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Containerbegasung im Hafen - Fachkundenachweis

KomNet Dialog 1025

Stand:

Kategorie: Gesunde Arbeit / Arbeitsschutz > Chemische Belastungen und Beanspruchungen > Begasungen

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Frage:

Ein Hafenumschlagsbetrieb erwägt die Dienstleistung `Containerbegasung` künftig vor Ort selbst anzubieten. Voraussetzung zum Erwerb eines Befähigungsscheines zur Durchführung von Begasungen ist der Nachweis ausreichender Erfahrung. Diese Erfahrung muss gemäß TRGS 512 Nr. 4.3 u.a. durch eine 18-monatige Berufspraxis erworben werden. Zusätzlich ist ein Sachkundelehrgang mit theoretischer und praktischer Prüfung abzulegen, außerdem ist die Teilnahme an mindestens 4 Begasungen erforderlich. Die 18 Monate Berufspraxis sind beispiellos und erscheinen uns in Anbetracht der zusätzlichen Anforderungen unangemessen lang. Nicht zuletzt sagt die Zeitdauer nichts über deren Intensität und Qualität aus. Wir beabsichtigen daher eine kürzere Praxisdauer zuzulassen, wobei jedoch eine bundeseinheitliche Vorgehensweise anzustreben ist. Bitte teilen Sie uns daher mit, wie in vergleichbaren Fällen entschieden wurde.

Antwort:

Die nach Nr. 4.3 der TRGS 512 erforderlichen 18 Monate Berufspraxis in einer Begasungsfirma als Voraussetzung für die Erteilung eines Befähigungsscheins sind keineswegs beispiellos.

So wird in der Verordnung zum geprüften Schädlingsbekämpfer/Schädlingsbekämpferin vom 18.02.1997 nach § 2 als Voraussetzung für die Zulassung zur Prüfung eine mehrjährige berufliche Tätigkeit verlangt. “Mindestens zwei Jahre der beruflichen Tätigkeit.. müssen der Umschulung zum Schädlingsbekämpfer dienlich sein“, d.h. in einem Schädlingsbekämpfer-Betrieb abgeleistet worden sein.

Vergleichbares gilt auch im Sprengstoffrecht: hier muss der Bewerber um einen Sprengstofferlaubnisschein an mindestens 50 Sprengungen und 26 Feuerwerken mitgewirkt haben, bevor er überhaupt zum Lehrgang zugelassen werden darf!

Da der eigenverantwortliche Umgang mit Begasungsmitteln in seinen Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung dem Umgang mit Sprengstoffen durchaus vergleichbar ist - siehe z.B. gleicher Wortlaut der Erlaubnisvorschriften – ist auch dort eine längere Praxiserfahrung unter Anleitung eines Begasungsleiters unerläßliche Voraussetzung für die Erteilung eines Befähigungsscheins.

Bisher ist der Nachweis dieser Berufspraxis, soweit mir bekanntgeworden ist, ohne größere Probleme möglich gewesen. Lediglich in einem Fall war in Hamburg der Antrag gestellt worden, die vorgegebene Praxisdauer zu verkürzen, da der Bewerber fast ein Jahr lang täglich an Begasungen teilgenommen hatte. Die zuständige Behörde kann die Zeit verkürzen, wenn sie nach Prüfung zu dem Ergebnis gekommen ist, dass der Bewerber - wie in dem geschilderten Fall - eine ausreichende Berufspraxis erlangen konnte. Ausschlaggebend für diese Prüfung muss auch sein, ob der beantragte Befähigungsschein ohne Einschränkungen erteilt werden soll, oder ob er auf einen bestimmten Anwendungsbereich beschränkt werden soll. In diesem Fall wäre auch eine Verkürzung möglich, ohne das beabsichtigte Ergebnis zu gefährden.

Um künftig derartige Probleme zu vermeiden, sollte die Anforderung für die nachzuweisende Berufspraxis wie im Sprengstoffrecht gestaltet werden. Es sollte also die Teilnahme an einer bestimmten Zahl und Art von Begasungen als Nachweis verlangt werden.

Im Vorgriff auf eine solche Regelung könnte also von Ihnen geprüft werden, an wievielen und an welchen Begasungen der Bewerber bisher teilgenommen hat. Das Ergebnis wäre mit der üblicherweise in 18 Monaten absolvierbaren Zahl von Begasungen zu vergleichen.

(Stand: 25.09.2002)