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KomNet-Wissensdatenbank

Gibt es konkrete Anforderungen wie Lagerräume/Silos für Holzpellets aus Arbeitsschutz-Gesichtspunkten zu gestalten sind?

KomNet Dialog 10890

Stand: 16.03.2016

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Sonstige Anlagen

Dialog
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Frage:

In Lagerräumen/Silos für Holzpellets kann CO entstehen. Dies hat bereits in der Vergangenheit zu tödlichen Unfällen geführt. Gibt es konkrete Anforderungen, wie diese Lagerräume aus Arbeitsschutz-Gesichtspunkten zu gestalten sind (Ex-Schutz, hier auch Holzstaub, Lüftung incl. erforderliche Luftwechselrate, Maßnahmen die vor Begehung des Lagerraumes zu beachten sind etc.)?

Antwort:

Schon im Januar 2009 hatte das Schweizerische Toxikologische Informationszentrum - TOX davor gewarnt, dass Kohlenmonoxid nicht nur bei defekten Heizungsanlagen (etwa durch Rückbrand), sondern auch durch die Pellets selbst entstehen kann. Das Zentrum empfiehlt: "Holzpelletcontainer sollten vom Wohn- oder Arbeitsraum gasdicht abgeschlossen sein. Es ist für eine angemessene Lüftung zu sorgen. Im Zweifelsfall soll eine Messung des Kohlenmonoxidgehalts in der Luft des Containers vorgenommen werden. Es wird dringend davor gewarnt, ohne vorheriges Auslüften solche Container zu betreten." (-> http://www.toxi.ch/ger/welcome.html - Suche: Pellet). 

Der Deutsche Energieholz- und Pellet-Verband (DEPV) bietet auf seiner Webseite im Downloadbereich umfanreiche Informationen im Zusammenhang mit der Lagerung von Holzpellets an. Er hat in Zusammenarbeit mit dem TÜV Rheinland für Pelletlager bis 10 t Sicherheitsratschläge und Hinweise erarbeitet, die auch Bestandteil der VDI Richtlinie 3464 zur sicheren Pelletlagerung sind:

  • Mindestens zwei Kupplungsstutzen (Füll- und Absaugstutzen)mit Lüftungsöffnungen von je 20 cm² freier Öffnungsfläche einbauen bzw. umrüsten.
  • Lagerräume und Lagerbehälter für Holzpellets dürfen nur zu unmittelbar dem Heizungsbetrieb dienenden Tätigkeiten betreten werden (z. B. Wartungs- und Reinigungsarbeiten).
  • Mindestens eine Stunde vor dem Betreten des Lagerraumes die Pelletheizung und die Fördereinrichtung abschalten
    sowie die Zugangstür eine Viertelstunde vorher öffnen.
  • Erdvergrabene Lager nur mit zweiter Person und zur Sicherung nur mit CO-Warngerätbetreten.
  • Pelletlagerräume sind vor dem Betreten mindestens 15 Minuten lang ausreichend zubelüften.
  • Füll- und Absaugstutzen mit mindestens 4-mm²-Kupferader an der Hauspotenzialschiene elektrisch erden.
  • Beim Reinigen des Lagerraumes eine Staubmaske tragen.
  • Fördereinrichtungen und elektrische Betriebsmittel regelmäßig von Staub befreien.
  • Füllstandskontrolle über eine fest verschlossene Sichtscheibe (Bullauge) durchführen.
  • Aufbringen eines gut sichtbaren Aufklebers mit Sicherheitshinweisen am Lagerraum.
  • In der Umgebung von Heizungen und in Pelletlagerräumen kann es zu einer erhöhten Konzentration gefährlicher Abgase (u. a. Kohlenmonoxid (CO)) in der Atemluft kommen, die sich über längere Zeiträume ansammeln und  eine Gefahr darstellen können.
  • DEPV und TÜV Rheinland empfehlen den Einsatz von belüftenden Deckeln auf Einblas- und Absaugstutzen des Pelletlagers. Dies sieht auch die VDI-Richtlinie 3464 vor.
     
Grundsätzlich muss ein Pelletlager nach den Bestimmungen des jeweiligen Bundeslandes, d.h. der Bauordnung i.V.m. der Feuerungsverordnung (hier: FeuVO NRW) ausgeführt werden.

Auf die Informationen im Handbuch Bioenergie-Kleinanlagen weisen wir hin.

Interessant sind auch die DGUV Informationen 209-044 - Holzstaub - Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz beim Erfassen, Absaugen und Lagern(bisher: BGI 739) und  DGUV Information 209-032 - Möbelindustrie Schreinereien/Tischlereien (bisher BGI 726) Kapitel 7 und 8. 

Fazit:
Maßnahmen des Arbeitsschutzes, speziell zum Explosionsschutz, sind oft aus Brandschutzüberlegungen abgeleitet. Konkrete Angaben zu Lüftung und deren Anforderungen sind uns nicht bekannt. Bei dem Begehen von Lagerräumen, Silos oder Behältern zur Lagerung von Holzpellets sollten deshalb Maßnahmen gemäß der DGUV 113-004 - Arbeiten in Behältern, Silos und engen Räumen"(bisher: BGR 117-1 Teil 1) gewählt werden. Wobei technische Maßnahmen (technische Lüftung, CO-Messung) den organisatorischen vorzuziehen sind. 

Hinweis:
Die DGUV 113-004 gilt für Arbeiten in Behältern, Silos und engen Räumen, die nach Abschnitt 2 definiert sind. Behälter und enge Räume sind allseits oder überwiegend von festen Wandungen umgebene sowie luftaustauscharme Bereiche, in denen aufgrund ihrer räumlichen Enge oder der eingebrachten Stoffe oder Einrichtungen besondere Gefährdungen bestehen oder enstehen können.
Unter Ziffer 4.2.ff. der DGUV 113-004 ist folgendes geregelt: " Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ist festzustellen, welche Stoffe und Zubereitungen in welcher Konzentration im Behälter, Silo oder engen Raum enthalten sind oder im Verlauf der Arbeiten auftreten können und ob Sauerstoffmangel auftreten kann. In den meisten Fällen ist dazu Freimessen erforderlich. Die Messungen müssen an repräsentativer Stelle erfolgen." ...... "Vor Beginn und während der Arbeiten in Behältern, Silos und engen Räumen muss durch Lüftung sichergestellt werden, dass keine Gase, Dämpfe, Nebel oder Stäube in gesundheitsgefährlicher Konzentration sowie keine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre oder Sauerstoffmangel auftreten können."