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Wie müssen Sanitärräume ausgestattet sein, um sie bei Stromausfall sicher verlassen zu können?

KomNet Dialog 10660

Stand: 25.03.2010

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Beleuchtung und Kennzeichnung von Fluchtwegen

Dialog
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Frage:

In einer grossen Behörde gibt es Umkleideräume mit dahinterliegenden Duschräumen, beide ohne Fenster. Es gibt keine Notbeleuchtung, weder eine Sicherheitsbeleuchtung noch beleuchtete Fluchtwegschilder. Bei einem Stromausfall steht man unter der Dusche oder im Umkleideraum in der Dunkelheit. Der Duschraum ist ca. 20 m² gross. Der Umkleideraum ist ca. 60 m² gross und mit mehreren Reihen grosser Spinde und Sitzbänken ausgestattet. Wie müssen diese Räume ausgestattet werden, um sie bei Stromausfall sicher verlassen zu können? Sind die Verkehrswege zwischen den Spinden in Richtung Ausgang als Fluchtwege einzuordnen?

Antwort:

Bei der Bemessung der Verkehrswege von der Dusche und zwischen den Spinden, die auch gleichzeitig Fluchtwege darstellen, ist die Technische Regel für Arbeitsstätten - ASR A 2.3 heranzuziehen. Dabei ist die Mindestbreite- und höhe von Fluchtwegen abhängig von der Personenanzahl nach Nr. 5 der ASR A 2.3 auszuführen. Und weiter gilt: "Bei der Bemessung von Tür-, Flur- und Treppenbreiten sind sämtliche Räume und für die Flucht erforderliche und besonders gekennzeichnete Verkehrswege in Räumen zu berücksichtigen, die in den Fluchtweg münden. Tür-, Flur- und Treppenbreiten sind aufeinander abzustimmen".
Für die Einrichtung einer Sicherheitsbeleuchtung in Arbeitsstätten gilt die Arbeitsstättenverordnung - ArbStättV i.V.m. der Technischen Regel für Arbeitsstätten - ASR A3.4/3 "Sicherheitsbeleuchtung, optische Sicherheitsleitsysteme" und der - ASR A2.3 "Fluchtwege, Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan". Die entsprechenden Vorschriften zur Sicherheitsbeleuchtung befinden sich in Ziffer 3.4 im Anhang zur Arbeitsstättenverordnung.
Die Erfordernis einer Sicherheitsbeleuchtung für Fluchtwege ist in der Gefährdungsbeurteilung zu ermitteln und immer dann gegeben, wenn bei Ausfall der Allgemeinbeleuchtung in Arbeitsstätten die Beschäftigten Unfallgefahren ausgesetzt sind. Nach der ASR A 2.3 sind Fluchtwege mit einer Sicherheitsbeleuchtung auszurüsten, wenn bei Ausfall der allgemeinen Beleuchtung das gefahrlose Verlassen der Arbeitsstätte nicht gewährleistet ist.
Eine Sicherheitsbeleuchtung kann z. B. in Arbeitsstätten erforderlich sein
- mit großer Personenbelegung, hoher Geschosszahl, Bereichen erhöhter Gefährdung oder unübersichtlicher Fluchtwegführung
- die durch ortsunkundige Personen genutzt werden
- in denen große Räume durchquert werden müssen (z. B. Hallen, Großraumbüros oder Verkaufsgeschäfte)
- ohne Tageslichtbeleuchtung, wie z. B. bei Räumen unter Erdgleiche.

Ist aber eine Sicherheitsbeleuchtung nicht erforderlich, muss auf Fluchtwegen die Erkennbarkeit der dort notwendigen Rettungs- und Brandschutzzeichen durch Verwendung von langnachleuchtenden Materialien auch bei Ausfall der Allgemeinbeleuchtung für eine bestimmte Zeit erhalten bleiben. Hierbei ist auf eine ausreichende Anregung der langnachleuchtenden Produkte zu achten (Punkt 5.1 Abs. 5 der ASR A 1.3 und  § 10 Abs. 3 der Unfallverhütungsvorschrift BGV A 8; http://www.dguv.de/inhalt/medien/datenbank/index.jsp).

Fazit: Für die Flucht aus dem Wasch- und Umkleideraum muss anhand der o.g. Regelungen geprüft (Gefährdungsbeurteilung) werden, ob eine Sicherheitsbeleuchtung notwendig ist. Ist diese nicht erforderlich, sind die erforderlichen Rettungszeichen mindestens aus langnachleuchtenden Materialien auszuführen.