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KomNet-Wissensdatenbank

Inwieweit ist eine tipp-betriebene Zweihandschaltung vor Überbrückung / Manipulation zu sichern?

KomNet Dialog 11692

Stand: 14.06.2012

Kategorie: Sichere Produkte > Beschaffenheit von Arbeitsmitteln / Einrichtungen > Beschaffenheit von Sicherheitseinrichtungen

Dialog
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Frage:

Wir haben einen Hülsenschneider (Original vom Hersteller) mit einer Zweihandschaltung (2 Tastknöpfe). Inwieweit ist eine Tipp-betriebene Zweihandschaltung vor Überbrückung / Manipulation zu sichern? Ist eine Zweihandschaltung grundsätzlich ein sicheres Bauelement? Macht ein Umbau durch beispielsweise Versetzung der Taster oder Einhausung Sinn? Die Verantwortung liegt doch dann nicht mehr beim Hersteller sondern Betreiber, oder?

Antwort:

Die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG (siehe auch www.maschinenrichtlinie.de ) richtet sich an Hersteller und Inverkehrbringer von Maschinen und Sicherheitsbauteilen. Sie fordert die Erfüllung der grundlegenden Gesundheits- und Sicherheitsanforderungen für neue Maschinen. Die Hersteller von Maschinen sind also verpflichtet, ihre Maschinen so zu bauen, dass die grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen der Maschinenrichtlinie eingehalten werden. Eine dieser grundlegenden Anforderungen ist die Vermeidung der vorhersehbaren Manipulation von Schutzeinrichtungen durch die Anwendung von konstruktiven Maßnahmen durch den Hersteller.

Die Konformität eines Sicherheitsbauteiles oder einer Maschine mit einer harmonisierten Norm begründet die Annahme, dass Übereinstimmung mit den grundlegenden Sicherheits- und gesundheitlichen Anforderungen besteht, die in der Maschinenrichtlinie, festgelegt sind (Vermutungswirkung). Für Zweihandschaltungen gilt seit 1996 folgende harmonisierte Norm:

DIN EN 574:1996+A1:2008 Sicherheit von Maschinen - Zweihandschaltungen - Funktionelle Aspekte - Gestaltungsleitsätze, www.beuth.de .

Wenn die eingebaute Zweihandschaltung alle Anforderungen der Norm erfüllt, kann davon ausgegangen werden, dass ausreichende Maßnahmen gegen die vorhersehbare Manipulation getroffen worden sind. Sollte jedoch durch eine Gefährdungsanalyse am Arbeitsplatz eine besonders hohe Manipulationsgefahr vorhanden sein, müssen durch den Betreiber weitere Maßnahmen getroffen werden.

Sollte ein Umbau oder Veränderung der Zweihandschaltung erforderlich sein, ist dies unbedingt mit den Maschinenhersteller abzusprechen, andernfalls ist die Konformitätserklärung des Herstellers nichtig, der "Umbauer" wird zum Maschinenhersteller und muss alle Anforderungen (formelle und sicherheitstechnische) der Maschinenrichtlinie einhalten.