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KomNet-Wissensdatenbank

Bestehen arbeitsschutzrechtliche Vorgaben bezüglich der Be- und Entladung von Lkw?

KomNet Dialog 11402

Stand: 07.07.2010

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Lager, Lagerung

Dialog
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Frage:

Derzeit werden an einer Verladerampe, die sich in einer Kalthalle befindet, LKWs mit dem Gabelstapler von der linken Seite (LKW - Fahrerseite) aus be- und entladen. Aus Gründen der innerbetrieblichen Verkehrsführung sollen die LKW zukünftig von der anderen Seite in die Kalthalle einfahren und müßten dann von der rechten Seite be- und entladen werden. Die für die Verladung zuständigen Mitarbeiter haben nun bedenken, dass dadurch die LKW nicht mehr so nah an die Rampe heranfahren werden, da diese für den Fahrer nicht mehr so gut einsehbar ist. Damit verbunden sehen sie die Gefahr, dass durch den damit breiteren Spalt zwischen LKW-Ladefläche und Rampe evtl. Absturzgefahren für den Stapler bestehen. Daher folgende Fragen: 1) Gibt es Vorschriften, die eine Be- und Entladung von rechts verbieten? 2) Gibt es Mindestmaße dafür, wie breit der Abstand Rampe - LKW-Ladefläche sein darf? 3) Wie ist die Absturzgefährdung einzuschätzen? Werden weitere Maßnahmen notwendig (Schubgabeln, Überfahrbrücken etc.)? 4) Ist die Gefährdung durch Rückwärtsfahren (derzeit müssen die LKW nämlich wieder rückwärts aus der Halle herausfahren) höher einzuschätzen, als die Gefahren beim Entladen?

Antwort:

Frage 1: Gibt es Vorschriften, die eine Be- und Entladung von rechts verbieten?

Antwort: Nein, arbeitsschutzrechtlich ist es unerheblich, von welcher Seite ein Lkw beladen wird.

Frage 2: Gibt es Mindestmaße dafür, wie breit der Abstand Rampe - LKW - Ladefläche sein darf?

Antwort: Nein. Grundsätzlich sind beim Be- oder Entladen über Laderampen entsprechende Ladebrücken, Laderampen oder Ladebleche zu verwenden. Näheres ist der BGI 5042 "Sicheres Arbeiten mit Fahrzeugen an Laderampen" insbesondere der Betriebsanweiung "Betrieb von Ladebrücken zum Be- und Entladen von Fahrzeugen" und "Betrieb von Ladeblechen zum Be- und Entladen von Fahrzeugen" sowie "Betrieb von Gabelstaplern beim Be- und Entladen von Fahrzeugen an Laderampen" im Anhang der BGI 5042 zu entnehmen. 

Frage 3: Wie ist die Absturzgefährdung einzuschätzen? Werden weitere Maßnahmen notwendig (Schubgabeln, Überfahrbrücken etc.)?

Antwort: siehe Antwort zur Frage 2.

Frage 4: Ist die Gefährdung durch Rückwärtsfahren (derzeit müssen die LKW nämlich wieder rückwärts aus der Halle herausfahren) höher einzuschätzen, als die Gefahren beim Entladen?

Antwort: Einen Vergleich der in der Frage angesprochenen Gefährdungen können wir nicht vornehmen. Zum Rückwärtsfahren wird in der BGI 5042 u.a. folgendes ausgeführt:
3.2 Rückwärtsfahren
Fahrer können Bereiche hinter ihrem Fahrzeug nicht einsehen. Personen, welche sich in diesem sogenannten „toten Winkel“ aufhalten, sind beim Rückwärtsfahren und Zurücksetzen in hohem Maße gefährdet. Deshalb muss der Fahrer beim Rückwärtsfahren

  • Schrittgeschwindigkeit fahren,
  • sich einweisen lassen,
  • die Handsignale des Einweisers kennen,
  • das Fahrzeug sofort anhalten, wenn sich der Einweiser nicht im Sichtfeld aufhält.
Mithilfe von technischen Systemen kann Rückwärtsfahren sicherer gemacht werden. Hierzu zählen Rangierwarneinrichtungen. Diese geben dem Fahrer optische und akustische Warnsignale, wenn sich Personen oder Gegenstände im Gefahrbereich hinter dem Fahrzeug befinden. Erfüllen Rangier-Warneinrichtungen die Anforderungen der DIN 75 031, kann von deren Eignung ausgegangen werden.
Rückfahrkameras in Verbindung mit Monitoren (Videosysteme) können zusätzlich dazu beitragen, den „toten Winkel“ einsehbar zu machen.

Fazit: Mögliche Gefährdungen und erforderliche Maßnahmen beim Be- und Entladen muss der Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ermitteln und festlegen. Dabei soll er sich von der Fachkraft für Arbeitssicherheit und dem Betriebsarzt beraten und unterstützen lassen.
Mit Bedenken, die von Beschäftigten vorgebracht werden, sollten sich die Arbeitsschutzverantwortlichen ernsthaft auseinander setzen und gefundene Lösungen zum Vermeiden von Gefährdungen den Beschäftigten erläutern. Nur wenn die Beschäftigten sich in ihren bedenken ernst genommen fühlen, werden sie auch Lösungen annehmen und umsetzen.