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KomNet-Wissensdatenbank

Welche Art von Atemschutz ist anzuwenden beim Umgang mit Gasgemischen (Chlorkohlenwasserstoffe)?

KomNet Dialog 1055

Stand: 27.02.2013

Kategorie: Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Schutzmaßnahmen beim Umgang mit Gefahrstoffen > Persönliche Schutzmaßnahmen (5.)

Dialog
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Frage:

Welche Art von Atemschutz ist anzuwenden bei einem zu erwartenden Gasgemisch aus Vinylchlorid, Cis-Dichlorethen und 1,1 Dichlorethan sowie anderen Chlorkohlenwasserstoffen? Dabei betragen die Konzentrationen der o. a. Stoffe im Wasser ca. Vinylchlorid: 0,625 mg/L, Dichlorethan: 0,100mg/l, Cis-Dichlorethen: 1,050mg/l und die der anderen CKW`s: 2,038mg/l. Das Wasser wird in einem sonst geschlossenem System von den Chlorkohlenwasserstoffen gereinigt. Die einzige Möglichkeit eines Austretens der Stoffe besteht an der Flotation (dort wird das Wasser eisenfrei gehalten). Bei Wartungsarbeiten könnten dort Gase austreten, weil die Stoffe sehr flüchtig sind. Die eigentliche Frage ist, ob eine Vollmaske mit AX-Filter ausreicht oder ein umgebungsluftunabhängiges Atmungsgerät eingesetzt werden muss.

Antwort:

Vinylchlorid (K 1) und 1,2 Dichlorethan  (K 2) sind krebserzeugend und 1,1 Dichlorethan sowie Cis – 1,2 Dichlorethan sind gesundheitsschädlich eingestuft [Die Einstufung von Stoffen kann u. a. dem Einstufungs- und Kennzeichnungsverzeichnis der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) sowie dem Gefahrstoffinformationssystem der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (GESTIS-Stoffdatenbank) entnommen werden. Der Arbeitgeber hat nach § 6 "Informationsermittlung und Gefährdungsbeurteilung" der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) eine Informationsermittlung durchzuführen und eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen. Aufgrund der Einstufung „krebserzeugend“ ist grundsätzlich der gesamte Abschnitt 4 "Schutzmaßnahmen" zu beachten.

Im geschilderten Fall stellt sich die Frage, inwieweit dieses auch bei den angesprochenen Wartungsarbeiten möglich ist.Lässt sich eine Gefährdung nicht beseitigen, hat der Arbeitgeber diese durch Maßnahmen nach § 7 "Grundpflichten" Absatz 4 der GefStoffV in der nachstehenden Rangordnung auf ein Mindestmaß zu verringern:

"(4) Der Arbeitgeber hat Gefährdungen der Gesundheit und der Sicherheit der Beschäftigten bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen auszuschließen. Ist dies nicht möglich, hat er sie auf ein Minimum zu reduzieren. Diesen Geboten hat der Arbeitgeber durch die Festlegung und Anwendung geeigneter Schutzmaßnahmen Rechnung zu tragen. Dabei hat er folgende Rangfolge zu beachten:
1.Gestaltung geeigneter Verfahren und technischer Steuerungseinrichtungen von Verfahren, den Einsatz emissionsfreier oder emissionsarmer Verwendungsformen sowie Verwendung geeigneter Arbeitsmittel und Materialien nach dem Stand der Technik,
2. Anwendung kollektiver Schutzmaßnahmen technischer Art an der Gefahrenquelle, wie angemessene Be- und Entlüftung, und Anwendung geeigneter organisatorischer Maßnahmen,
3. sofern eine Gefährdung nicht durch Maßnahmen nach den Nummern 1 und 2 verhütet werden kann, Anwendung von individuellen Schutzmaßnahmen, die auch die Bereitstellung und Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung umfassen.
"

Der Arbeitgeber darf das Tragen von belastender persönlicher Schutzausrüstung nicht als ständige Maßnahme zulassen und dadurch technische oder organisatorische Schutzmaßnahmen nicht ersetzen (vgl. § 7 Absatz 5).

In der BG-Regel BGR 190 „Regeln für den Einsatz von Atemschutzgeräten“ wird der Einsatz von Atemschutzgeräten unter Betrachtung der gesetzlich technischen Regeln und Normen ausführlich beschrieben. Für die Entscheidung, welcher Typ Atemschutzgerät eingesetzt werden soll, sind die Betrachtung möglicherweise auftretender Luftkonzentrationen, der geplanten Verweilzeit sowie der Filtermerkmale notwendig: Für die angesprochenen Stoffe - niedrigsiedende organische Verbindungen der Niedrigsiedergruppen 1 und 2 - ist der Gasfiltertyp AX erforderlich. In Kombination mit einer Vollmaske oder einem Mundstück ist eine Schutzwirkung bis zur 400-fachen Grenzwertkonzentration möglich. Wichtig hierbei ist abzuschätzen (besser ist überschlägig zu berechnen), wann eine Filtersättigung gegeben ist, um rechtzeitig einen Filterwechsel vornehmen zu können.

Auf die arbeitsmedizinische VorsorgeuntersuchungBGI 504–26„Atemschutzgeräte“ wird hingewiesen.