass Beschäftigte Gasen, Dämpfen oder Nebeln in gesundheitsgefährlichen Konzentrationen nicht ausgesetzt werden."

Das bedeutet, dass mittels Gefährdungsbeurteilung festgelegt werden muss, in welcher Art und Weise Bereiche, in denen lackiert werden soll, einzurichten sind und wie die Lüftung gestaltet werden muss. Dabei ist das von der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) vorgegebene Minimierungsgebot zu beachten (§ 7 "Grundpflichten" Absatz 4).
Der Arbeitgeber darf eine Tätigkeit mit Gefahrstoffen erst aufnehmen lassen, nachdem eine Gefährdungsbeurteilung vorgenommen wurde und die erforderlichen Schutzmaßnahmen getroffen wurden (§ 7 "Grundpflichten Absatz 1).

Nach unserer Bewertung ist das beschriebene Lackieren in der Fahrzeughalle ohne zusätzliche Lüftungsmaßnahmen zumindest fragwürdig. In der Regel sind auch den Sicherheitsdatenblättern der eingesetzten Stoffe Angaben bezüglich zu treffender Schutzmaßnahmen zu entnehmen, die ebenfalls in die Gefährdungsbeurteilung einzubeziehen sind. Als Hilfestellung bei der Entscheidung, ob die Tätigkeit ausgeführt werden kann oder ob zusätzliche Schuzmaßnahmen getroffen werden müssen, steht dabei das Einfache Maßnahmenkonzept Gefahrstoffe (EMKG) zur Verfügung. Durch Ausführung der in der Handlungsanleitung beschriebenen Schritt-für-Schritt-Anleitung kann die inhalative Belastung der Lackierarbeiten ermittelt werden und der notwendige Maßnahmenbedarf abgeleitet werden. Beim Treffen der Maßnahmen unterstützen die umfangreichen Hilfestellungen der Schutzleitfäden für häufige Tätigkeiten mit Gefahrstoffen.