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KomNet-Wissensdatenbank

Ist für das beschriebene analytische Labor eine Wasserstoffüberwachung gefordert?

KomNet Dialog 10822

Stand: 26.07.2012

Kategorie: Sichere Anlagen / Sicherer Betrieb > Explosionsschutz, Anlagen in explosionsgefährdeten Bereichen > Sicherheitstechnische Anforderungen, Sicherheitseinrichtungen

Dialog
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Frage:

Wir planen unsere analytischen Laboratorien, in denen Gaschromatographen betrieben werden, mit einer zentralen Gasversorgung für Wasserstoff auszurüsten. Diese soll mit Flaschenbündeln betrieben werden. Eine Leckageüberwachung findet dann nur in der Hauptleitung statt. Alle Laboratorien werden mit Not-Aus-Schaltern versehen, die die Gasversorgung des Labors abstellt. Was nicht erfolgen soll, ist eine Installation von Wasserstoffdetektoren in den Laboratorien. Somit könnte theoretisch bei einer Leckage in den Zuleitungen von den Entnahmestellen zu den Gaschromatographen (Die Chromatographen verfügen über eine innere Wasserstoffüberwachung) unbemerkt und unkontrolliert Wasserstoff austreten. Zündquellen sind im Labor natürlich genügend vorhanden. Noch eine Hinweis: es sollen auch unbeaufsichtigte Annalysen über Nacht gefahren werden (Probennahmeroboter). Ist dies erlaubt, oder wird eine Wasserstoffüberwachung gesetzlich gefordert?

Antwort:

Bezüglich des Umgangs mit Gefahrstoffen in Laboratorien ist die Gefahrstoffverordnung - GefStoffV und konkret die TRGS 526 "Laboratorien" (www.baua.de/TRGS) relevant. Weitere Hilfe kann der neuen Laborrichtlinie BGI/GUV-I 850-0 entnommen werden.
Nach Kapitel 4.3.5 der BGI 850-0 gilt: "Versuche, die mit dem Ende der normalen Arbeitszeit nicht unterbrochen werden können, dürfen nur dann ohne ständige Beaufsichtigung durchgeführt werden, wenn eine andere Zeiteinteilung für den Versuch nicht möglich ist und durch entsprechende Schutzmaßnahmen das Auftreten von gefährlichen Zuständen sicher verhindert wird."
Weiter wird erläutert: "Bei vielen Versuchen ist es erforderlich, zur Abwehr von sich abzeichnenden Gefahren rasch eingreifen zu können, beispielsweise bei durchgehenden Reaktionen oder Störungen. Wo dies nicht durch eine Person geschehen kann, hat es sich bewährt, solche Versuche in besonders abgesicherten Räumen („Nacht-Laboratorien“) durchzuführen, bei denen eine automatische Einrichtung zur Früherkennung oder Schadensbegrenzung vorhanden ist."
Die Gase aus Druckgasflaschen sind den Arbeitsplätzen durch dauerhaft technisch dichte, fest verlegte Rohrleitungen zuzuführen. "Für die ständige Zuführung flüssiger und gasförmiger Stoffe zu den Labortischen und Abzügen müssen fest verlegte, auf Dichtheit geprüfte Leitungen vorhanden sein. Fest verlegte Zuführungsleitungen müssen eindeutig und dauerhaft gekennzeichnet sein. Diese Leitungen müssen auf Dauer technisch dicht sein."
"Bei Anlagenteilen, die auf Dauer technisch dicht sind, sind keine Freisetzungen zu erwarten. Anlagenteile, die auf Dauer technisch dicht sind, verursachen durch ihre Bauart in ihrer Umgebung im ungeöffneten Zustand keine explosionsgefährdeten Bereiche." Näheres zum Thema Dichtheit von Anlagen finden Sie in Kapitel 2.4.3 der TRBS 2152 Teil 2 "Vermeidung oder Einschränkung gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre" (www.baua.de/TRBS). 
Fazit: Im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung muss zunächst geprüft werden, ob die dauerhaft technische Dichtheit der Leitungen gewährleistet ist. Weiter sind die Zuführleitungen auf Dichtheit zu prüfen. Eine Gasüberwachung ist dann ggf. unter dem Aspekt als "automatische Einrichtung zur Früherkennung" beim unbeaufsichtigten Labor-Betrieb oder als Personenschutz-Zusatzmaßnahme zu installieren. Antworten zur Ausführung von Mess- und Warngeräten für explosionsfähige Atmosphären finden Sie unter http://www.exinfo.de/webcom/show_merkblatt.php/_c-1278/i.html .