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KomNet-Wissensdatenbank

Muss für werdende Mütter wegen der Schweinegrippe ein besonderes Beschäftigungsverbot oder andere Maßnahmen beachtet werden?

KomNet Dialog 10661

Stand: 25.03.2010

Kategorie: Besondere Zielgruppen > Werdende und stillende Mütter > Gefährdungen für werdende / stillende Mütter

Dialog
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Frage:

Ich bin schwanger, gehöre somit im Rahmen der Schweinegrippe zur Risikogruppe. Nun sind die Kinder meines Arbeitskollegen von der Schule nach Hause geschickt worden, da in deren Klasse ein Fall von H1N1-Erkrankung aufgetreten ist. Mein Arbeitgeber hat mich und andere Risikogruppen den ersten Tag nach Hause geschickt zur weiteren Abklärung mit dem Arzt. Dieser sagte mir nun, dass eine AU nicht ausgestellt werden kann, da keine Krankheit bei mir vorliege, eine Quarantäne nicht angeordnet werden könne, da nicht definitiv ein Kontakt mit einem Infizierten vorgelegen habe und ein allgemeines Beschäftigungsverbot nicht erteilt werden könne, da ich nicht in Kontakt mit gefährdenden Stoffen stehe. Mein Gynäkologe hat mich daher an Sie verwiesen. Da die Inkubationszeit nach Aussage meines Hausarztes 7-10 Tage beträgt, es somit noch einige Zeit dauert bis man weiß ob die Kinder meines Kollegen infiziert sind, dieser somit auch keine Quarantäne erhält, bin ich nun etwas unruhig. Gibt es noch eine weitere Möglichkeit?

Antwort:

Derzeit ist für schwangere Beschäftigte, auch bei Tätigkeiten in Bereichen mit Publikumsverkehr, nach den aktuellen Empfehlungen kein Beschäftigungsverbot erforderlich.
Unter http://www.lzg.gc.nrw.de/_media/pdf/gesundheitschuetzen/influenza-a-h1n1/Schwangere_H1N1_Gesundheitswesen.pdf ist die Empfehlung des Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen (LZG.NRW)  (siehe auch http://www.lzg.gc.nrw.de)  in Bezug auf schwangere Arbeitnehmerinnen im Gesundheitswesen veröffentlicht. Die Empfehlung bezieht sich auf die Primärversorgung im Gesundheitswesen (Aufnahmestationen der Krankenhäuser, Praxen für Allgemeinmedizin, Praktische Ärzte, Internisten und Kinderärzte).
In dieser Empfehlung wird ausgeführt, dass in Bereichen, in denen grippeinfizierte Patienten normalerweise nicht behandelt werden, für werdende Mütter nur bei Auftreten eines Grippefalls vom Typ A/H1N1 in der Einrichtung ein befristetes Beschäftigungsverbot gilt.
Der im Arbeitsleben übliche gesellschaftliche Kontakt zwischen einer Mutter und anderen Menschen ist grundsätzlich vergleichbar mit dem allgemeinen Lebensrisiko, dem wir alle in unserem privaten Lebensbereich ausgesetzt sind. Auch da können Sie nie ausschließen mit Menschen in Kontakt zu kommen, die Träger von Krankheitserregern sind. 
Auf die Informationen zur Hygiene und zu persönlichen Schutzmaßnahmen unter www.wir-gegen-viren.de weisen wir hin.

Die Konsequenz einer anderen Beurteilung wäre, dass sämtliche werdende Mütter, die beruflichen Kontakt zu anderen Menschen haben, von der Arbeit frei zu stellen wären. Dieses ist nach dem  derzeitigen Verlauf der Neuen Grippe nicht geboten.
Welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind, muss der Arbeitgeber stets im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung ermitteln. Kommt ein Arbeitgeber unter Beteiligung des Betriebsarztes und der Fachkraft für Arbeitssicherheit in der gemäß § 1 der Mutterschutzrichtlinieverordnung - MuSchRiV zu erstellenden Gefährdungsbeurteilung zu dem Ergebnis, dass die von ihm Beschäftigte werdende Mutter an ihrem Arbeitsplatz in einem das allgemeine Lebensrisiko übersteigende Maß dem Krankheitserregern des H1N1-Virus ausgesetzt ist, sind Maßen in folgender Rangfolge zu treffen:
1. Umgestaltung des Arbeitsplatzes
2. Arbeitsplatzwechsel
3. Freistellung wegen eines Beschäftigungsverbotes unter Fortzahlung des Durchschnittverdienstes der letzten 13 Wochen oder der letzten drei Monate vor Beginn des Monats, in dem die Schwangerschaft eingetreten ist  

Stand: November 2009