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KomNet-Wissensdatenbank

Müssen wir Flucht- und Rettungswege in Flucht- und Rettungsplänen festhalten?

KomNet Dialog 1011

Stand: 25.05.2006

Kategorie: Gestaltung von Arbeitsplätzen > Arbeitsplatz- und Arbeitsstättenbeschaffenheit > Flucht- und Rettungsplan, Sonstiges zu Fluchtwegen

Dialog
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Frage:

Im Rahmen einer Qualifizierungsmaßnahme stellte sich die Frage der Flucht- und Rettungsplänen. Müssen wir überhaupt und unter welchen Bedingungen Flucht- und Rettungswege in Flucht- und Rettungsplänen festhalten, auslegen oder aushängen.

Antwort:

Gemäß § 4 Abs.4 der Arbeitsstättenverordnung hat der Arbeitgeber einen Flucht- und Rettungsplan aufzustellen, wenn Lage, Ausdehnung und Art der Benutzung der Arbeitsstätte dies erfordern. Der Plan ist an geeigneten Stellen in der Arbeitsstätte auszulegen oder auszuhängen.
In angemessenen Zeitabständen ist entsprechend dieses Planes zu üben.
Flucht- und Rettungspläne werden demnach nicht für jede Arbeitsstätte vorgeschrieben, sondern nur, wenn es Lage, Ausdehnung und Art der Benutzung erfordern. Dabei kann man davon ausgehen, dass für Arbeitsstätten, für die bereits die Aufstellung einer Brandschutzordnung und eines Brandschutzplanes behördlicherseits vorgeschrieben sind, auch über einen Flucht- und Rettungsplan verfügen sollten, denn hier liegen erkannte Gefahrenmomente vor, z.B. die bauliche Ausführung der Arbeitsstätte oder das Vorhandensein von feuer-, explosions- oder sonstigen gefährlichen Stoffen.
Darüber hinaus wird es andere Fälle geben, in denen noch keine Brandordnungen und Brandschutzpläne vorhanden sind, aber doch Flucht- und Rettungspläne notwendig erscheinen. Außerdem können es neben einem Brand andere Gründe (z.B. die Möglichkeit, dass giftige oder erstickende Gase austreten) erforderlich machen, einen derartigen Plan aufzustellen.
Die Lage der Arbeitsstätte bedingt die Aufstellung eines Flucht- und Rettungsplanes, wenn sich der Betrieb z.B. in beengten Verhältnissen im Kerngebiet einer Ortschaft, in einem Hochhaus, in einem unübersichtlichen Gebäudekomplex (z.B. Vorhandensein von Hinterhöfen) oder in unmittelbarer Nähe von Anlagen oder Behältern (auch auf enachbartem Gelände) befindet, in denen feuer- oder explosionsgefährliche Stoffe oder Giftgase verarbeitet oder gelagert werden (z.B. Lack- oder Chlorfabrik, Flüssiggaslager).
Wenn in einem großflächigen Arbeitsraum eine größere Zahl von Arbeitnehmern beschäftigt ist, erscheint es ebenfalls notwendig, die Art und Weise der schnellen Räumung der Arbeitsstätte festzulegen, damit im Ernstfall das Verlassen ohne zusätzliche Gefährdung der Arbeitnehmer und ohne Panik erfolgen kann. In einem großflächigen Betrieb, etwa einem Betrieb der Großchemie, wo einzelne Arbeitnehmer oder kleinere Gruppen von Arbeitnehmern über das Betriebsgelände verteilt an verschiedenen Punkten tätig sind, dürfte sowohl von der Lage, als auch von der Ausdehnung her der Anlass vorliegen, für den Gefahrfall einen Flucht- und Rettungsplan aufzustellen.
Die Art der Nutzung erfordert einen Flucht- und Rettungsplan, wenn in der Arbeitsstätte explosionsgefährliche, brandfördernde oder entzündliche Stoffe verwendet, hergestellt oder gelagert werden oder mit sonstigen Gefahren gerechnet werden muss (z.B. starke Rauchentwicklung oder Austritt von Heißdampf beim Versagen einer Betriebsanlage). Brand- und Explosionsgefahren bestehen z.B. bei der Herstellung von Schuhcremen, Wachsen, pyrotechnischen Artikeln, Lacken und Farben, aber auch beim Anfall großer Mengen brennbarer Verpackungsmaterialien oder bei der Lagerung von Stoffen, die zur Selbstentzündung neigen.
Bei der Einrichtung von Arbeitsstätten in bereits bestehenden baulichen Anlagen muss im Einzelfall unter Berücksichtigung einer Gefährdungsbeurteilung festgelegt werden, welche Maßnahmen zur Herstellung des rechtlich geforderten Zustandes hinsichtlich der im Verlauf von Rettungswegen zulässigen Türen notwendig sind. Neben baulichen Nach- oder Umrüstungen (z. B. Ersatz von Dreh- durch Drehflügel- oder automatische Schiebetüren) sind möglicherweise auch organisatorische Maßnahmen (z. B. durch geänderte Fluchtwegepläne) geeignet, die gleiche Sicherheit herzustellen.
Wie ein Flucht- und Rettungsplan auszusehen hat und was er beinhalten muss, ist in der Arbeitsstättenverordnung nicht weiter ausgeführt, da dies vom jeweiligen Einzelfall abhängt. Den Einzelfall hat der Arbeitgeber im Rahmen seiner Gefährdungsbeurteilung zu betrachten.
Der Flucht- und Rettungsplan sollte  nweisungen enthalten, wie sich die Arbeitnehmer im Gefahr- oder Katastrophenfall zu verhalten haben und am schnellsten in Sicherheit bringen können.
Jeder Arbeitnehmer sollte aus dem Plan eindeutig ersehen können, welche Fluchtwege er von seinem Arbeitsplatz aus zu nehmen hat und an welchen Stellen er eine sichere Rettung von außen erwarten kann. In den Plan sollte einbezogen sein, wo und mit welchen Mitteln im Gefahrfall die Arbeitnehmer gerettet werden können, z.B. von einem Dach (gesicherter Bereich), wenn dorthin ein Rettungsweg führt. Aus dem Flucht- und Rettungsplan muss auch hervorgehen, welche Rettungsmittel (z.B. Leitern, Rutschen, Sanitätswagen) vorhanden sind, wo sie sich befinden, welche Personen mit dem Umgang der Rettungsmittel betraut sind und sie bedienen können, wo diese Personen während der Arbeitszeit zu erreichen und wie sie zu verständigen sind.
Anforderungen und Hinweise zum Flucht- und Rettungsplan sind zu finden unter :


 
Stand: Mai 2006