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KomNet-Wissensdatenbank

Wie erklären sich unterschiedliche Angaben der Steighöhen bei der Nutzung von Leitern als Verkehrsweg bzw. als vorübergehender Arbeitsplatz?

KomNet Dialog 11752

Stand: 15.06.2012

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Benutzung von Arbeitsmitteln und Einrichtungen > Sichere Benutzung der Arbeitsmittel

Dialog
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Frage:

Leiter als Verkehrsweg, Leiter als vorübergehender Arbeitsplatz - logisch oder unlogisch? Die BGV C22 (Bauarbeiten) weist bei der Nutzung von Leitern einerseits die Möglichkeit kurzzeitigen Arbeitens (bis 7 m Standhöhe) aus, gleichzeitig wird allerdings bei Überbrücken von Höhenunterschieden ein max. Delta von nur 5 m angegeben. Warum darf hier nicht auch eine Höhe von bis zu 7 m überbrückt werden. Es scheint ein wenig die Logik zu fehlen, oder?

Antwort:

Die Arbeitsstättenverordnung - ArbStättV fordert, dass Verkehrswege, einschließlich Treppen, fest angebrachte Steigleitern und Laderampen so angelegt und bemessen sein müssen , dass sie je nach ihrem Bestimmungszweck leicht und sicher begangen oder befahren werden können und in der Nähe Beschäftigte nicht gefährdet werden (Abschnitt 1.8 Verkehrswege des Anhangs zur ArbStättV). Nähere Anforderungen an Steigleitern, Steigeisengänge nennt die ArbStättV unter Abschnitt 1.11 des Anhangs.
 
Anlege- oder Stehleitern sind in der Arbeitsstättenverordnung als Verkehrswege nicht genannt. 
In der Unfallverhütungsvorschrift BGV C22 "Bauarbeiten" wird unter § 10 "Verkehrswege" folgendes ausgeführt:
(1) Arbeitsplätze auf Baustellen müssen über sicher begehbare oder befahrbare Verkehrswege zu erreichen sein.
(2) Laufstege müssen mindestens 0,50 m breit sein. Sie müssen Trittleisten haben, wenn sie steiler als 1:5 (etwa 11°) sind; sie müssen Stufen haben, wenn sie steiler als 1:1,75 (etwa 30°) sind.
(3) Aufstiege zu Arbeitsplätzen müssen als Treppen oder Laufstege ausgeführt sein.
(4) Abweichend von Absatz 3 dürfen Leitern als Aufstiege verwendet werden, wenn
1.der zu überbrückende Höhenunterschied nicht mehr als 5,00 m beträgt
,
2.der Aufstieg nur für kurzzeitige Bauarbeiten benötigt wird,
3.sie in Gerüsten als Gerüstinnenleitern eingebaut werden, die nicht mehr als 2 Gerüstlagen miteinander verbinden,
4.sie an Gerüsten als Gerüstaußenleitern angebaut sind und die Gerüstlagen nicht höher als 5,00 m über einer ausreichend breiten und tragfähigen Fläche liegen,
5.in Gerüsten der Einbau innenliegender Aufstiege aus konstruktiven Gründen nicht möglich ist oder
6.sich die Arbeitsplätze in Schächten befinden und der Einbau einer Treppe aus bau- oder arbeitstechnischen Gründen nicht möglich ist. 

(5) ......

Das bedeutet:
Grundsätzlich sind Anlege- oder Stehleitern Arbeitsmittel im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung/BetrSichV.
Als Verkehrweg dürfen Leitern nur ausnahmsweise z.B. auf Baustellen verwendet werden.
Bei einer Verwendung als Verkehrsweg ist der zu überbrückende Höhenunterschied bei der Verwendung von Leitern auf maximal 5,00 m beschränkt. Hierbei wird berücksichtigt, dass eine Leiter als Verkehrsweg anders frequentiert wird als bei der Verwendung als reines Arbeitsmittel und damit die Höhenbeschränkung auf 5 m gerechtfertigt ist.